Alstom mit Sitz in Levallois-Perret in Frankreich gilt auf dem europäischen Kontinent als einer der schärfsten Mitwettbewerber für Siemens. Der Konzern mit über 90.000 Mitarbeitern ist Frankreichs gesamter Industrie-Stolz und ein Schiff, welches noch immer nicht auf Kurs gekommen ist. Nach der drohenden Insolvenz im Jahr 2003, wo der französische Staat mit über 800 Mio. Euro für die Rettung sorgte, und nach dem Einstieg von Bouygues auf Bitten der französischen Regierung konnte sich Alstom bisher noch nicht wieder erholen und zu alter Stärke zurückfinden. Operativ gehört Alstom damit eher zu den Verlierern des letzten Jahrzehnts.

Was hat Alstom, das GE eine Übernahme des Konzerns in Betracht zieht? Ein herausragendes Netzwerk, gepaart mit einer starken operativen Präsenz in Europa. GE versucht seit Jahren auf dem europäischen und insbesondere deutschen Markt Fuß zu fassen, jedoch blieb dieses bisher ohne Erfolg. Zum einen, weil die Amerikaner politisch nicht etabliert genug sind, zum anderen, weil ihnen schlichtweg die Marktkraft fehlt. Auf einen GE-Mitarbeiter in Deutschland kommen über sechs Mitarbeiter von Siemens. Hier könnte Alstom den gewünschten Schub bringen, um Siemens auf dem Heimatmarkt anzugreifen. Besonders spannend ist dieses zum jetzigen Zeitpunkt, da Siemens den x-ten Strategieschwenk einleitet und eine ausufernde Bürokratie den Konzern lahmt. GE hat hier seine Hausaufgaben gemacht und ist Siemens aktuell um 2 – 3 Jahre voraus. Jetzt könnte Alstom dieser Vorsprung zugutekommen, denn Siemens ist aktuell verwundbar und GE wird versuchen diese Schwäche auszunutzen.

Insgesamt stellt sich die Frage, wie viel wird sich GE Alstom kosten lassen? Hier stellt sich neben der einzigartigen und wohl auch einmaligen Chance das Europageschäft zu stärken auch die operative Frage, denn Alstom hat Potenzial. Insbesondere die Energiesparte mit den Gasturbinen und die Bahnsparte mit den Hochgeschwindigkeitszügen gelten europaweit als gute Alternative zu Siemens-Produkten. Den Konzern lähmen aktuell die Vergangenheit und die Bürokratie, diese fressen dem Konzern wichtige Mittel weg und verhindern eine Modernisierung des Unternehmens. Hier könnte GE ins Spiel kommen, denn die Amerikaner mussten vor ein paar Jahren ebenfalls unpopuläre Entscheidungen treffen und haben sich verschlankt. Daraufhin konnte GE wieder deutlich an Fahrt gewinnen, genau diese Kompetenz gilt es jetzt bei Alstom einzusetzen. Das Problem könnte aber der französische Staat sein, welcher einem signifikanten Arbeitsplatzabbau weniger begeistert gegenüber stehen würde als seinerzeit die US-Regierung. Jedoch ist dieses die einzige Chance für Alstom in Zukunft produktiver zu arbeiten und weitere Mittle für die Forschung, Entwicklung und Effizienzsteigerung der Produktion freizumachen. GE und Alstom zusammen könnten den europäischen Markt umkrempeln und zusammen den Platzhirsch Siemens auf die Plätze verweisen. Die Übernahme würde einen finanzstarken Partner mit einer sehr gut funktionierenden operativen Organisation mit guten Produkten zusammenbringen und sich auf lange Sicht als richtige Entscheidung für beide Seiten ergeben.

Fazit:

Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass GE ein Übernahmeangebot für Alstom abgeben wird. Weithin ist zu erwarten, dass Siemens auf Bitten der französischen Regierung ein Gegenangebot vorlegen wird. Die ersten Versuchsballons wurden bereits gestartet und das politische und Medienecho hierauf war enormer, als es die Konzernzentrale von GE für möglich gehalten hätte. Anleger setzten mit Alstom auf einen potenziellen Übernahmekandidaten, der noch einige Schritte zum erfolgreichen Unternehmen zu gehen hat, aber vielversprechende Produkte im Sortiment hat und einen unbezahlbaren strategischen Vorteil in Europa genießt. Dieser strategische Vorteil könnte in einer Bieterschlacht zwischen Siemens und GE enden, in der es um die Vormachtstellung im Industriegeschäft in Europa geht.


Charttechnische Einschätzung von Godmode-Trader.de: (Stand 23.04.14, da die Aktie seit dem 24.04.2014 momentan ausgesetzt ist)

Im März 2013 markierte die Aktie von Alstom ein Hoch bei 35,78 Euro. Danach drehte die Aktie nach unten. Zunächst fiel sie auf 24,10 Euro ab. Von dort aus erholte sich die Aktie zwar etwas, geriet aber Mitte Januar 2014 wieder stark unter Druck. Die Aktie fiel bis 14. März 2013 auf ein Tief bei 18,69 Euro ab. Seit diesem Tief zieht die Aktie deutlich an. Im gestrigen Handel brach die Aktie sogar über den Widerstand bei 24,10 Euro aus. Damit drang die Aktie in einen sehr breiten, aber langfristig wichtigen Widerstandsbereich zwischen 24,10 und 25,99 Euro ein. Heute Morgen kommt es zu einem massiven Kursprung. Die Aktie eröffnet bei 28,30 Euro, also deutlich über diesem Widerstandsbereich.

Weitere Meldungen im Zusammenhang mit den Übernahmegerüchten werden voraussichtlich die Haupttriebfedern für die Kursentwicklung in den nächsten Tagen und Wochen sein. Aus charttechnischer Sicht besteht eine gute Chance auf eine weitere Rally bis ca. 35,78 Euro, solange die Aktie über 25,99 Euro notiert. Sollte sie allerdings unter 24,10 Euro zurückfallen, wäre die Erholung der letzten Wochen wohl vorüber und eine Abwärtsbewegung bis ca. 18,69 Euro würde wieder drohen.

Quelle: godmode-trader.de

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