Die TUI AG ist aufgrund der starken Verbreitung gerade in Deutschland äußerst bekannt. Als Reiseanbieter ist TUI mit zahlreichen Reisebüros, Hotels, Kreuzfahrtschiffen uvm. zum größten Touristikkonzern in ganz Europa aufgestiegen.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen lange zurück. Bis 2002 war TUI jedoch eine Tochter der Preussag AG. Im Rahmen der Diversifikation wandelte man diesen Mischkonzern dann zu einem Anbieter für Freizeitveranstaltungen um. Somit entstand dann die TUI AG als Konzern der Tourismusbranche. Zu beachten ist, dass dem Konzern ein nicht unbeachtlicher Anteil an der Reederei Hapag-Lloyd gehört. Mit dem jüngsten Börsengang der Hamburger Firma, erhält TUI also die Gelegenheit die Anteile abzugeben und endlich in bare Münze umzuwandeln. Das Unternehmen hat ein verschobenes Geschäftsjahr von Oktober bis September. Dies wurde in 2008 geändert, um u.a. keinen Schnitt in die Urlaubssaison zu legen (dies wäre im Winter mit Stichtag 01.01. z.B. der Fall).

Während und nach der Krise steckte der Hannoveraner Reisekonzern in großen Schwierigkeiten. Als konjunkturabhängiger Produktanbieter wurde man stark vom aufkommenden Preisdruck, den Onlinebuchungen wie auch den politischen Unruhen beeinflusst. Gerade letzteres ist ein Punkt, auf den wir später noch eingehen.

Bei der Aktie ist zu beachten, dass der Konzern sich für ein Listing an der Börse in London entschieden hat. Dort notiert die Aktie im FTSE 100. Da jedoch auch die Volumina der Aktie in Deutschland groß genug sind und der Spread (Differenz zwischen Geld und Brief) vertretbar ist, schauen wir uns die Euro-Papiere an.

Die Grafik zeigt, wohlgemerkt sehr vorteilhaft, den 3-Jahres-Verlauf der Aktie. In diesem Zeitraum konnte man den DAX mit weitem Abstand hinter sich lassen. Daher ist anzumerken, dass bei einem etwas längeren Zeitraum ein deutlich schlechteres Abschneiden der Fall ist (untere Grafik).

Interessant erscheint derzeit das Momentum. Dies pendelt um die wichtige 100er-Marke. Sollte diese von unten nach oben durchbrochen werden, so kann dies einen erneuten Aufwärtstrend der Aktie einleiten. Zu beachten ist dabei jedoch, dass charttechnische Indikatoren eher kurz- bis mittelfristig verwendet werden sollten und dann auch nur zum Zwecke des Timings. Ein schlechtes Unternehmen wird niemals nachhaltige Renditen erzielen, nur weil sich die Aktie in einem positiven Trend befindet oder deutlich überVERkauft erscheint.

Mittelfristig

Langfristig

Wie gewohnt wollen wir die größte Aufmerksamkeit auf die fundamentale Betrachtung des Unternehmens legen. Dies geht zum einen sowohl quantitativ als auch qualitativ. Ersteres soll den Anfang machen.

