Bereits vor kurzem sind wir in einem Beitrag (Link hier) auf die zahlreichen Schätzungen von Analysten und Banken eingegangen. Wie bereits aus der Überschrift erkennbar wird, bin ich jedoch ein großer Skeptiker davon hervorzusagen wo der DAX in 26 Wochen oder 365 Tagen stehen könnte. Dafür sind die vielfältigen Einflussfaktoren aus meiner Perspektive nicht vorhersehbar. Die Börse bewertet bekanntermaßen häufig Fantasie und, gerade kurz- bis mittelfristig, nicht die Faktenlage.

Nichtsdestotrotz ergeben sich natürlich Schätzungen, die sich für den DAX Ende 2016 in einer Spanne von 13.000 (Donner & Reuschel) bis 10.800 (Unicredit) bewegen. Der Mittelwert liegt bei ca. 11.900. Wie uns die Vergangenheit jedoch gelehrt hat, so ist selbst der Durchschnitt aller vermeintlichen Experten keine Garantie.

Vielmehr können wir davon jedoch eines ablesen. Und zwar werden diese Prognosen oftmals mit Hilfe von Gewinnschätzungen und dem aktuellen KGV sowie der Annäherung zum historischen KGV ermittelt. Demnach werden dem DAX, welcher sich im Durchschnitt höher befinden soll als heute, also fundamental weitere Gewinnsteigerungen zugetraut. Dieser Fakt, dass Analysen und Co. generell damit rechnen, dass sich die Umsätze und Gewinne der Konzerne weiter verbessern (wenn vielleicht auch nicht allzu stark) ist immerhin ein Hinweis, welchem ich eher traue, als genauen Zielen für den Index selbst.

Denkanstöße und Ideen

Es ist völlig logisch, dass sich große Analysehäuser deutlich intensiver mit Unternehmen und Branchen auseinandersetzen können. Schließlich ist dies deren täglich Brot, wohingegen sich der Ottonormalanleger damit in seiner verdienten Freizeit beschäftigen muss. Dies soll nicht zu blindem Gehorsam aufrufen, jedoch immer wieder als Denkanstoß dienen um Ideen zu entwickeln oder die investierte eigene Zeit durch Filterung gewinnbringend einzusetzen.

Somit haben sich auch für das kommende Jahr einige interessante Opportunitäten ergeben.

Branchen

- Bullish

o   Gesundheit: Dem Gesundheitssektor traut man gerade nach der vorhandenen Konsolidierung in 2016 wieder mehr zu. Ich setze hier als Kerninvestments gerne auf Größen wie Novo Nordisk, Roche, Novartis oder Sanofi.

o   Financials: Nachdem Banken und Versicherer in den letzten Jahren im Zuge der Krise deutlich auf die Mütze bekommen haben sieht man hier wieder Chancen. Ich persönlich bin ein großer Freund von Rückversicherungen wie Munich Re oder Swiss Re. Aber auch Bankhäuser wie die Danksebank, Swedbank oder Lloyds können einen Blick wert sein.

o   Telecoms: Ein günstig bewerteter Sektor, dem Anleger oftmals keine große Aufmerksamkeit mehr geschenkt haben. Starke Bilanzen mit hohen Dividenden können jedoch auch zukünftig interessant erscheinen. So kann beispielsweise eine Telenor ASA aus Norwegen oder auch Nippon TT aus Japan einen genaueren Blick wert sein.

o   Construction: Wir erinnern uns noch vage an den Plan von Jean-Claude Juncker, 315 Mrd. EUR in die Infrastruktur zu investieren? Dieser Plan wird natürlich weiter in die Tat umgesetzt und sobald erstes Geld in den Bau von Straßen, Brücken, Flüssen, Autobahnen usw. fließt können Unternehmen wie Strabag aus Österreich oder Saint-Gobain aus Frankreich sicherlich am ehesten davon profitieren.

- Bearish

o   Öl & Gas: Auch für 2016 wird der Branche kein Potential zugetraut. Ich bin hier etwas optimistischer, wenngleich ich eine Übergewichtung auch voll und ganz ausschließen würde. Die Branchengrößen mit stabiler Kapitalstruktur, hohen Dividenden (die sie auch bezahlen können – Payout-Ratio beachten) und interessanten Geschäftsmodellen könnten den Turnaround packen. Royal Dutch Shell oder auch Total finde ich interessant.

o   Chemiebranche: Gleiches gilt auch für die Konzerne und deren Aktien aus diesem Segment. U.a. ein zunehmender Wettbewerbsdruck soll hier angeblich negativ wirken. Turnaround-Kandidaten wie Lanxess, die jedoch die größten Probleme schon hinter sich gelassen haben, gefallen mir persönlich hingegen weiterhin sehr gut.

o   Basiskonsumgüter: Den Aktien des täglichen Bedarfs wird für das kommende Jahr nicht mehr viel zugetraut. Hierin enthalten sind Titel wie z.B. Nestlé, Coca Cola oder auch Walmart. Die Aktien von J.C. Penneys wurden gerade in den letzten Wochen stark verprügelt und bieten fast schon wieder eine traumhafte Unterbewertung. Wer sich mit ganz langem Atem an Aktien erfreuen möchte, kann sich den einen oder anderen Titel in diesem Sektor sicherlich anschauen.

