Der Finanzblog Zero Hedge berichtet unter Bezugnahme auf verschiedene Medienquellen im Mittleren Osten, dass China eine Entsendung von Elitemilitärtruppen nach Syrien plane, in dem Versuch, die syrische Nationalarmee von Staatspräsident Baschar al-Assad dabei zu unterstützen, terroristischen Elementen im Land Herr zu werden.

Gänzlich unerwartet kommt diese Entwicklung gewiss nicht. Nachdem sich bereits Russland direkt im Syrien-Krieg engagiert hat, war Ähnliches von China zu erwarten. Der Zeitpunkt der Ankündigung erfolgt hingegen doch ein wenig überraschend, nachdem es momentan so aussieht, als ob durch die USA und Saudi-Arabien gestützte sunnitische Oppositionsgruppen – darunter al-Qaida und ISIL – militärisch geschlagen und am Ende sind.

Wie dem auch sei, mittels Pekings zeitlich recht später Intervention könnte das Reich der Mitte – ähnlich wie Russland – ein unverkennbares Zeichen setzen wollen, potenziell ähnliche Entwicklungen im westchinesischen Sinkiang mit aller militärischen Härte zu unterbinden, falls sich die dort lebenden Uiguren zu einem Aufruhr gegen Peking anstacheln lassen sollten.

Im Fall von Russland war eine direkte Einmischung in den syrischen Bürgerkrieg eigentlich unerlässlich, handelt es sich im Fall von Syrien doch um die weiche Bauchflanke Russlands. Innerhalb der Grenzen der Russischen Föderation leben nach wie vor rund 50 Millionen Einwohner muslimischen Glaubens, deren Aktivitäten und Streben nach vermeintlicher Unabhängigkeit der Kreml mit allen Mitteln unter Kontrolle zu halten gedenkt.

Lang schon ist bekannt, dass im syrischen Bürgerkrieg – ähnlich wie damals im Jugoslawien-Krieg in Bosnien – extremistisch-sunnitische Elemente aus aller Welt eingesickert sind. Im Falle des Syrien-Kriegs stand diesen ausländischen Kämpfern das Tor nach Damaskus an der türkischen Südost- und Südgrenze sperrangelweit offen. Seit dem Beginn des Syrien-Krieges sollen auch chinesische Islamisten in hoher Anzahl in Syrien eingesickert sein.

Falls die militärischen Pläne Pekings Bestätigung finden sollten, wäre es nicht das erste Mal, dass China – eine der fünf vetoberechtigten Mächte innerhalb des UN-Sicherheitsrats – der syrischen Regierung von Baschar al-Assad Schützenhilfe geleistet hätte. Bereits seit Beginn dieses Jahres hatte Peking militärische Berater nach Syrien entsendet, um der Nationalarmee Unterstützung in der Handhabung von Waffensystemen,  in der Logistik, im medizinischen Bereich und in der geheimdienstlichen Informationsbeschaffung zu leisten. 

Doch die nun in diversen Medien der Mittelostregion diskutierte Entsendung von Spezial- und Elitemilitärtruppen Chinas nach Syrien entspräche einer neuen Eskalationsstufe in den sich global verschlechternden Beziehungen zwischen den Westmächten sowie Russland, China und Ländern wie dem Iran. Es lässt sich keineswegs ausschließen, dass diese chinesischen Einheiten nicht nur mit der syrischen Nationalarmee, sondern auch mit russischen Einheiten auf syrischem Boden kooperieren und zusammenarbeiten werden.

Und damit würde sich der in Syrien geführte Stellvertreterkrieg zwischen den Großmächten dieser Erde weiter ausweiten. Verschiedene Quellen haben gegenüber der in Saudi-Arabien beheimateten Tageszeitung New Khaleej ausgeführt, dass Chinas Verteidigungsministerium die Entsendung von zwei als „Sibirische Tiger und Nachttiger“ bekannte Militäreinheiten nach Syrien in Erwägung zöge, um al-Assads Regierung im Kampf gegen dschihadistische Elemente am Boden beizustehen.

Diese Meldung folgt nicht nur kurze Zeit später im Hinblick auf das in der vergangenen Woche abgehaltene Trilateraltreffen zwischen Russland, dem Iran und der Türkei in Moskau, sondern ebenfalls auf ein in der letzten Woche in Peking stattgefundenes Zusammentreffen zwischen Syriens Präsidentenberater Bouthaina Shaaban und Chinas Verteidigungsminister Wang Yi. Wang lobte die Anstrengungen al-Assads in diesem Zuge in höchsten Tönen, sich ausländischen Militanten der Islamistischen Bewegung Ostturkestans mit allen erdenklichen Mitteln entgegengestellt zu haben.

Die separatistische Muslimgruppe Islamistische Bewegung Ostturkestans wurde einst durch Uiguren gegründet und hat ihren Sitz im nordwestchinesischen Sinkiang. Es handelt sich dabei um eine bewaffnete Separatistengruppe, die Peking bereits seit langer Zeit ein Dorn im Auge zu sein scheint. Spätestens seit 9/11 befindet sich Peking offiziell im Kampf gegen diese Gruppe, nachdem bekannt wurde, dass Osama Bin Laden höchst persönlich extremistische Aktivisten in Sinkiang in allen Belangen unterstützt haben soll.   

