Geschäftsmodell und Absatzmärkte

Alles spricht derzeit über die heißgelaufenen Technologiewerte aus der ersten Reihe. Kein Wunder bei dieser beachtenswerten Performance. Wer im Märztief dieses Jahres bei Technologieaktien zugegriffen hat, hat auf Eurobasis mit einer aktuellen Performance von gut 40 Prozent innerhalb weniger Monate wohl alles richtig gemacht.

Amazon, Apple und Tesla regieren also die Schlagzeilen, während der Goldminensektor von der Anlegerschaft scheinbar unbemerkt von einem Hoch zum nächsten eilt und der wahre High-Flyer des Jahres 2020 ist. Mit B2Gold nehmen wir uns heute einen Titel vor, der zu den besten Adressen der großen Goldkonzerne auf dem Kurszettel gehört.

B2Gold ist in Kanada beheimatet, betreibt aber sämtliche seiner Projekte außerhalb des Ahornstaats.

  

Die Fekola-Mine in Mali ist DIE Cashcow des Unternehmens und zeigt sich für über die Hälfte des Goldausstoßes des Konzerns verantwortlich. Auf Jahressicht plant B2Gold etwas über eine Million Unzen Gold zu produzieren, zu Förderkosten (AISC) zwischen 780 und 820 US-Dollar.

  

Die Aktie wird auch in Deutschland gehandelt. Da das Hauptlisting in Übersee besteht, empfiehlt sich aber ein Kauf in den USA oder Kanada. Möchte man nicht auf ausländische Börsenplätze ausweichen, sollte man mit Käufen bis zur US-Handelseröffnung um 15:30 Uhr abwarten.

  

Quelle: guidants.com

Die Aktie konsolidiert gerade im Bereich zwischen acht und zehn kanadischen Dollar. Rücksetzer auf die Marke von acht CAD dienen als gute Einstiegsmarke. Darunter bietet sich bei 6,50 kanadischen Dollar eine weitere schöne Einstiegsgelegenheit. Rücksetzer unter dieses Niveau würden das Bild aber schlagartig verdüstern.

  

Quelle: guidants.com

Während der Branchen-ETF Market Vectors Gold Miners im Vergleich seit 2013 deutlich hinterherhinkt, hat die Aktie von B2Gold sogar den starken S&P 500 überholen können. Im Vergleich seit Jahresbeginn ist der Unterschied noch massiver.

Der Chart spricht Bände. Aber hat die Aktie den starken Kursanstieg verdient? Lassen Sie uns dies nun gemeinsam prüfen.

  

  

Bewertung

Der kanadische Goldförderer B2Gold gehört in seiner Riege zu den Klassenbesten und hat sich seit dem Corona-Tief glatt verdoppelt. Das klingt ganz danach, als wäre der Zug hier bereits abgefahren - aber weit gefehlt! Die Aktie gehört trotz des Kursfeuerwerks immer noch zu den wenigen Titeln, die nicht bereits unverschämt teuer sind.

Der Konzern gehört mit seinen geringen Förderkosten zu den cashflowstärksten Goldkonzernen, ist dank des hohen Goldpreises inzwischen nettoschuldenfrei und seine Entwicklungsprojekte sollten dafür sorgen, dass der Goldausstoß auch in den kommenden Jahren auf hohem Niveau gehalten werden kann. Der Erfolg ist einerseits dem sehr guten Management zu verdanken, andererseits sorgt natürlich der starke Goldpreis für die positive Entwicklung.

Bevor man zu euphorisch wird, muss man sich allerdings über das geografische Risiko bewusst werden. Goldkonzerne, die den Großteil ihrer Projekte in Afrika betreiben, weisen ein wesentlich höheres politisches Risiko aus, als rein kanadische Produzenten. Allerdings ist die Aktie gemessen am eigenen historischen Bewertungsschnitt immer noch günstig.

Bei der Bewertung von Goldminen hat neben der Bilanz- und Kennzahlenanalyse auch die Qualität und geografische Lage der Projekte, die Höhe der Förderkosten, die Qualität des Managements und die angepeilte Wachstumsstrategie großen Einfluss. Zudem macht es Sinn, die Goldproduktion im Verhältnis zur Marktkapitalisierung bei verschiedenen Goldminenkonzernen zu vergleichen. Hier eine kleine Übersicht:

Quelle: eigene Daten

Harmony Gold fällt mit dem günstigsten Verhältnis zwischen Marktkapitalisierung und Produktion auf. Allerdings kämpft der Konzern mit sehr hohen Förderkosten und unterhält Minen in Südafrika, wo die örtlich sehr starken Gewerkschaften die Minen schon mal für mehrere Monate bestreiken können

Bilanz und Verschuldung

Die hohen Goldnotierungen und das solide Kostenmanagement hat dafür gesorgt, dass B2Gold heute bilanziell grundsolide dasteht. Die Bilanz ist inzwischen nettoschuldenfrei, der Cashaufbau schreitet schnell voran. Allein im letzten Quartal hat man – trotz des Corona-Lockdowns - den Cashbestand um 400 Millionen US-Dollar aufstocken können. Die Übernahme eines kleineren Goldkonzerns wäre mit dieser Finanzkraft locker zu stemmen.

