Wandelanleihen – abgesichert nach unten, Chancen nach oben

Revival stets in unsicheren Börsenzeiten

Die vielfältigen Konstruktionen erfordern den Vollprofi

Sicher, die FAZ ist nicht die Bild Zeitung. Doch wenn die FAZ, wie soeben geschehen, fast eine ganze Druckseite dem Thema Wandelanleihen widmet, und dabei feststellt, dass dieses Papier sich „durchaus“ für Privatanleger eignet, dann sollten Privatanleger doch ins Grübeln kommen. Grund genug für uns, auch an dieser Stelle dazu ein Wort zu verlieren.

Die Wandelanleihe als Zwitterpapier zwischen Aktie und Anleihe erlebt stets in unsicheren Börsenzeiten eine Art Wiederauferstehung bzw. Wiederentdeckung. Das liegt einfach an ihrer Konstruktion, in der der Sicherheit versprechende feste Zins gekoppelt ist mit den Unsicherheiten, also den Chancen und Risiken einer Aktienanlage. Im Einzelnen:

Die Wandelanleihe gewährt auf der einen Seite dem Anleger einen festen Zinssatz; darüber hinaus hat der Inhaber aber das Recht, sein Papier gemäß den Anleihebedingungen in Aktien, meist des emittierenden Unternehmens, zu tauschen. Da die Wandelanleihe aufgrund der Chancen, die in dieser Tauschmöglichkeit in Aktien liegen, eine etwas geringere Rendite erbringt als eine klassische Anleihe dieses Emittenten, hat der Privatanleger genau abzuwägen: Wiegt die Chance des Tausches in Aktien den Zinsnachteil auf? Und wie ist die Sicherheit zu gewichten, bei Nichtausübung des Tauschrechts am Ende der Laufzeit sein Geld zu 100 Prozent zurück zu erhalten?

Und wenn die Zinsen steigen...

Hinzu kommt derzeit auf dem historisch niedrigen Zinsniveau die Fragestellung, wie sich die Märkte für die zweite Komponente der Wandelanleihe, also die Zinsen, entwickeln werden. Und da wäre sicher zu konstatieren, dass auf Sicht die Zinsen eigentlich nur steigen können, wobei Ausmaß und der Zeitablauf allerdings kaum zu greifen sind. Doch wäre dies sicher eher ein nachdenklich stimmender Faktor für die Beurteilung von Anlagen in Wandelanleihen.

Diese Fragestellungen zeigen die Komplexität der Anlageentscheidung. Professionelle Einschätzung ist deshalb hier stark gefragt. Ähnliches gilt für das spezifische  Chance/Risiko-Profil von Wandelanleihen: denn wenn der Aktienkurs wie vom Anleger erwartet steigt,  wird das Wandlungsrecht immer werthaltiger und der Kurs der Wandelanleihe orientiert sich zunehmend an dem Aktienkurs, steigt also mit diesem nach oben. Anders ist die Situation im Falle eines entgegen den Erwartungen fallenden Aktienkurses. Dann tritt die über die feste Verzinsung eingebaute Kursbremse in Kraft. Die Wandelanleihe fällt  dann maximal nur so stark, bis ihre Verzinsung der einer normalen Anleihe dieses Emittenten entspricht. Meist ist der Kursrückgang sogar schwächer, weil nach wie vor die Chance gegeben ist, dass während der Laufzeit der Anleihe das Wandlungsrecht noch einmal wieder werthaltig werden kann. Wandelanleihen besitzen also einen eingebauten Automatismus: bei fallenden Aktienkursen steht – wie vom Anleger gewünscht - der Anleihecharakter im Vordergrund und sichert den Kurs weitgehend ab. Bei steigenden Aktienkursen hingegen tritt immer stärker der Aktiencharakter dieses Anlagezwitters in den Vordergrund.

Baisse-Schutz durch den Zinseffekt

Es gibt die verschiedensten Untersuchungen, wie sich Wandelanleihen bei dem Auf und Ab an den Aktienmärkten verhalten. Eine Faustformel, auch von der FAZ zitiert, besagt, dass Wandelanleihen eine Aufwärtsbewegung der Aktienkurse zu zwei Dritteln mitmachen, bei einem Nachgeben der Aktienkurse nur mit einem Drittel teilnehmen. Hier bremst dann eben der erwähnte eingebaute Zinseffekt.

Für den normalen mitteleuropäischen Anleger ergeben sich aber bei einer Geldanlage in Wandelanleihen einige andere Probleme. Die Konstruktionen der Anleihen sind häufig kompliziert und von Anleihe zu Anleihe äußerst unterschiedlich. Dahintersteht eben nicht, wie bei Aktien, ein einheitliches und für alle Papiere verbindliches Aktienrecht, sondern die völlige Vertragsfreiheit. Problem No. 2: Die Börsenmärkte in diesen Papieren sind hier und da nicht gerade sehr liquide. Hier können spezielle Wandelanleihe-Fonds oder auch versierte Vermögensverwalter viel Know How in die Wagschale werfen und auch auf den liquideren Interbankenhandel ausweichen. Hinzu kommt, dass Wandelanleihen oft nur in großen Stückelungen verfügbar sind. In einem Fonds oder von einem versierten Vermögensverwalter werden Anlagebeträge gebündelt und zudem die einzelnen Titel fortlaufend überwacht und analysiert. Alles zusammen genommen sicher für viele Privatanleger ein Hemmnis, in Wandelanleihen direkt zu investieren.

Den Einfluss der Fondskosten berücksichtigen

Sei abschließend noch das Fazit einer nicht neuen, aber für den Anleger nachdenkenswerten Aussage einer Analystenstudie wiedergegeben. Dort war festgestellt worden, dass die herausgestellten Vorteile von Wandelanleihen über Wandelanleihe-Fonds für den Anleger kaum realisiert werden können. Der Grund: die Fondskosten würden die Renditevorteile der Wandelanleihen weitgehend auffressen.

Deshalb zum Schluss noch ein Blick auf den ältesten und bekanntesten deutschen Wandelanleihefonds, den DWS Convertibles (WKN 847426). Ein Langfristchart für den Fonds, den DAX und eine 5 und 8-prozentige Zinskurve zeigt folgendes: In der Aufwärtsbewegung von 1994 bis ins Jahr 2000 läuft der Fonds sehr schön mit dem DAX mit, um anschließend in der Baisse bis 2003 deutlich weniger zu verlieren als der DAX. In der anschließenden Hausse bis Anfang 2008 holt der DAX den Fonds wieder ein, um anschließend in der Finanzkrise wieder deutlich stärker nachzugeben als der DWS-Fonds. Diesen Vorsprung hat der Fonds bis dato quasi gehalten. Erstaunlich. Die Zinskurven zeigen, dass das Engagement in den DWS Convertibles von Anfang 1994 bis heute einer Verzinsung von 8 Prozent entspricht. Die fünfprozentige Zinskurve schließt hingegen noch unterhalb des DAX. Das kann sich sehen lassen.