Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1271 (06:28 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1226 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 107,24. In der Folge notiert EUR-JPY bei 120.88. EUR-CHF oszilliert bei 1,0709.

Die letzten 24 Stunden lieferten überwiegend ermutigende Nachrichten und Wirtschaftsdaten. Im medizinischen Sektor werden gegen die Bekämpfung von Covid-19 Fortschritte erzielt. In einer Studie mit 2.100 Patienten hat der Wirkstoff Dexamethason die Sterblichkeit deutlich reduziert. Bei Schwerkranken konnte die Todesrate um circa ein Drittel verringert werden.

Seitens der Notenbanken und der Politik werden weitere Maßnahmenpakete umgesetzt oder auf die Zielgerade gebracht. Gestern setzte die Bank of Japan entsprechende Akzente. Sie stellt eine Billion USD für Firmenkredite zur Verfügung. Damit will die Notenbank Firmen über Liquiditätsengpässe hinweghelfen. Mehr noch ist die japanische Notenbank bereit, bei Bedarf nachzulegen.

Aus den USA erreichen uns gleichfalls weitere Ankündigungen. Der Präsident der Federal Reserve Dallas betonte, dass der Köcher der Fed noch lange nicht leer sei. Man hätte noch viele Möglichkeiten, Vermögenswerte (Aktien?) aufzukaufen. Die US-Regierung will ein Infrastrukturpaket auf den Weg bringen, das einen Umfang von einer Billion USD hat.

Die Gesamtheit der Konjunkturmaßnahmen, die global verfügt werden und ein historisch großes Ausmaß haben, müssen durch Unternehmenstätigkeiten, die sich in Bilanzsummen und Skaleneffekten niederschlagen, realisiert werden (Achtung: Zyklische Werte, nicht nur Hi-Tech!). Was heißt das für Aktienmärkte?

Fazit: Die Regierungen und Notenbanken organisieren weitgehend eine Vollkasko-Politik für die Makroökonomie nach der administrativ verfügten Rezession.

Jerome Powells Anhörung vor dem Kongress (unsere Kommentare kursiv)

Trotz des Lichtblicks am US-Arbeitsmarkt wird sich die Erholung der US-Wirtschaft laut Fed-Chef Powell hinziehen.

Wir stimmen zu. Das hat aus unserer Sichtweise auch strukturelle Gründe (keine ausreichenden selbstragenden Kräfte, siehe aktuelle und historische Defizite)

Mit einer vollständigen Genesung der US-Wirtschaft sei erst zu rechnen, wenn die Bürger von der Eindämmung der Corona-Pandemie überzeugt seien.

Ja, da liegt Powell tendenziell richtig.

Powell betonte, dass direkte Hilfen für Haushalte und Firmen den entscheidenden Unterschied machen könnten, um den langfristigen Schaden für die Konjunktur zu begrenzen. Millionen Amerikanern sind im Rahmen des US-Krisenpakets Barschecks in Höhe von 1.200 USD zugeschickt worden. Powell sagte, das jüngste Rekordplus bei den Einzelhändlern sei ein Beleg dafür, dass die Nachfrage dadurch stimuliert worden sei. Wahrscheinlich würden weitere Hilfen vom Kongress und von der Fed nötig, um die Konjunkturerholung zu stützen.

Dabei ist zu bemerken, dass es sich hier um konsumtive Ausgaben des Staates handelt.

Die Wirtschaft würde sich aber auf jeden Fall wieder fangen.

Das ist in der Tat wahrscheinlich.

Jerome Powell zeigte sich optimistisch, dass das Schlimmste überstanden sei und die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen werde. Es sei zu erwarten, dass viele Amerikaner im Sommer wieder beschäftigt seien. Es läge aber noch ein weiter Weg vor den USA.

Das passt zu unserer Erwartung, dass der Tiefpunkt der administrativ verfügten Rezession im April 2020 lag.

Auch die Fed hätte durch zahlreichen Notfallprogramme dazu beigetragen, die Wirtschaft zu stabilisieren. Zu Wochenbeginn startete ihr Main Street Lending Facility Programm mit einem Gesamtvolumen von 600 Mrd. USD. Es soll Firmen mit bis zu 15.000 Angestellten oder einem Umsatz von höchstens fünf Mrd. USD helfen, die Krise zu überwinden. Die Fed hatte zuvor den Startschuss für Firmenanleiheankäufe gegeben, nachdem sie im Rahmen ihres SMCCF Programms Anteile von Börsenfonds auf dem Sekundärmarkt erworben hatte. Powell betonte, das Programm könne bei Bedarf heruntergefahren oder auch gestoppt werden, wenn sich die Märkte stabilisiert hätten.

Auch hätte die Fed über die Kontrolle der Zinskurve gesprochen. Dabei gehe es darum, neben kurzfristigen auch langfristige Zinsen zu steuern. Die BoJ praktiziere dieses Modell bereits seit Jahren. Powell betonte, dass die Fed dazu noch keine Entscheidung getroffen hätte. Man befände sich in einem frühen Stadium der Bewertung.