  • Bewertung:  Die gesamte Tourismusbranche ist bereits sehr teuer. Dies bringt die Natur des Geschäfts so mit sich. Im Falle von TUI hingegen sieht man anhand des EV/EBITDA oder des KGV, dass das Branchenniveau (beim EV/EBITDA für die Branche ca. 9,50x) noch nicht erreicht ist, was ein gewisses Aufwärtspotential erlauben würde. Gerade weil die Gewinnsituation bei TUI sich noch nicht derart stabil gestaltet, lohnt es oftmals einen Blick auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) zu legen. Dieses ist mit 0,47x sehr niedrig und würde sogar für eine günstige Aktie sprechen. Unterm Strich darf man TUI derzeit wohl als nicht zu teuer, wenngleich auch nicht zwingend günstig betrachten. Es müssen also weitere Charaktere her, die für Kurspotential sorgen.
  • Dividende: Neben steigenden Kursen erfreuen sich langfristige Investoren auch einer ordentlichen Gewinnbeteiligung. Die Dividendenpolitik ist dahingehend ausgelegt, dass Aktionäre auf jeden Fall am Erfolg der Gesellschaft teilhaben sollen. Dafür ist man bereit hohe Ausschüttungsquoten (Payout-Ratio oder auch Rate-of-Dividend genannt) zu zahlen. Mit über 3,50% darf man die TUI AG daher sicherlich als interessanten Dividendentitel verstehen.
  • Kapitalstruktur: In diesem Segment gibt es, wie in vielen anderen auch, Verbesserungsbedarf. Die Eigenkapitalquote ist so gering wie seit 2008 nicht mehr, scheint sich nun jedoch zu stabilisieren. Die Verschuldung befindet sich ebenso auf einem, für die Branche, hohen Niveau. Positiv ist dabei, dass man nach jüngsten Zahlen Schulden begleicht. So sind die langfristigen Verbindlichkeiten in den letzten beiden Jahren um immerhin ca. 65 Mio. EUR abgebaut worden. Der Börsengang der Hapag-Lloyd Beteiligung könnte weitere Barmittel in die Kassen spülen.
  • Wachstum & Profitabilität: Krisenjahre treffen die Tourismusbranche besonders stark. Schließlich ist der Urlaub eines der ersten Luxusgüter, die man aufgibt sollte es finanziell etwas klammer werden. Dies zeichnet sich sehr gut am Jahre 2009 ab. Seitdem jedoch geht es sehr kontinuierlich, wenn auch in kleinen Schritten aufwärts. Dabei ist besonders interessant, dass sich die Margensituation zunehmend verbessert. Gekrönt wurde diese Entwicklung von einem heftigen Gewinnsprung im abgelaufenen Geschäftsjahr. Die Zahlen dazu wurden am 10.12 bekanntgegeben.

