(WKN/ISIN/ /Index: 928624/IT0003128367/MIB30/Eurostoxx50)

Die ENEL S.p.a war bereits vor einiger Zeit hier bei Cashkurs eine der spannenden Aktien, die vorgestellt wurden. Nachdem man mit einem damaligen Investment bereits attraktive Renditen erzielen konnte, ist es heute an der Zeit die Aktie erneut unter die Lupe zu nehmen.

Enel S.p.a ist in Italien und Europa einer der größten Energieversorger überhaupt und schafft es weltweit sogar auf Rang 3. Dabei konzentriert sich das Unternehmen mit ca. 72.000 Mitarbeitern vor allem auf den Strommarkt und versucht diese so lebenswichtige Energie im Fokus auf erneuerbare Quellen bereitzustellen. Dafür umfassen die Ressourcen der Gruppe in insgesamt über 40 Ländern auf 4 Kontinente u.a. die Erzeugung durch Wind-, Solar-, Thermal-, und Wasserkraft.  Derzeit unterhält das Unternehmen zwar ebenso noch einige Kernkraftwerke, jedoch soll auch bei ENEL der künftige Fokus auf erneuerbare Quellen liegen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat das Unternehmen einen Umsatz von knapp 80 Mrd. EUR eingefahren. Davon wurden 42% in Italien und weitere 40% im Rest Europas generiert, sodass man hier den Fokus der Gruppe definieren darf.

Der Chart

Nach dem jüngsten Kursverlust von knapp 4 EUR auf derzeit ca. 3,50 EUR hat sich vor allem die Stochastik in einen Bereich begeben, welcher für überverkaufte Kurse spricht. Sollte es hier in Kürze einen Schneidepunkt geben, könnte dies für kurzfristig wieder anziehende Kurse sprechen.

Die fundamentale Situation bei diesem Titel sieht jedoch vor allem in Sachen Bewertung und Profitabilität äußerst interessant aus.  

Lässt man das Zahlenbild, welches sich den wichtigsten fundamentalen Parametern widmet, auf sich wirken, so wird schnell deutlich, dass die Unterbewertung ein essentielles Argument für diese Aktie darstellt. Sowohl innerhalb der Peergroup als auch generell darf man unseren italienischen Kandidaten als deutlich unterbewertet beziffern. Ein KBV von unter 1 zeigen zwar auch noch die Konkurrenten E.ON, GDF (Frankreich) und Iberdrola (Spanien), betrachtet man hingegen das EV/EBITDA, welches vor allem innerhalb einer Branche zu beachten ist, so sieht man, dass ENEL deutlich heraussticht.

Die Kapitalstruktur darf als branchenüblich verstanden werden, wobei ENEL sich auch hier eher im oberen Bereich bewegt und zu mindestens nicht negativ heraussticht.

Weiterhin attraktiv wirkt die Profitabilität. Sowohl operativ als auch unterm Strich bei den Nettomargen weist ENEL sehr gute Werte auf. Dadurch lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass die Company es versteht aus einem bereits hohen Umsatz auch ordentliche Gewinne zu generieren, was letztendlich auch den Anteilsinhabern zu Gute kommt. 

Wachstum

Neben den bereits genannten Value-Argumenten, muss man jedoch sagen, dass es sich hierbei um keinen Wachstumskandidaten handelt. