Wer es bislang nicht wusste, der sei daran erinnert, dass die kleine karibische Inselgruppe der Cayman Islands zu den zehn reichsten Nationen der Welt gehört. Ähnlich wie bis vor Kurzem die Schweiz oder andere Offshore-Zentralen erwies sich das Inselparadies bis dato als Ballungspunkt für Tausende von Banken und Hedgefonds, die ihren internationalen Geschäften anonym nachgehen konnten. Damit soll nun urplötzlich Schluss sein, nachdem die Caymans einen Plan zur Schaffung einer zentralen Datenbank verfolgen, in der alle dort ansässigen Player und Finanzvehikel registriert werden sollen.

Über das globale Schattenbankensystem weiß man zumindest soviel, als dass es sich auch nach dem Bankenkollaps im Jahr 2008 jeder Art von Kontrolle und Regulierung entzieht. Zwar führte die Ausübung massiven Drucks auf eine ganze Reihe  von Schweizer Banken durch die US-Regierung dazu, das Bankgeheimnis der Eidgenossen auszuhöhlen und sprichwörtlich löchrig zu machen wie einen Schweizer Käse. Doch nach wie vor gibt es auf globaler Ebene genügend Ausweichorte, in die sich Akteure an den Finanzmärkten zurückziehen können, um ihre Geschäfte im Schatten jedweder Aufsicht durch staatliche Behörden zu betreiben.

Dazu gehört neben den British Virgin Islands, dem mittelamerikanischen Land Belize sowie einer Reihe anderer Kleinstaaten auch der seit 1962 als Kronkolonie Großbritanniens fungierende Überseebesitz der Cayman Islands – laut Daten der Weltbank eines der zehn reichsten sich selbst verwaltenden Staatsgebilde dieser Erde. Diese Offshore-Zentralen dienen Banken, Finanzinstituten und Hedgefonds nicht selten als Hort für eine anonyme Auslagerung fauler Kredite. Derlei Kredite werden nach dem Parken in so genannten Conduits oder anderen Spezialvehikeln einfach nicht mehr in der eigenen Bilanz ausgewiesen. Künstlich aufgeblähte und äußerst intransparente Gewinnberichte sind nicht selten die Folge. Schlimmer ist nur noch, dass sich die Problemkredite jedweder Regulierung entziehen.

Die Cayman Islands sind auf dem besten Weg, sich selbst den Status einer Offshore-Zentrale zu entziehen

Neben Hedgefonds nutzen auch Private Equity Firmen diese Standorte sehr gerne, um ihre stark gehebelten und oft sehr riskanten Geschäfte im Verborgenen zu tätigen. Mitte November 2012 berichtete das Financial Stability Board, dass der finanzielle Gesamtumfang von in Offshore-Zentralen wie den Cayman Islands betriebenen Conduits eine neue Rekordmarke von $67 Billionen erreicht habe. Demnach drehen Banken aus den USA und Europa mit $23 respektive $22 Billionen nach wie vor das größte Rad im globalen Schattenbankensystem. Diese Daten sind mehr als empörend, wenn man bedenkt, dass der nur knapp verhinderte Bankenkollaps in 2008 noch nicht allzu lange zurückliegt.

Manche Aufsichtsbehörden und mahnende Investoren haben spätestens seit diesem Zeitpunkt ihre Warnungen vor mit diesen Vehikeln verbundenen Systemrisiken intensiviert. Sieht man einmal von den Ereignissen in der Schweiz ab, hatte sich bis dato noch nicht allzu viel in Bezug auf eine verbesserte Kontrolle in diesem Sektor getan. Auf den Cayman Islands wird sich das laut eines kürzlich publizierten Berichts in der Financial Times nun jedoch wohl bald ändern. Fairerweise muss man erwähnen, dass die Cayman Islands durch die Auswirkungen der globalen Finanzkrise mit der Wucht eines Hurrikans getroffen wurden.

Nicht nur, dass die Gewinne vieler ansässiger Finanzinstitute heftig einbrachen. Auch der Tourismus verzeichnete in 2009 ein $100 Millionen Cayman Dollar schweres Defizit. Unter Berücksichtigung eines Jahresbudgets von rund $800 Millionen Cayman Dollar resultierte auf diese Weise ein riesiges Finanzloch und stellte somit auch die zweitwichtigste Industrie vor immense Probleme. Seitdem versucht die Administration der Caymans verzweifelt, einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden und ist jetzt zwischen den Anforderungen der lokal ansässigen Finanzunternehmen, die alles beim alten  belassen wollen, und dem Druck aus London, das Wirtschaftsmodell der Caymans zu ändern, gefangen.

Das berühmt-berüchtigte Ugland House in der Hauptstadt George Town. In diesem Gebäude sind mehr als 20.000 Unternehmen mit ihrem Sitz registriert

Während man es auf den Caymans bevorzugt, sich als steuerneutraler Hafen zu bezeichnen, scheint Großbritanniens Regierung ernsthaft zu erwägen, ein Exempel zu statuieren, um die Caymans in der Zukunft stärker an die Kette zu legen. Im Zuge einer ehemaligen Kampagne nahm US-Präsident Obama Bezug auf Ugland House in George Town, das mehr als 20.000 registrierte Firmen im Sinne des größten Steuerbetrugs seit Menschengedenken beheimatet. Ein Image, das durch die Cayman-Administration vehement bekämpft wird. Laut eigener Aussage kooperierten die Caymans nun mit der OECD, während in den letzten Jahren bilaterale Steuerauskunftsabkommen mit mehr als einem Dutzend von Drittländern geschlossen wurden.

Die jetzt publik gemachten Pläne zur Schaffung einer zentralen Datenbank für auf den Caymans ansässige Unternehmen fallen unter vielen Betroffenen erwartungsgemäß nicht auf fruchtbaren Boden. Denn in diesem Zuge sollen auch die Direktoren und Managements aller Unternehmen zentral verzeichnet werden. Spätestens dann wäre es mit der Anonymität endgültig vorbei. Doch nicht nur das. Laut dem FT-Bericht sind auch Sicherheitsüberprüfungen geplant, die zum Resultat haben sollen, ob Direktoren in der Finanzindustrie auf Basis ihrer Qualifikationen auch wirklich als Treuhänder für die ihnen durch Investoren anvertrauten Gelder geeignet sind. Interessant ist, dass der Anstoß zu diesen Maßnahmen von Hedgefonds-Investoren selbst ausgegangen sein soll.

Die Ausgaben der Administration kletterten in der letzten Dekade doppelt so schnell wie das BIP. Erstmals in der Historie soll nun eine Einkommenssteuer von 10% eingeführt werden / Quelle: Cayman Islands Administration

Zusätzlich kommt hinzu, dass die Caymans ihre ansässigen Finanzfirmen verprellen könnten, weil die Administration erstmals in der Historie eine Einkommenssteuer in Höhe von 10% einführen will. Bisher waren alle auf den Caymans generierten Gewinne und Einkünfte steuerfrei. Grund ist, dass die Ausgaben der Administration eben auch wie in vielen anderen Ländern dieser Welt über deren Einnahmen liegen. Beobachter sprechen in diesem Kontext bereits vom Begehen eines fiskalischen Selbstmords. Ob sich daran etwas ändern lässt ist zweifelhaft, da die Ausgaben der Administration seit Beginn der letzten Dekade mehr als doppelt so schnell kletterten wie das BIP (siehe Chart oben). Aus diesem Grunde dürfte es nicht mehr lange dauern, bis ein Exodus wichtiger Finanzplayer in Richtung Bermudas, Hongkong oder Singapur einsetzen wird. Doch immerhin wird die Cayman-Administration – unter einem nicht zu vernachlässigenden Druck aus Großbritannien – das Privileg gewährt, die eigene Steueroase transparent zu machen und peu a peu selbst trocken zu legen. Ein Beispiel, das weltweit Schule machen sollte!

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