Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0647 (06:05 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0590 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 136,47. In der Folge notiert EUR-JPY bei 145,30 EUR-CHF oszilliert bei 1,0034.

Finanzmärkte: Zinssensibel und zinsreagibel

Der freundliche Wochenstart (Aktienmarkt) mit leicht erhöhter Risikobereitschaft erodiert. Dafür gibt es Gründe. Die Inflationsdaten, die uns aus Europa und der Welt erreichen, belegen, dass die Inflation hartnäckiger als erwartet ist. Das forciert veränderte Zinserwartungen (Leitzins, Geldmarkt). Dazu kommen diverse Einlassungen von Notenbankern, beispielsweise Bundesbankpräsident Nagel, der das Thema eines höheren Zinsendpunktes und einer länger anhaltenden Phase des erhöhten Zinsniveaus in den Raum stellt.

In der Konsequenz zeichnete sich diese Woche an den Kapitalmärkten eine nennenswerte Zinsversteifung ab. 10-jährige Bundesanleihen rentieren heute mit 2,74% (Vortag 2,64%, Freitag letzte Woche 2,47%), dem höchsten Renditeniveau seit 2011, während 10-jährige US-Staatstitel heute früh mit 4,02% (Vortag 3,95%, Freitag letzte Woche 3,87%) rentieren. Ergo wirkt sich der Diskontierungsfaktor Zins belastend aus.

Auch in Japan wird das Thema Inflation und potentielle Zinspolitik für die Märkte kritischer. Noch hält die Bank of Japan an der Nullzinspolitik und der Interventionspolitik (Renditelimit für japanische Staatsanleihen bei 0,50%) fest. Die Verbraucherpreise legten zuletzt mit 4,3% (Kernrate 4,2%) zu. Bei der Gesamtrate war es der höchste Anstieg seit Dezember 1981, bei der Kernrate die höchste Zunahme seit September 1981. Die Fakten implizieren für die Vertreter der Bank of Japan Handlungsbedarf. Ansonsten drohte möglicherweise erneut markante Schwäche des JPY.

Mit den Einlassungen unseres Bundesbankpräsidenten bezüglich der Zinspolitik konnte der EUR an den Devisenmärkten punkten und sich in der Spitze im US-Handel bis auf 1,0691 befestigen.

Aber auch tendenziell enttäuschende US-Daten spielten eine Rolle. Die Nachrichten aus Deutschland setzten dagegen positive Akzente. So nahm beispielsweise die Zahl der Erwerbstätigen per Januar um 72.000 oder 0,2% zum Vormonat auf rund 45,5 Millionen Personen mit Wohnort Deutschland zu. Im Jahresvergleich lag der Anstieg bei 1% (445.000).

Bei Gold und Silber kam es gegenüber dem USD nur zu geringen und insignifikanten Bewegungen. Als Fazit lässt sich ziehen, dass die Finanzmärkte zinssensibel und zinsreagibel sind.

Deutschland: Weniger Unternehmen wollen Preise anheben

Das Preisbarometer des IFO-Instituts, das den Preiserhöhungsdruck bei Unternehmen auf Sicht der kommenden drei Monate abfragt, sank per Februar von zuvor 35,2 auf 29,1 Punkte. Es war der fünfte Rückgang in Folge.

Der Blick auf nachfolgenden Chart des IFO-Instituts bildet die unterschiedlichen Branchen ob dieses Themas ab. In der Gesamtbetrachtung bewegt sich der Wille zu Preiserhöhungen auf Niveaus vergleichbar mit Frühjahr/Sommer 2021.

 

Kommentar: Die Entwicklung ist erfreulich. Sie ist auch begründet, da Rohstoffpreise sich markant zurückbildeten und der Anstieg des Euros von Tiefstkursen bei 0,95 auf jetzt 1,06 darüber hinaus entlastend wirkte und wirkt. Die Entwicklung impliziert, dass der kommende Preisdruck bezüglich dieser Sektoren zunächst milder ausfällt oder sogar rückläufig sein kann. Für die weitere Entwicklung sind die Tarifabschlüsse von hoher Bedeutung, da sie einen beachtlichen Kostenfaktor für Unternehmen darstellen, der mindestens in Teilen an Kunden weitergeleitet würde (Preis- Lohnspirale).

