Phobien sind eine fürchterliche Sache. Medizinbücher kennen mindestens vier Millionen davon. Die davon wohl schrecklichste Phobie ist die Angst vor Gold. Fachkreise bezeichnen sie auch als „Auro phobilis kruegerandum“ oder fallweise auch mit der Bezeichnung mapleleafianum, pandanosis und kookaburrandum. Seien Sie vorsichtig!

Mindestens 90 Prozent der Bevölkerung sollen unter der Angst vor Gold leiden. Ein gut gemeinter Rat: Meiden Sie Gold, wo es nur geht. Machen Sie einen großen Bogen um gotische Ausstellungen, Kirchen und Leuten mit selbst aufgesetztem Heiligenschein. Auro-Pohie… Was für ein Leiden! Welche Qual! Gold ist nicht nur böse, es kann offenbar auch richtig krank machen. Bislang fehlen Warnhinweise und Beipackzetteln wie auf Zigarettenschachteln auf Goldmünzen und -barren durch das EU-Politbüro. Doch das nur nebenbei.

Das Lexikon gibt hilfreiche Hinweise:

Die Aurophobie (lateinisch: auro = Gold) ist die krankhafte Furcht vor Gold. Charakteristisch für diese Erkrankung ist, dass der Betroffene jeglichen Umgang mit Gold vermeidet. Bei besonders extremen Fällen wird sogar der Umgang mit goldfarbenen Dingen und Bildern vermieden. (Quelle)

Vor allem in der heutigen Finanzwelt fühlen sich die Gold-Phobie aber auch die Crematophobie wohl. Was? Das eine ist die Angst vor Gold und das andere die Angst vor Geld. Unter Goldbugs ist es vielmehr die Angst ums Geld. Sie haben ihre Gründe, dass ihnen beim Anblick von Papiergeld Schweißperlen ins Gesicht schießen.

Doch zuerst die gute Nachricht: Beide Phobien sind behandelbar. In den letzten Jahren gab es immer wieder Berichte von Spontanheilungen. Und die Angst vor Geld? Ja, wer hat diese nicht. Lesen Sie Zeitung, hören Sie Radio. Die heutige Finanzwelt zeigt viele Wege, sich schnell von seinem Geld zu trennen, ohne dass man etwas dagegen tun kann oder auch möchte. Geld ist ja bekanntlich auch nicht mehr das das, wofür es immer gehalten wird. Den Papierscheinen werden Eigenschaften nachgesagt, die sie gar nicht besitzen. Der Fachmann spricht in dem Zusammengang immer von Vertrauen. Zufälligkeiten zwischen Bibeln und Geldbörsen sind sicherlich rein zufällig. Manche beten diese bunten Scheine auch an, machen sich beim Kampf um die Schnipsel lächerlich, zum Affen oder auch zunehmend strafbar.

Die Gold-Phobie ist tückisch. Das Gefährliche daran ist, fragen Sie Experten, dass sie direkt im Gehirn wütet, die Synapsen durcheinander bringt und, so hörte ich neulich, sogar das Hirn erweichen lässt. Goldmünzen sollen zudem abhängig machen. Glücklicherweise ist dieser Zustand aber nicht schmerzhaft und heilbar. Dazu gibt man den Betroffenen eine Goldmünze in die Hand oder schenkt ihnen eine zu einem besondern Anlass. Andere Leute ohne dieses Leiden, haben einen Heidenspaß an diesem Teufelszeug und ziehen es dem Papiergeld vor, was wahrscheinlich auch einer Krankheit geschuldet sein dürfte, der Crematophobie.

