Diese Woche sorgt die anhaltende Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur für fallende Kurse an den Aktienmärkten. Neben den regelmäßigen Veröffentlichungen von Wirtschaftsdaten standen die Protokolle der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank (FED) auf dem Plan. Hieraus ergaben sich in erster Linie Impulse für den Anleihe- und Währungsmarkt.

Inflation und Konjunktur

Sollten sich die jüngsten Erholungen am Rohstoffmarkt fortsetzen, wird dies das Wachstum der globalen Wirtschaft unterstützen. Die steigenden Preise für Rohstoffe wirken sich auch auf die Inflationsraten aus und lassen diese ebenfalls ansteigen (siehe Grafik unten). In einem Umfeld steigender Inflationsraten erhöhen sich auch die Anreize für Unternehmen und Haushalte, Gelder in den Wirtschaftskreislauf zu geben. Daher wäre es für die weitere wirtschaftliche Entwicklung wichtig,  dass sich die Rohstoffpreise und damit auch die Inflationsraten stabilisieren und ansteigen. Erste Anzeichen haben wir in den letzten Wochen bereits gesehen, doch nun muss sich der Trend fortsetzen.

Die wirtschaftlichen Daten der letzten Wochen konnten sich zuletzt stabilisieren. Der unten abgebildete CESI Index (Citi Economic Surprise Index) zeigt, wie gut oder schlecht Wirtschaftsdaten im Vergleich zu den Erwartungen der Experten ausgefallen sind. Gemessen an den Erwartungen hat sich die Datenlage aufgehellt. In den Schwellenländern (Emerging Markets) und China fiel die positive Abweichung am größten aus. Dort sind die Währungsreserven zuletzt angestiegen.

Geldpolitik - Die Bilanz der EZB

Wie die Protokolle der EZB und FED in dieser Woche verdeutlichten, bleiben die Notenbanken weiterhin der expansiven Geldpolitik treu. In den USA überraschte zuletzt die vorsichtige Gangart der FED. Diese lässt sich angesichts der internationalen Herausforderungen an das Finanzsystem jedoch leicht erklären. Eine aggressive Zinspolitik seitens der FED würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu schweren Turbulenzen an den Weltbörsen führen.

In Europa zeigt das Protokoll der letzten Sitzung, dass viele Mitglieder des EZB-Rates gewillt sind, die experimentelle Geldpolitik noch weiter zu treiben. Auch eine weitere Reduzierung des Einlagezinses scheint nicht ausgeschlossen zu sein. In Anbetracht dieser Aussichten wird die Bilanz der EZB bald 3 Billionen Euro überschreiten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden dann die 4 Billionen in den nächsten 12 bis 15 Monaten geknackt werden. Wer das für Wahnsinn hält, der sollte seinen Blick nach Japan richten. Im relativen Vergleich wirkt die EZB wie ein Musterknabe der konservativen Geldpolitik.

Nicht verrückt machen lassen

Die Mischung aus einer erhöhten Unsicherheit im Markt und dem hohen Maß an geldpolitischer Stimulation sorgt für immer weiter steigende Anleihepreise. Im Umkehrschluss fallen die Renditen. Zudem wird es immer schwieriger, Anleihen zu kaufen. Gesund ist das nicht. Daher sollte das Thema "Illiquidität" als Entscheidungskomponente stärker gewichtet werden.

Die Bewertung von "sicheren" Anleihen im Verhältnis zu Aktien wird immer extremer. Themen wie Brexit, europäische Flüchtlingspolitik, Schuldenschnitt für Griechenland, Ukraine, Spannungen mit Russland, Währungskrieg und konjunkturelle Abkühlung stehen derzeit im Vordergrund und lassen Anleger Risiken scheuen.  Mit diesen politischen und geopolitischen Unsicherheiten gehen signifikante Kursschwankungen einher. Ob der Risikoappetit der Anleger bald wieder zurückkehrt, hängt maßgeblich vom Verlauf der erwähnten Themen ab.

Andererseits sind langfristig attraktive Renditen das Ergebnis einer disziplinierten und nicht an Tagesnachrichten orientierten Anlagestrategie. Zudem sollte das kurzfristige und gleichgeschaltete Verhalten großer Anlegergruppen gute Möglichkeiten für strategische Investoren bieten.

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