Der subjektive Betrachtungswinkel

  • Management & Aktionärsstruktur: Als ich persönlich noch aktive Aktionär der TUI AG war, saß Michael Frenzel am Steuer des Unternehmens. Auf jeder Jahreshauptversammlung gab es große Kampfabstimmungen mit dem norwegischen Großaktionär John Fredriksen. Dieser forderte vergebens die Entlassung des damaligen CEO und auch des Aufsichtsratsvorsitzenden. Mittlerweile musste er sich jedoch zurückziehen. Parallel stieg der russische Oligarch Alexei Mordaschow ein. Dieser ist größter Einzelaktionär und verfügt derzeit über 15% der Stimmrechtsanteile. TUI scheint also ein starkes Interesse bei großen Investoren hervorzurufen, weswegen dieser Punkt unter spannender Beobachtung bleiben sollte.
  • Heute leitet Friedrich Joussen den Konzern. Dieser übernahm das Amt von Frenzel Anfang 2013, welcher damals noch einen Quartalsverlust von über 137 Mio. EUR verkündete. Heute hingegen geht es TUI nach heftigen Einschnitten deutlich besser. Die harten aber richtigen Entscheidungen von Joussen zum Amtsantritt scheinen sich also ausgezahlt zu haben. Mittlerweile scheint das Unternehmen also einen Steuermann an der Spitze zu haben, der es geschafft hat den Konzern wieder in Fahrt zu bringen. Dieser Fakt ist daher auch positiv für eine gute zukünftige Entwicklung.
  • Vom Gegenwind kalt gelassen: Lassen Sie uns einmal die aktuelle Situation in den weltweiten Tourismusmärkten betrachten. Die Türkei als beliebtes Reiseziel befindet sich im Chaos. Nicht nur Explosionen in den Metropolen sondern auch Kampfgebiete an der Grenze zu Syrien machen das Land als Urlaubsressort nicht zwingend attraktiv. Auch wenn Urlaubsregionen selbst nicht betroffen sind, darf man davon ausgehen, dass die mediale Berichterstattung nicht zwingend den Wunsch hervorruft, in der Türkei Urlaub zu machen. Noch schlimmer sieht es z.B. in Tunesien aus, wo durch einen Amoklauf an einem Urlaubsstrand zahlreiche Menschen ums Leben kamen.
  • Auch Ägypten bietet derzeit keine sicheren politischen Rahmenbedingungen. Hinzu kommt die Angst terroristischer Anschläge wie jüngst in Paris. Aus einem persönlichen New-York Urlaub kann ich berichten, dass die Sicherheitsbedingungen verständlicherweise auch dort zugenommen haben. Vorsichtig gesagt, sind die aktuellen Bedingungen für einen Reiseanbieter aufgrund der weltweiten Terrorgefahr und den Kriegsanstrengungen also als nicht ideal zu bezeichnen.
  • Dieser Gegenwind wird durch den hohen Konkurrenzdruck noch verschärft. Urlaube werden online gebucht und Kunden können sich immer besser über das Preis/Leistungs-Verhältnis informieren. Zusammengenommen sind also die kurz- als auch die mittelfristigen Rahmenbedingungen äußerst herausfordernd. Und gerade WEIL eben diese Faktoren bereits in den jüngsten Zahlen enthalten sind, ist es umso beeindruckender, wie stark das Unternehmen wachsen konnte.
  • Der Umsatz erhöhte sich im jüngst abgelaufenen Geschäftsjahr um stolze 8%. Das bereinigte EBITA kletterte gar um starke 15,4% im Vergleich zum Vorjahr. Dabei ist positiv zu erwähnen, dass man damit voll und ganz die bereits im Mai vorgestellten Ziele erreicht hat. Hier stapelt also keiner zu hoch oder zu niedrig.
  • Aus den genannten Gründen darf man sich also die Frage stellen: Wie sehen die Ergebnisse aus, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen beruhigen? Dann dürfte demnach mit noch größerem Wachstum zu rechnen sein, wenn man bereits heute derart stark abschneidet.
  • Prognosen und Aufgaben: In den nächsten drei Jahren erwartet man bei inkludierten schlechten politischen Bedingungen (so fallen z.B. alle Flüge von und nach Sharm-El-Sheikh weg) ein EBITA Wachstum von 10% pro Jahr. Ein Fokus soll dabei auf Stärkung der Bilanzqualität und weiterhin hohen Cash-Flows liegen. Agenturen für Zielgebiete sollen weiterhin kontinuierlich ausgelagert werden. Damit spart man Fixkosten und erhöht die Flexibilität, wie auch die Motivation der jeweilig höchsten Auslagerung der Betten. Weiterhin sollte man sich den Bereich „Hotelbeds“ anschauen. Dieser wird derzeit umgebaut und dann ggf. für einen Verkauf attraktiv gemacht.

Im Fazit

Die TUI AG mit Börsenlisting in London und Deutschland bleibt weiterhin ein eher risikobehaftetes Investment. Kapitalstruktur und auch Wachstum verbessern sich stetig, sind jedoch noch lange nicht auf Branchenniveau angekommen. Die Aktie erscheint fair bewertet. Besonders interessant ist der Fakt, dass der CEO Joussen der derzeit richtige Mann zu sein scheint. Das Unternehmen hinterfragt zahlreiche Bereiche und verschließt die Augen auch nicht, sollte ein Segment veräußert werden müssen.

Somit ist und bleibt die TUI AG auf jeden Fall ein interessanter Kandidat, den man genauer unter die Lupe nehmen sollte. Gerade das starke Wachstum trotz schwieriger Rahmenbedingungen kann dann bei Abkühlung zu weiterem Wachstum verhelfen.

Ihr Andreas Meyer

Quellen: www.am-capital.de, www.bloomberg.com, www.reuters.com, www.morningstar.com, www.ats.net

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