Zu einfache Fortschreibung der Vergangenheit

Grundsätzlich kann ein Finanzprodukt nicht mehr Rednite liefern,  als es die zugrunde liegenden Vermögensklassen hergeben.  Besonders die rund dreißigjährige Entwicklung fallender Zinsen und Renditen kann (allein aus mathematischen Gründen) nicht fortgeschrieben werden. Dementsprechend haben die Renditen von kurz- und mittelfristig fälligen Lebens- und Rentenversicherung von einem Trend profitiert, der nicht mehr besteht. Daher sollten die Beitragsrenditen fälliger Verträge nicht als Planungsannahme für die zukünftige Entwicklung herangezogen werden. Unter Berücksichtigung der Verteilung auf die verschiedenen Vermögensklassen und deren aktuell am Kapitalmarkt gehandelten Renditen lässt sich sehr schnell eine ungefähre Renditeerwartung ablesen.

Eine für kapitalbildende klassische Lebens- und Rentenversicherungen gängige Vermögensverteilung von 90 Prozent Anleihen und 10 Prozent Immobilien und Aktien hat auf Basis der aktuell am Markt gehandelten Renditen von 3 Prozent für einen breiten Mix Anleihen verschiedener Bonität und einer angenommenen langfristigen durchschnittlichen Rendite für Aktienvon 6%  eine Gesamtrenditeerwartung vor Kosten und Steuern in Höhe von 3,3 Prozent. 

Dieser Ansatz greift auch bei Investmentfonds. Eine erfolgreiche Strategie aus 70 Prozent Anleihen und  30 Prozent Aktien mit monatlichem Rebalancing hat in den vergangenen 6 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 6,6 Prozent (nach Kosten) generiert.  Unterstellt man für die Renten eine Rendite von 3 Prozent, dann ist der Ergebnisbeitrag 2,1 Prozent (70 Prozent mal 3 Prozent). Welche Renditeerwartung muss für den Aktienteil vorliegen, wenn die vergangene Rendite von 6,6 Prozent (zur Vereinfachung der Rechnung ohne Berücksichtigung der Kosten) auch in der Zukunft erwartet wird?

Das Ergebnis lautet 15 Prozent. Bei diesem Wert liefern 30 Prozent Aktien einen Ergebnisbeitrag von 4,5 Prozent. Diese ergeben mit den 2,1 Prozent aus den Renten den Gesamtertrag von 6,6 Prozent. Ein Abgleich mit den historischen Renditen am Aktienmarkt lässt hier doch gewisse Zweifel aufkommen. Zudem ist dieser Wert natürlich auch mit den anderen Annahmen für den Aktienmarkt abzugleichen. Häufig wird dort ein Wert von 6 Prozent angesetzt. Daher stellt sich die Frage, warum ein reines Aktienprodukt mit 6 Prozent angesetzt wird, während der Aktienteil in einem Mischfonds mit einer Erwartungsrendite von 15 Prozent fortgeschrieben wird. Plausibel ist das sicher nicht. 

Fehlendes Verständnis, wie überdurchschnittliche Renditen entstanden sind

Medienpräsenz und Mittelzuflüsse bestimmen sich häufig nach der Wertentwicklung in den vergangenen Jahren. Dementsprechend sind Fonds und Strategien mit überdurchschnittlicher Wertentwicklung auch überdurchschnittlich oft und mit übermäßigem prozentualem Anteil in den Depots zu finden. Allerdings sind überdurchschnittliche Renditen in der Vergangenheit häufig das Ergebnis  einer unausgewogenen Depotstruktur. Mal führte der Fokus auf Technologietitel, dann die Übergewichtung von Bank- und Finanztitel zu einer stark überdurchschnittlichen Entwicklung.

Auf Sicht der letzten zehn Jahre zeigten Strategien mit einem hohen Anteil an Schwellenländern oder der starken Übergewichtung von  Gold oder langlaufenden deutschen oder amerikanischen Staatsanleihen dieses Merkmal.  Je stärker das Übergewicht, desto besser war die relative Wertentwicklung.

Abschließend lässt sich festhalten, dass kritisches Hinterfragen und der Einsatz der vier Grundrechenarten häufig  gute Ratgeber bei der Plausibilisierung von Renditen und Annahmen sind. „Welche Rendite müssen bestimmte Anlagen liefern, um die ausgewiesene Gesamtrendite erreichen zu können“ und „ist die Vermögensstruktur in dieser Form, tatsächlich realistisch wieder gegeben“, sind Fragen, die die Aussagekraft der Finanzplanung signifikant erhöhen können.

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