"Hoch-Tief" - oder besser umgekehrt: "Tief-Hoch" - ist auch der Aktienkursverlauf des Unternehmens. Allerdings wirken sich allgemeine Marktschwankungen bei Hochtief etwas weniger auf den Aktienkurs aus als bei anderen Aktien. Hochtief ist also trotz seines Namens sozusagen weniger "hoch-tief" als andere Aktien.

Geschäft:

Der Name leitet sich ab von der Tätigkeit: Hochbau und Tiefbau. Als Hochbau bezeichnet man die Errichtung von Bauwerken oberhalb der Wege, und dem Tiefbau werden die Bauwerke unterhalb des Erdbodens, also Kanalisation, Tunnel, aber auch Straßen und Brücken zugeordnet. Hochtief macht also alles: Gebäude, Infrastruktur, Mienen, Tunnel, ganze Stadtteile und sogar Kraftwerke. Das Unternehmen  beschränkt sich dabei neuerdings auf die Kernkompetenz: das Bauen selbst. Planung, Finanzierung und Betrieb der Bauten übernehmen andere.

Geschichte:

Da Unternehmen hat große Teile Deutschland aufgebaut. Außerdem errichtete es bedeutende Bauwerke in der ganzen Welt.

Hochtief wurde im 19. Jahrhundert von einem Schlosser und von einem Maurer quasi in der guten alten Zeit in Frankfurt gegründet. Später zog es nach Essen um, wo der Konzern noch heute seinen Sitz hat.

Das Unternehmen errichtete unter anderem die Zeche Zollverein (heute UNESCO-Weltkulturerbe) und viele Autobahnen in Deutschland. Auch heute unrühmliche Werke wie den "Führerbunker" und den "Westwall" führte es aus. (Der Westwall war eine aus tausenden Bunkern, Stollen und Sperren bestehende Anlage an der Grenze zu Frankreich und Holland - die heute glücklicherweise äußerst grotesk erscheint - mögen späteren Generationen heutige Grenzwälle ebenso grotesk erscheinen…!). Anschließend beteiligte es sich maßgeblich am Wiederaufbau in den Nachkriegsjahren. Es realisierte zunehmend internationale Großprojekte wie die Bosporus-Brücke in Istanbul aber auch den Elbtunnel bei Hamburg. Es schaffte die Versetzung des Felsentempels von Abu Simbel in Ägypten und baute den größten Flughafen Saudi-Arabiens. Heute erwirtschaftet Hochtief den weitaus größten Teil seines Umsatzes im Ausland und steht auch mehrheitlich im Besitz von ausländischen Gesellschaften. Die Konzernführung ist größtenteils spanisch.

Jüngste Geschäftsentwicklung:

Die Geschäftszahlen entwickeln sich sehr gut. Der Umsatz konnte im letzten Quartal um über 40% gegenüber dem Vorjahr zulegen. Die operative Marge konnte aus dem "Tiefbaubereich" von unter 0 wieder auf das gewohnte Niveau von etwa 3% steigen.

Bewertung:

Mit einem Velten-Faktor von 11 und einem Umsatzmultipel von 0,35 ist die Aktie ziemlich günstig bewertet. Allerdings zeigt ein Blick auf das KBV, insbesondere im historischen Verlauf, dass die Situation nicht eindeutig ist. Derartige KBV-Niveaus von aktuell über 3 konnte die Aktie in der Vergangenheit meist nicht lange halten.

Auf einen Blick:

Fazit:

Hochtief ist ein Baukonzern mit bedeutender Geschichte. Der Aktienkurs wird davon weniger beeinflusst. Relativ unabhängig auch vom Markt bewegt er sich derzeit steil nach oben. Das könnte eine Zeitlang so weiter gehen, hauptsächlich wegen der guten Geschäftsentwicklung und der niedrigen Bewertung. Danach ist wieder Zurückhaltung angesagt. Für ein sehr langfristiges Investment mit Überrenditeerwartung eignet sich der volatile Baukonzern eher weniger. Wer aber langfristig ohne große Überrenditeerwartung diversifizieren will, kann sich auch Jahre lang engagieren und sich am weiteren Gang des Unternehmens durch die Weltgeschichte beteiligen.

Beste Grüße

Robert Velten

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