Regionen

- Europa: Im Allgemeinen scheint der Markt für Europa deutlich bullisher aufgestellt zu sein als für die USA. Die durchschnittlichen DAX-Prognosen lassen ein Aufwärtspotential von 10% zu. Für die Aktienmärkte am Big Apple sind es hingegen nur ungefähr 5%. Für Europa wird allgemein eine zunehmende Erholung der Wirtschaft und Konjunktur erwartet, die somit auch den Unternehmensgewinnen und letztendlich den Aktienmärkten in die Karten spielen soll. Ob sich jedoch dieser dann eintretende Ist-Zustand an der von Fantasie und Zukunft getriebenen Börse wiederspiegelt, dürfte aus meiner Perspektive zweifelhaft sein. Vielmehr werden wir in der zweiten Jahreshälfte eine beginnende Tapering-Diskussion der EZB sehen. Schließlich muss die EZB spätestens in 2017 beginnen das QE und die expansive Geldpolitik mit ersten Zinserhöhungen zu beenden. Nun wissen wir, welch Zittern an den Märkten herrschte, wenn Frau Yellen vor die Mikrofone trat. Nichts anderes dürften wir hier erwarten. Weiterhin wird der schwache Euro (sehen wir die Parität oder noch tiefer?!) positiven Einfluss auf alle Euro-ansässigen Exportunternehmen haben.

o   Wenn man sich jedoch in Europa engagieren möchte, so wird Italien immer mehr als Favorit gesehen. Noch günstige Kurse bei einer sich schneller erholenden Wirtschaft und derzeit (für italienische Verhältnisse) ruhigen politischen Lage ergeben sich interessante Aktienmarktopportunitäten.

o   Ebenso kann man sicherlich auch bei guten Deutschen Unternehmen nur wenig falsch machen. Nun will ich keinen zu großen Patriotismus verbreiten, jedoch hat es für mich auch immer einen gewissen Reiz Aktien von Unternehmen zu besitzen, die regional für Arbeitsplätze sorgen, dessen Mitarbeiter ich kenne oder dessen JHV’s ich besuchen kann.

o   Skandinavien: Norwegen und Schweden sind hier meine Favoriten. Auch Dänemark ist sicherlich einen Blick wert. In Finnland hingegen sieht es wirtschaftlich und auch politisch derzeit eher mau aus. Unternehmenskultur und konservative Haltung gefallen mir dahingehend besonders gut.

o   UK: Die Mid-Caps (also die Unternehmen mit mittlerer Marktkapitalisierung (hierzulande z.B. im MDax vertreten) scheinen schon deutlich überbewertet. Die Large Caps (also die Großen) hingegen zahlen noch attraktive Dividendenrenditen auf Rekordniveau.

- USA: Für den Aktienmarkt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten werden die Möglichkeiten am Aktienmarkt hingegen eher bedingt gesehen. Dies liegt zum einen an bereits sehr hohen Margen. Weiterhin wird die FED die Zügel, in welcher Form auch immer nun sukzessiv anziehen. Dies führt u.a. auch dazu, dass liquide Mittel seitens der Unternehmen nicht mehr derart in Übernahmen oder Aktienrückkäufe fließen. Dies hat im abgelaufenen Jahr für viel Fantasie gesorgt. Beachten sollte man vor allem den 08. November 2016. Dies ist der Tag, an dem die USA ihren nächsten Präsidenten und somit den Nachfolger von Barack Obama wählen werden. Um der politischen Diskussion an dieser Stelle aus dem Weg zu gehen, dürfte jedoch klar sein, dass dies beachtlichen Einfluss auf unterschiedlichste Branchen haben wird. Ein Beispiel: Hillary Clinton hat bereits angekündigt, im Falle einer Wahl große Summen in die Solarenergie zu investieren. Firmen wie First Solar könnten dann nochmals nach oben schießen. Dies nur als Beispiel der sicherlich einleuchtenden Denkweise dahinter.

Ich hoffe, dass Ihnen dieser Überblick einen interessanten und nachvollziehbaren Eindruck vermitteln konnte. Denkweisen für zukünftige Investmentideen können sich vielfältig zusammensetzen. Einige Beispiele sind oben genannt. Ist ein fundamental stabil aufgestelltes Unternehmen also erst einmal gefunden, welches quantitativ und qualitativ überzeugt, so kann der dann eintretende Trigger (Szenario innerhalb der Equity-Story) für den Startschuss eines berechtigten Aufwärtspotentials sorgen.

Herzliche Grüße und einen guten Übergang ins Jahr 2016!

Ihr Andreas Meyer

Quelle: Internationaler Währungsfonds, einzelnen Banken, A.M. Capital Management

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