Ohnehin ist in den kommenden Monaten und Jahren mit einer starken Übernahmetätigkeit in der Branche zu rechnen. Theoretisch muss ein Goldförderer jede Unze Gold, die er aus dem Boden holt, durch die Entdeckung einer neuen ersetzen. Das Explorationsgeschäft, also die Suche nach neuen Goldlagerstätten gestaltet sich aber von Jahr zu Jahr schwieriger. Die logische Konsequenz besteht im Auffüllen der Pipeline mit dem Kauf anderer Minen. Den kleinen Goldförderern, die bei Cashkurs*Gold behandelt werden, soll’s recht sein.

  

Quelle: sentieo/Refinitiv

Profitabilität

Mit dem Verkauf der schwach performenden Minen in Nicaragua an Calibre Mining hat B2Gold sein Kostenprofil weiter verbessert und gehört nun zu den cashflowstärksten Goldkonzernen auf dem Kurszettel.

Quelle: sentieo/Refinitiv

Die Kapitalrendite schwingt, befeuert durch den hohen Goldpreis, zu neuen Höhen

  

Quelle: sentieo/Refinitiv

Auch die Umsatz- und Margenentwicklung gefällt…

Wachstum

Wie bereits erwähnt, reicht das organische Wachstum bzw. die hauseigene Exploration bei großen Goldförderern in den seltensten Fällen, um die Pipeline wieder aufzufüllen. Dank des Ausbaus der Fekola-Mine in Mali konnte B2Gold in den letzten Jahren stark wachsen. Wachstumsimpulse könnten zudem aus Kolumbien kommen.

Dort befindet sich das Gramalote-Projekt, das in Gemeinschaft mit Anglo-Gold-Ashanti vorangetrieben wird. Laut einer vorläufigen Machbarkeitsstudie könnte die neue Mine für B2Gold gut 200.000 Unzen pro Jahr beisteuern. Im ersten Quartal 2021 darf mit der finalen Machbarkeitsstudie gerechnet werden. Sollte auch diese positiv ausfallen, könnte mit dem Minenbau gestartet werden. Allerdings dauert das Errichten einer neuen Mine meist mehrere Jahre, weshalb sich B2Gold eher früher denn später nach Akquisitionszielen umsehen muss.

  

B2Gold weiß mit seinem Produktionsprofil zu überzeugen. Die Kosten sind rückläufig, die Goldproduktion steigt. So soll es sein

Konkurrenz

Das größte Manko der Branche – die absolute Abhängigkeit vom Goldpreis – hat so gesehen zumindest den Vorteil, dass man nur die Rohstoffnotierung im Blick behalten muss und sich nicht darüber Sorgen machen muss, von einem Konkurrenten mit einer technologischen Erfindung substituiert zu werden. Das Geschäft ist seit Jahrzehnten dasselbe. Man holt mit Baggern Gold aus dem Boden, wenn auch inzwischen vielfach mit dem Einsatz von selbstfahrenden Lastwagen.

  

https://www.spglobal.com/marketintelligence/en/news-insights/latest-news-headlines/majority-of-largest-gold-miners-booked-higher-all-in-sustaining-costs-in-q1-20-58888306

B2Gold gehört zur Spitze der kostengünstigsten Produzenten und glänzt deshalb - und auch dank der smarten Führung - mit einer starken Bilanz

Risiken

Alles steht und fällt mit dem Goldpreis. Durch die geringen Produktionskosten verdient B2Gold auch dann noch gutes Geld, wenn der Goldpreis korrigieren sollte. Der Aktienkurs würde aber infolgedessen natürlich trotzdem in Mitleidenschaft gezogen werden.

Auch das geografische Risiko muss bedacht werden und sollte nicht kleingeredet werden. Mali, Kolumbien oder Burkina Faso sind nicht gerade Länder, in die man gerne in den Urlaub fahren würde. Minenbetreiber in diesen Regionen sind Überfällen, Wetterkapriolen und politischen Umstürzten ausgesetzt.

Anlegern, die großen Wert auf Ethik bei ihrer Geldanlage legen, muss ohnehin von Investments in den Rohstoffbereich abgeraten werden. Die massiven Eingriffe in Natur und lokale Wirtschaftskreisläufe sind eine nicht wegzudiskutierende Tatsache.

Porter’s Five Forces

Da man ein Produkt herstellt, das sich nicht von dem der Konkurrenz unterscheidet und man abhängig von der Goldpreisentwicklung ist, ist die Branchenrivalität sowie die Verhandlungsmacht der Abnehmer als hoch zu klassifizieren. Dasselbe gilt für die Verhandlungsmacht der Lieferanten. Schließlich benötigt es für den Betrieb einer Mine eine Menge Diesel und infolgedessen ist man auch von der Ölpreisentwicklung abhängig. Dafür muss man sich nicht unbedingt um neue Konkurrenten sorgen. Und in einer Welt, die fortlaufend mit frisch gedrucktem Geld zugepflastert wird, sollte die Substitution von Gold kein Thema sein.

  

Wer weiterhin mit steigenden Goldnotierungen rechnet und einen solide aufgestellten Goldförderer mit einem guten Kostenprofil sucht, wird mit B2Gold seine Freude haben. Die Aktie hat zwar bereits einen ordentlichen Lauf hinter sich, ist aber noch lange nicht zu teuer. Aufgrund der hohen Schwankungsbreite sollte der Titel aber kein zu hohes Gewicht im Depot erhalten.

Herzlichst

Ihr Christof von Wenzl



Quellen: sentieo.com, morningstar.com, www.b2gold.com, guidants.com, wikipedia.de

Alle Kennzahlen wurden – sofern nicht anders erwähnt - auf Sicht der letzten 4 auf morningstar.com verfügbaren Quartale berechnet.

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