So langsam kehrt bei den EU-Finanzministern Einigkeit ein, wie die Schuldenkrise in Griechenland zu stemmen sei. Am vergangenen Montag noch ware Bundesfinanzminister Schäuble allein vorgeprescht und hatte vor einem unkontrollierten Bankrott Griechenlands gewarnt und eine Umschuldung gefordert. Konkret heißt das: Anleger sollen ihren Teil dazu beitragen, die Staatschuldenkrise zu überwinden.

Das Angebot stieß auf schroffe Ablehnung, vor allem bei EZB-Chef Jean-Claude Trichet. Doch am Freitag meldeten Zeitungen, dass es zu einer Umschuldung über längere Laufzeiten griechischer Anleihen kommen könnte. Finanzwerte gehörten denn auch mit zu den Verlierern einer Woche, die dem Deutschen Aktienindex die sechste Verlustserie in Folge bescherte.

Dabei hat die Finanzwirtschaft allen Lippenbekenntnissen gegenüber Schäuble zum Trotz ganz massiv Hellenen-Bonds verkauft. Gegenüber Jahresbeginn weisen die Statistiken um ein Viertel niedrigere Bestände aus. Die „Opfer“ der Banken dürften also weitaus kleiner ausfallen als gedacht.

Derweil vermeldete Griechenland eine Hiobsbotschaft nach der nächsten. So stieg die Arbeitslosenquote erstmals über 16 Prozent. Die Wirtschaftsleistung brach im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,5 Prozent ein. Im Vergleich zum viertel Quartal 2010 gab es mit 0,2 Prozent nur ein Miniwachstum. Griechenland steuert direkt auf ein weiteres Rezessionsjahr zu. Dass sich das Land schon im kommenden Jahr wieder an den Kapitalmärkten wird refinanzieren können, hält inzwischen auch die Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission für utopisch.

Bleibt die Frage, wen es noch in den Schuldensumpf ziehen wird. Die Ratingagentur S&P sieht inzwischen die Spitzennote „Triple A“ für Frankreich in Gefahr. Auch für Italien und Großbritannien sehen die großen Agenturen Gefahr in Verzug. Die europäische Ratingagentur Feri entriss kurzerhand den USA das „Triple A“. Das ist allerdings ein Schritt, der die USA nicht juckt. Die Märkte akzeptieren nur die Noten von S&P, Moody’s und Fitch.

Auch der Rückenwind der Konjunktur flaut ab. Deutschland musste einen Dämpfer bei den Exporten und bei den Auftragseingängen der Industrie hinnehmen. In den USA sorgte US-Nontenbankchef Ben Bernanke für Sorgenfalten. In einer Rede merkte er an, die US-Wirtschaft durchlaufe eine Schwächephase.

Bernankes Europäischer Kollege Jean-Claude Trichet bereitete dagegen die EU-Bürger auf im Juli steigende Zinsen vor. Die EZB konzentriert sich weiter ganz auf die Preisstabilität. Dass die offizielle Teuerungsrate seit einiger Zeit über zwei Prozent liegt, ist unerwünscht.

Es steht kaum zu erwarten, dass die Schuldenkrise in absehbarer Zeit keinen Einfluss aufs Börsengeschehen haben wird. Selbst der zuletzt starke Euro legte wieder den Rückwärtsgang ein.

Außerdem hat die kommende Woche nur wenig Fleisch am Knochen. Vor allen dingen US-Daten könnten dem Handel Impulse geben, von Verbraucherpreisen über Industrie- zu Häuserdaten. Doch das muss ja nicht unbedingt etwas gutes heißen.

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