Unser Kommentar: Es ist nicht eine Frage des "ob", sondern des "wann"!

Fazit: Der Interventionsmodus wird seitens der US-Notenbank so gestaltet, dass der konjunkturelle Erholungsmodus weiter angemessen forciert wird.

Hinweis: Die öffentliche Neuverschuldung der USA erhöhte sich per 15. Juni auf 2.930 Mrd. USD per 2020 oder circa 13,5 % des BIP (US-Alleinstellungsmerkmal global!)

Aktuelle Corona-Lage gemäß der Johns-Hopkins-Universität:

Wir weisen darauf hin, dass die Darstellung der Johns-Hopkins-Universität lediglich eine Annäherung an die reale Lage liefert. Die Datenqualität ist in Teilen erodiert. Das gilt insbesondere für Genesungszahlen. Grundaussagen lassen sich dennoch grob ableiten.

Das Thema der Exit-Strategien aus den Extremmaßnahmen bestimmt weiter grundsätzlich das Bild. Es gibt aber auch vereinzelt Verschärfungen der Maßnahmen, die aber weitgehend regionalen und nicht nationalen Charakter aufweisen.

In Asien setzt sich die Entspannung (und die wirtschaftliche Erholung) fort. In China liegen 291 akute Infektionen vor. In Südkorea stellt sich die Zahl auf 1.145. In Japan liegt sie bei 898. In Singapur sind es 9.780.

In Kontinentaleuropa ist die Lage stabil. Einige Länder liefern keine aktuellen Genesungszahlen laut Johns-Hopkins, sodass wir uns hier nur auf die Länder fokussieren, die ihren Aufgaben nachkommen. In Deutschland liegt die Zahl der akuten Infektionen bei 6.590. Österreich liegt bei 419 Fällen. Die Schweiz bringt es auf 300. In Italien sind es noch 24.569. Irritierend sind die Genesungszahlen aus den Niederlanden (186!), Belgien, Spanien, Frankreich und Schweden (keine Angabe).

Die Problemländer sind weiter die USA (1.437.265), das UK (256.253), Brasilien (387.943) und Russland (243.671). Deren Genesungszahlen sind übrigens plausibel…

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Das Bild einer globalen Erholung ab Mai verdichtet sich zunehmend. Dabei sind die Tempi des Aufschwungs in Ländern und Wirtschaftssektoren unterschiedlich.

Eurozone: Grundsätzlich positive Entwicklungen

Der ZEW-Sentiment-Index für Deutschland stieg per Juni von zuvor 51,0 auf 63,4 Punkte (Prognose 60,0) und markierte den höchsten Wert seit März 2006. Der Lageindex legte per Juni von -93,5 auf -83,1 Zähler zu (Prognose -84,0). Der ZEW-Erwartungsindex für die Eurozone nahm per Juni von zuvor 46,0 auf 58,6 Punkte zu und markierte den höchsten Wert seit Mai 2015. Die Arbeitskosten stiegen in der Eurozone per 1. Quartal im Jahresvergleich um 3,4 % nach zuvor 2,3 % (revidiert von 2,4 %). Die Löhne verzeichneten eine Zunahme um 3,4 % nach zuvor 2,4 % (revidiert von 2,3 %).

USA: Grundsätzlich positive Entwicklungen

Die Einzelhandelsumsätze schossen per Mai um 17,7 % im Monatsvergleich in die Höhe (Prognose 8,0 %) nach zuvor -14,7 % (revidiert von -16,4 %). Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 6,08 % nach zuvor -19,90 % (revidiert von -21,61 %). Die Industrieproduktion stieg per Mai im Monatsvergleich um 1,4 % (Prognose 2,9 %) nach zuvor -12,5 % (revidiert von -11,2 %). Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 15,27 % nach zuvor -16,25 % (revidiert von -15,04 %). Die Kapazitätsauslastung stellte sich per Mai auf 64,8 % (Prognose 66,9 %) nach zuvor 64,0 % (revidiert von 64,9 %).

Der NAHB Housing Market Index legte per Juni markant von zuvor 37 auf 58 Zähler zu (Prognose 45). US-Lagerbestände sanken per Berichtsmonat April im Monatsvergleich um 1,3 % (Prognose -0,8 %) nach zuvor -0,3 % (revidiert von -0,2 %).

Russland: Im Ländervergleich resilient

Die Industrieproduktion fiel per Berichtsmonat Mai im Jahresvergleich um 9,6 % (Prognose -8,0 %) nach zuvor -6,6 %.

Japan: Schwache Daten

Der von Reuters ermittelte Tankan-Index sank per Juni von -44 auf -46 Punkte. Exporte fielen Im Jahresvergleich per Berichtsmonat Mai um 28,3 % (Prognose -26,1 %) nach zuvor -21,9 %, während Importe um 26,2 % (Prognose -20,4 %) nach zuvor -7,1 % (revidiert von -7,2 %) zurückgingen.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0850 - 70 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!