Chaos anrichten mit einem Wort

Sollten Sie gerade unter Langeweile leiden oder schon immer mal Ihren Nachbarn ärgern wollen, reden Sie einfach mal von Gold und bestaunen Sie Schüttelkrämpfe, die dieses Wort auslösen. Auch im Anlagegespräch bei der Bank, die ja immer nur ihr Bestes möchte, hat man gehört, dass Anlageverkäufer, Pardon, -berater von schockartigen Gesichtslähmungen befallen wurden, als dieses Wort fiel. Man kann damit auch ganze Gesellschaften und Partys sprengen, wenn einem danach sein sollte und für Empörung sorgen. Um das Entsetzen zu mildern, werfen Sie dann zehn Münzen in die verängstigte Meute – und die Leute beruhigen sich wieder. Es ist zugegebenermaßen etwas teuer, aber ein Spaß und bislang noch kein Straftatbestand. Münzen aus Wolfram sollen auch hilfreich sein. Wer kann das eine von dem anderen schon unterscheiden? Selbst in Notenbanken fällt man absichtlich oder unabsichtlich darauf herein…

Man hört ja viel über die Auslöser der Phobie. Gold ist, so heißt es heute und früher viel öfters mindestens so böse wie Hugo Chavez und die sieben Heimsuchungen der Menschheit. Finanztest ist eine bekannte Brutstätte diverser Attacken dieser Art. Chefarzt Dr. Tenhagen weiß über das Böse im Gold bestens Bescheid. Auch die gepflegten Ratgebersendungen am Nachmittag gelten unter Goldexperten nicht nur als Hort der Heiterkeit und Veranstaltungen größtmöglicher Betroffenheit. Hier finden die unter der Gold-Phobie Leidenden dankbare Ratschläge und man zieht sie sich rein wie Kopfschmerztabletten nach einer langen Nacht.

Neulich erst…

Ich verrate Ihnen eine kürzliche Begebenheit. Hört man sich bei den Leuten um, reden diese im Zusammenhang mit Europa, Inflation oder dem Geld an sich ab und zu von diesem gelben Zeug. Und dann wird es schnell emotional, wenn die Auro-Phobie aus den Poren kriecht und in Kneipen schnell hinunter gespült gehört. So belehrte mich neulich ein befreundeter Banker, dass er Gold überhaupt nicht mag, denn man könne sich damit nicht kleiden. Abgesehen davon, dass ihm als herb wirkende Person Gold und anderes Geschmeide nicht unbedingt steht, würde er mit eine Goldmünze gekleidet höchstwahrscheinlich etwas seltsam aussehen. Ich habe es auch versucht, mir so einen Krügerrand anzuziehen und weiß bis heute nicht, wie es geht. Der Freund steht eher auf Ziegelsteine. Ich wusste nicht, ob das der neue Chic von Luis Karton ist oder um das heutige Massensyndrom, Geld schnell in Immobilien zu stecken.

Fast hätte ich es vergessen: „Gold wärmt und nährt nicht“, sagte er weiter. Man kann es zu nichts gebrauchen. Nun, auch den Verzehr habe ich geübt und begann dieses Unterfangen mit einer Zehntel Unze Gold. Würg! Es passierte nichts. Das mit dem Heizen fand ich auch interessant. Doch auf dieses Experiment wollte ich mich nicht erst einlassen, aus Angst, der Schornstein fliegt mir um die Ohren. Das habe ich irgendwann mal gehört. Für ein Feuerchen braucht es zudem schon etwas anderes – vielleicht eine sogenannte Einheiz-Währung? Später mal…

An der Börse heißt es, die Mehrheit liegt meistens falsch. Vielleicht betrifft dieses Phänomen auch die heutigen geldlichen Dinge. Was „in“ ist, müsste früher oder später scheitern: Lebensversicherungen, Fondspolicen, Staatsanleihen, Schuldscheine und die Kollegen Riester und Rürup. Wer weiß?

Ach, Sie kennen bestimmt  diese Geschichte mit dem buntfarbenen Spatz. Er wurde von den anderen Spatzen auf der Stromleitung immer ausgelacht. „Schau mal, ein komischer Vogel! Und dann löste ein Stromschlag in der Leitung eine Mutation aus, die die Spatzen bunt werden ließ – bis auf wenige Ausnahmen. Und diese „normalen“ Spatzen sahen dann auf einmal gegenüber ihren anderen Freunden plötzlich ganz komisch aus.

Spatzen haben wahrscheinlich ihre eigenen Lehrbücher für Phobien. Wir werden es nie erfahren. Phobie – welch ein Wort mit schrecklicher Wirkung. Das Gegenteil davon ist die Sucht. Oder Bauernschläue? Wer weiß? Es kommt vielleicht nur darauf an, was man daraus macht.

Was es nicht alles gibt…

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