Das Börsenjahr 2011 neigt sich dem Ende entgegen. Nur noch wenige Handelstage verbleiben. Eine Jahresendrallye zwischen den Feiertagen wäre möglich. Das sogenannte „Window-Dressing“ wird von institutionellen Marktteilnehmern nicht selten zum Jahresende betrieben. Ziel ist es, die Börsenkurse diverser Aktien nach oben zu bewegen und so die Bilanzbücher für das abgelaufene Börsenjahr möglichst positiv zu schließen. Doch auch, wenn in den letzten Wochen des Börsenjahres  Kurspflege betrieben werden sollte, kann ein DAX mit einem möglichen Schlussstand von 6000 – 6400 Punkten das „Krisenbörsenjahr“ 2011 nicht mehr wettmachen.

Krise; für mich war dieses Wort ganz klar der Aspirant für das „Wort des Jahres 2011“. Letztendlich kürte die Gesellschaft für deutsche Sprache aber den „Stresstest“ zum Gewinner. Ob Krise, Stresstest oder fehlendes Vertrauen, all diese Worte beschreiben das Börsenjahr 2011 treffend. Ich denke die meisten Marktteilnehmer möchten das Börsenjahr 2011 ganz schnell vergessen.

Doch was bringt uns das neue Börsenjahr 2012?

Meiner Meinung nach wird auch das neue Börsenjahr voller Ungewissheit starten. Das fehlende Vertrauen in die Finanzmärkte wird weiterhin bestehen bleiben. Die breite Masse wird das Anlagevehikel Aktie wohl auch in 2012 weitestgehend meiden. Wahrscheinlich geht die Aktienbesitzquote der Deutschen auch im  Börsenjahr 2012 weiter auf Talfahrt. Denn wo kein Vertrauen ist, da wird auch kein Geld angelegt. Das Ringen um Vertrauen wird meiner Meinung nach das Kernthema in 2012 sein. Wie kann es die Politik in Bezug auf die EU-Schuldenthematik schaffen, das Vertrauen der großen und kleinen Finanzteilnehmer für die Finanzmärkte im Jahr 2012 langfristig zurückzugewinnen?

Nur mit zurückgewonnenem Vertrauen werden die Märkte in Deutschland wieder dauerhaft steigen.

Nur dann wird die extreme Volatilität in den deutschen Indizes endlich enden.

Und nur dann werden Aktien wieder stabile Aufwärtstrends ausbilden, welche nicht von einer Stunde auf die Andere in sich zusammenbrechen.

Die mittelfristigen Perspektiven müssen stimmen und der Pessimismus muss sinken, dann klappt`s auch wieder mit steigenden Aktienkursen. Aber es geht nicht nur um das Vertrauen für den Kapitalmarkt. Die Börse ist das Große und Ganze, wo die Fäden zusammenlaufen. Es gilt eine Abschwächung der Konjunktur in Deutschland mit allen Mittel zu verhindern. Dies gilt für die großen Wirtschaftsströme, aber auch für den deutschen Einzelhandel. Geld wird nur dann für eine Investition ausgegeben, wenn keine Zweifel bestehen. Wir müssen uns „wohlfühlen“, wir müssen vertrauen. Dann sind wir bereit zu investieren. Je länger sich das Wort „Krise“ aber in den Köpfen der Deutschen bzw. der ganzen EU festigt, umso zurückhaltender werden die Investitionen eines jeden Einzelnen. Ein weiterer Vertrauensverlust wird die Investitions- und Konsumausgaben in 2012 stärker zurückhalten und deshalb steigt das Konjunkturrisiko ungemein! Nicht umsonst senkten viele Unternehmen aus dem DAX bereits seit Herbst 2011 die Gewinnprognosen für das kommende Geschäftsjahr. Sogar die Gewinnwarnungen im DAX und Mdax mehrten sich. Lieber frühzeitig und vorsorglich die Erwartungen dämpfen, als in 2012 böse zu überraschen! Auch die Vorstände der großen Unternehmen aus Deutschland wissen aktuell nicht was kommt. Wo kein Vertrauen, da kein positiver Ausblick! Mit aktuell durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnissen laut meiner Berechung von etwa 7 bis 9 sind die Aktien im DAX und Mdax günstig wie nie. Doch wen interessiert dies aktuell in der Eurozone, wenn das Vertrauen in unser Geldsystem zurzeit so schwach ist wie nie zuvor? Kein Wunder also, dass der Dow Jones gegenüber dem DAX weitaus besser performen konnte. Investorengelder fließen nach Übersee und scheuen die günstigen deutschen Qualitätsaktien. Ich wiederhole mich: Wo kein Vertrauen, da kein Kapitalzufluss.

Irgendwie erscheint es, als spielt sich die angebliche Krise ohnehin nur in unseren Köpfen ab. Vertrauen ist Kopfsache, also „ran an die Buletten“! Was sind nun wahrscheinliche Katalysatoren für das Börsenjahr 2012? Meiner Meinung nach muss die EZB weiterhin gewährleisten, dass die deutschen Geschäftsbanken mit Liquidität versorgt werden. Das Bankensystem muss stehen, ansonsten wird sich 2008 wiederholen. Zudem sind weitere Anleihenkäufe der EZB wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit. Dadurch würde der Finanzmarkt mit frischem Geld versorgt, was sich positiv auf die Aktien auswirken sollte. Fraglich bleibt jedoch, ob extensives Gelddrucken durch die EZB in 2012 dauerhaft das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen kann. Mittlerweile „weiß nämlich jedes Kind“ durch die nicht endend wollende Berichterstattung der Medien in 2011, dass das Drucken frischen Geldes unser Papiergeld weiter entwertet und letztendlich zur Inflation führt. Deshalb melden sich bei mir jetzt schon Zweifel an, ob eine extensive Geldpolitik der EZB das Vertrauen überhaupt noch dauerhaft in die Finanzmärkte zurückbringen kann?!  Vielleicht geht der Schuss nach der so oft geforderten „letzten Patrone“ oder der „Bazooka“ dann sogar nach hinten los? Natürlich ist auch ein quantitatives Lockerungsprogramm, in diesem Fall „QE3“ der FED aus den USA, in 2012 denkbar. Zusammen mit Interventionen der EZB wäre dies in Kombination natürlich – und in diesem Fall wäre auch ich überzeugt – ein Garant für steigende Kurse in 2012. Ob dies aber wiederum dauerhaft das Vertrauen in den Finanzplatz Deutschland zurückbringt, bleibt fraglich. Machen Sie das Beste aus dem kommenden Börsenjahr, es wird sicherlich kein einfaches werden.

Ich wünsche Ihnen nun ein friedvolles Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und alles erdenklich Gute für Ihren finanziellen Erfolg im Börsenjahr 2012.

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