Momentan lässt sich beobachten, dass die Ausschläge im Falle negativer Unternehmensnachrichten immer stärker ausfallen. Egal ob deutsche Mittelstandsaktien wie Wacker Neuson, Nordex SE oder Elring Klinger. Kommen auch nur die leisesten Nachrichten, die den Anlegern oder womöglich den Computern hinter den Anlageentscheidungen nicht schmecken, werden die Aktien auf Talfahrt geschickt. Die zuvor mühsam erkämpften Kursgewinne sind dann binnen weniger Tage aufgezehrt.

Ob diese Entwicklung positiv ist, die mein aktuelles subjektives Empfinden betrifft mag bezweifelt werden. Nichtsdestotrotz ist es die vielleicht neue Umgebung, mit der wir uns befassen müssen.

Ein solcher Kandidat ist auch die Nordex SE (ISIN: DE000A0D6554). Der Windanlagenhersteller hat in den letzten Monaten immer wieder für überwiegend positive Schlagzeilen gesorgt. Am gestrigen Montag jedoch verkündete der Vorstand der „neuen“ (mehr dazu später) Nordex ein etwas langsameres Wachstum. Hauptgrund dafür ist ein etwas verlangsamtes Wachstum des Gesamtmarktes. Nichtsdestotrotz hat sich seit unserem letzten Blick auf das einstige Sorgenkind einiges getan.

Der Chart zeigt, dass Nordex kein Investment für Anleger ohne gutes Nervenkostüm ist. Sowohl Anfang Februar als auch jüngst hat die Aktie stark nachgegeben. Nach Bekanntgabe der Übernahme des spanischen Windanlagenherstellers hat die Aktie in einem positiven Kapitalmarktumfeld ordentlich zugelegt. Diese Gewinne sind heute mehr als aufgebraucht, auch wenn man im 12-Monats-Vergleich immer noch über DAX und dem von Reuters berechneten Technologie-Index pendelt.

Negativ erscheint, das derzeit ins Minus laufende Momentum (blauer Hügel-Chart). Zwar ist die Aktie derzeit weder überkauft noch überverkauft, jedoch könnte sich bei weiteren Kursabschlägen schnell ein solches Bild ergeben. Hier sollte man demnach wachsam bleiben.

Wie gewohnt wollen wir die größte Aufmerksamkeit auf die fundamentale Betrachtung des Unternehmens legen. Dies geht zum einen sowohl quantitativ als auch qualitativ. Ersteres soll den Anfang machen.

Vorteile

  • Wachstum: In diesem Segment spielt die lauteste Musik, weswegen Anleger vor kurzem auch derart empfindlich reagierten, dass genau hier mit Einbußen zu rechnen sein soll. Mit der Übernahme der spanischen Acciona Windpower wird der deutliche Umsatzsprung in 2016 erklärt. Nichtsdestotrotz haben wir hier auch ein weiterhin sehr positives organisches Wachstum. In 2015 lag der Umsatz von Nordex bei ca. 2,4 Mrd. EUR. Mit AWP kommen nochmals ca. 1 Mrd. EUR dazu. Bis 2018 plant man die 4 Mrd. EUR Marke zu durchbrechen. Die Margen sind derzeit noch schwach ausgeprägt. Auch dies soll sich ändern (mehr dazu später).
  • Kapitalstruktur: In 2015 konnte vor allem der freie Cashflow deutlich gesteigert werden. Damit bleibt Nordex flexibel und handlungsfähig, was absolut positiv zu sehen ist. Die Verschuldung fällt geringer aus als beim Branchenmedian und auch die Eigenkapitalquote bleibt stabil und konnte sogar leicht gesteigert werden. Das alles stellt niemals eine Garantie dar, geht jedoch in die richtige Richtung. 