DIHK: US-Subventionen wirken bereits gegen uns

Laut einer Umfrage des DIHK unter 2.400 Unternehmen plant jede 10. Firma Produktionsverlagerungen. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Standorte USA und Kanada wegen geringerer Energiekosten und weiterer Anreize (IRA, weniger Bürokratie, Würdigung des Leistungsprinzips). Insbesondere in dem deutschen Paradesektor der Fahrzeugindustrie und deren Zulieferbetrieben ist die Bereitschaft besonders hoch (23%). Am Standort Deutschland erkennen 56% der Unternehmen Belastungen durch neue Handelshemmnisse. Das ist ein Rekordwert in der 18 jährigen Historie dieser Umfrage.

Kommentar: Mit dieser Umfrage sticht der DIHK in ein Wespennest. Wir haben in diesem Format und weiteren Beiträgen sehr frühzeitig vor diesem Risikocluster gewarnt. Fakt ist, dass die Standortbedingungen für Deutschland und Europa sich im höchsten Tempo seit 1949 in den letzten 12 Monaten verdunkelten.

Fakt ist, dass es um unseren deutschen und europäischen Kapitalstock (Summe aller Unternehmen) geht, der sowohl für die Einkommen des Staats als auch der privaten Haushalte verantwortlich zeichnet. Fakt ist, dass es um das Wirtschaftscluster Deutschlands und Europas (enge und sichere Zulieferungsketten) geht, das die hohe Effizienz (Standort- und Kostenvorteil) bedingt. Fallen hier Teile weg, wird dieser Vorteil nivelliert oder sogar erodiert. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Politische Verantwortung für uns ist gefragt, mehr denn je, denn das ist ein Feld, in dem Politik bestimmt.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: PMI wie erwartet – Deutschlands Inflation höher als erwartet

Der S&P Einkaufsmanagerindex der Eurozone für das Verarbeitende Gewerbe stellte sich gemäß finaler Berechnung per Februar auf 48,5 Punkte (Prognose und vorläufiger Wert 48,5). Deutschland: Die Zahl der Arbeitslosen nahm per Februar in der saisonal bereinigten Fassung um 2.000 zu (Vormonat -15.000). Die saisonal bereinigte Arbeitslosenquote stellte sich unverändert auf 5,5%.

Deutschland: Laut vorläufigen Berechnungen legten die Verbraucherpreise per Februar im Monatsvergleich um 0,8% (Prognose 0,6%) nach zuvor 1,0% und im Jahresvergleich um 8,7% (Prognose 8,5%, Vormonat 8,7%) zu.

UK: Erstmaliger Preisrückgang bei Hauspreisen seit 12/2012

In Großbritannien sanken erstmals seit Dezember 2012 die Hauspreise im Jahresvergleich. Es kam per Februar 2023 zu einem Rückgang um 1,2% (Prognose -0,9%) nach zuvor +1,1%. Der S&P Einkaufsmanagerindex des UK für das Verarbeitende Gewerbe stellte sich gemäß finaler Berechnung per Februar auf 49,3 Punkte (Prognose und vorläufiger Wert 49,2).

USA: US-Daten verfehlen Prognosewerte und enttäuschen

Der von der MBA ermittelte Hypothekenmarktindex stellte sich in der Berichtswoche per 24. Februar 2022 auf 188,5 nach zuvor 199,8 Punkten. Es ist das tiefste Niveau seit 1997. Der S&P Einkaufsmanagerindex der USA für das Verarbeitende Gewerbe stellte sich gemäß finaler Berechnung per Februar auf 47,3 Punkte (vorläufiger Wert 47,8).

Der vom ISM ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe lag per Februar bei 47,7 (Prognose 48,0) nach zuvor 47,4 Zählern.

Die US-Bauausgaben verzeichneten per Januar im Monatsvergleich einen Rückgang um 0,1% (Prognose +0,2%) nach zuvor -0,7% (revidiert von -0,4%).

Russland: Arbeitslosenquote bei 3,6% - neues historisches Tief der Quote

Die Einzelhandelsumsätze sanken per Januar im Jahresvergleich um 6,6% (Prognose -8,6%) nach -10,5%. Die realen Löhne legten per Dezember im Jahresvergleich um 0,6% (Prognose 0,8%) nach zuvor 0,3% zu. Die Arbeitslosenrate stellte sich per Januar auf 3,6% (Prognose 4,0%) nach zuvor 3,7%. Damit wurde ein neuer historischer Tiefstwert der Quote markiert.

Südkorea: Sehr schwache Industrieproduktion

Die Industrieproduktion sank per Berichtsmonat Januar im Jahresvergleich um 12,7% (Prognose -8,7%) nach zuvor -10,5% (revidiert von -7,3%) Der von S&P ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stellte sich per Februar auf 48,5 nach zuvor 48,5 Punkten.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überwinden der bisherigen Höchstkurse bei 1,1000 – 1.1020 negiert das Szenario.

Viel Erfolg!

 

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