Im Laufe der vergangenen Jahre war es wiederholt zu terroristischen Anschlägen in verschiedenen Städten Chinas gekommen, darunter auch ein schwerer Bombenanschlag in Shanghai, der kurz vor Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Peking im Jahr 2008 die chinesische Nation erschüttert hatte. Nachdem bewaffneten syrischen Oppositionsgruppen im Jahr 2013 Erfolg dabei beschieden war, weitläufig Gelände um die Stadt Aleppo und anderen Regionen des syrischen Nordens zu erobern, sickerten auch Tausende muslimische Kämpfer aus China über die Südgrenze der Türkei in Syrien ein.  

Damals kam es über diese Ereignisse zu einer diplomatischen Auseinandersetzung zwischen China und der Türkei. Chinas Geheimdienste bezichtigten Ankara damals, ein Tummelplatz für kampfbereite und militante uighurische Islamisten aus dem Reich der Mitte zu sein, auf deren Aktivitäten Peking ohnehin furchtvoll blickte. Ergebnis dieser Entwicklung war, dass sich die Bande zwischen der syrischen Regierung von al-Assad und Peking festigte und selbst Urlaubern, die sich zuvor in der Türkei aufhielten, eine Einreise nach China in vielen Fällen verweigert wurde. 

Gleichzeitig hat Peking – wie auch der Moskauer Kreml – ein unmissverständliches Zeichen in Richtung Washington gesendet, das sich auf folgende Weise liest: Mit Regimewechsel-Abenteuern der US-Regierung, die im internationalen Kontext nicht abgesprochen sind, ist es ab jetzt ein für allemal vorbei. Bereits im August 2016 besuchte ein chinesischer Admiral die syrische Hauptstadt Damaskus, um dort eine Absichtserklärung im Hinblick auf gemeinsam durchgeführte Anti-Terror-Operationen mit der syrischen Nationalarmee zu unterzeichnen. 

Seitdem werden in syrischen Gefängnissen einsitzende uighurische Kämpfer den Behörden in Peking gemeldet, womit auch verbunden ist, dass diese Behörden direkten Zugang zu diesen in Syrien gefangen gehaltenen Personen haben. Wie das amerikanische Außenministerium in einem im Jahr 2014 veröffentlichten Bericht namens Country Report on Terrorism bestätigte, ist die Anzahl ausländischer Extremisten und Terroristen, die im Laufe der letzten Jahre in Syrien einsickerten, bislang ungesehen in Bezug auf die Konflikte dieser Welt.

Laut des verlinkten Berichtes soll es sich – zum damaligen Zeitpunkt – um mehr als 16.000 ausländische Terrorkämpfer aus über 90 Nationen dieser Erde gehandelt haben, die in Syrien eingefallen sind. Laut diplomatischer Quellen in Syrien sollen sich darunter auch mehr als 5.000 Uiguren aus China mit ihren Familien befinden, die momentan in der durch al-Qaida-Kräfte kontrollierten Region Idlib siedeln sollen.  

Die Muslimgruppe Islamistische Bewegung Ostturkestans befindet sich seit dem Jahr 2002 ebenfalls auf der Terrorliste der US-Regierung. Trotz allem kam es im UN-Sicherheitsrat oftmals zu keiner Zusammenarbeit zwischen den USA und China bezüglich des syrischen Konfliktes. Peking legte wiederholt sein Veto im UN-Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ein, wenn es sich um eingereichte Resolutionen Washingtons handelte, die Strafmaßnahmen gegen die Regierung in Damaskus vorsahen.

Dass Peking sich nun voraussichtlich zu einer direkten Intervention in Syrien mittels eigener Spezialmilitärkräfte entschließt, wird gewiss daran liegen, den in der Region Idlib ansässigen Uiguren den Zahn ein für allemal zu ziehen. Wahrscheinlich fürchtet Peking die potenzielle Rückkehr von mittlerweile höchst kampferprobten Extremisten, die ihren Weg zurück in die Heimat nach Sinkiang finden könnten.

China ist inzwischen auch zu einem der größten Geberländer in Bezug auf den Wiederaufbau in Syrien aufgestiegen. Erst in der vergangenen Woche hatte eine syrische Delegation Peking besucht, um mit weitläufigen Wiederaufbauzusagen aus dem Reich der Mitte nach Hause zurück zu kehren. Um die Nah- und Mittelostregion zu befrieden, hält Peking einen sich zügig vollziehenden Wiederaufbau Syriens für unausweichlich.

Auch seitens Russlands und Irans ließen sich ähnliche Aussagen vernehmen. Es lässt sich damit rechnen, dass ein Löwenanteil des Wiederaufbaus Syriens auf Russland, den Iran und China entfallen wird, nachdem das Bürgerkriegsland komplett von allen extremistischen Elementen gesäubert sein wird. Zum selben Zeitpunkt werden aggressive Sanktionen des Westens aufrechterhalten, um der Assad-Regierung in Damaskus das Leben so schwer wie möglich zu gestalten.

Dieser Bericht basiert auf einer zusammenfassenden Darstellung eines Berichtes auf der Seite Zero Hedge zu Ereignissen im Nahen und Mittleren Osten.