Negativ

  • Bewertung: Nordex ist garantiert kein Schnäppchen. Auch wenn sich das Kurs-Umsatz-Verhältnis unter einem Wert von 1 bewegt und damit als niedrig einzustufen ist, haben wir unterm Strich keine starke Unterbewertung. Allerdings muss man beachten, dass mit Acciona nun ein weiteres großes Unternehmen konsolidiert wird. Da es sich hierbei um eine Sparte der großen Acciona-Gruppe handelt, wird es spannend wie sich die Bilanzstruktur danach verändert. Eine Überbewertung ist immerhin auch nicht zu erkennen.
  • Dividende: Keine Dividende bedeutet, dass der Anleger voll und ganz auf Kursgewinne setzen sollte. Die geringen Margen zeigen, dass sich das Unternehmen derzeit voll und ganz auf die Verbesserung der Profitabilität und das Investment in neue Projekte kümmern sollte. Diese Politik finde ich persönlich daher richtig.

Der subjektive Betrachtungswinkel

  • Übernahme AWP: Die Übernahme der Acciona Windpower läutet, wie bereits erwähnt, eine neue Ära ein. Damit erhofft man sich den Umsatz essentiell zu steigern, da sich beide Geschäftsmodelle vor allem in der Abdeckung der Märkte ideal ergänzen. Im Vordergrund steht vor allem die notwendige Steigerung der Profitabilität. Dies will man erreichen, indem vor allem Kosten eingespart werden. Bei den sogenannten Stromgestehungskosten aus Windenergie sollen bei effizienteren Turbinen Einsparungen von bis zu 18% bis zum Jahr 2018 erfolgen. Die Ziele sind also klar definiert. Nun muss die AWP konsolidiert werden, sodass die neue Gruppe dann zeigen muss was sie leisten kann.
  • Auftragslage: Die Auftragslage des Unternehmens war Ende 2015 so hoch wie noch nie zuvor in der Unternehmensgeschichte. Auch im neuen Jahr hat man dahingehend bereits weitere Aufträge vermelden können. Bis Ende Februar handelt es sich dabei allein in Deutschland um elf Aufträge mit 50 Anlagen, die ein Gesamtvolumen von 150 MW betragen sollen. Spannend und für das Verständnis essentiell ist, dass diese zur Folge auch sogenannte „Premium-Service-Verträge“ haben. Dabei übernimmt Nordex nicht nur den Bau sondern auch den darauffolgenden Service für die kommenden 15 Jahre. Es entsteht also nicht nur ein einmaliger Umsatz sondern ein stabiles Geschäft mit immer wiederkehrenden Erträgen. 
  • Trendbranche: Abschließend muss sich jeder persönlich fragen, ob er den erneuerbaren Energien einen berechtigten Platz in unserem Leben zutraut. Windenergie wie auch die Solarenergie waren einst absolute Newcomer, überhitzten und sind nun im Alltagsgeschäft angekommen. Wer jedoch glaubt, dass diese Unternehmen durchaus auch in Zukunft Abnehmer für ihre Produkte finden ist bei Nordex gut aufgehoben.
  • Konkurrenz: Große Konkurrenten sind Enercon, Vestas oder auch Senvion. Enercon ist (leider) nicht investierbar handelt es sich hier doch um ein exzellentes Familienunternehmen mit hoher Qualität. Bei Senvion geht es hoch her. Bereits vergangene Woche wollte man an die Börse gehen, sagte dies jedoch aufgrund der geringen Nachfrage ab. Nun müssen die Investoren in Form von US-Hedgefonds Abstriche machen. Für 15,50-17 Euro sollen knapp 19 Mio. Aktien nun doch den Weg aufs durchaus glatte Börsenparkett wagen. Hier bleibt es also spannend.

Im Fazit

Nordex ist und bleibt weiterhin ein volatiles wenngleich auch hochinteressantes Investment. Es wird sich auch in den kommenden Monaten viel ergeben. Eine Geldanlage zum Schlafenlegen ist das Rostocker Unternehmen mit operativer Führung in Hamburg keinesfalls. Nichtsdestotrotz bietet die Übernahme der AWP interessantes langfristiges Potential. Wenn man also vom Grundtenor der erneuerbaren Energien überzeugt ist, stellt Nordex einen interessanten und stabilen Kandidaten dar.

Aufgrund dieser Trendthematik liegt Nordex auch auf der Watchlist des Dienstes Cashkurs-Trends, bei dem ich das Portfoliomanagement übernehmen darf. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.cashkurs-trends.com

Ihr Andreas Meyer


Quelle: www.am-capital.de, www.bloomberg.com, www.reuters.com, www.morningstar.com, www.nordex-online.com

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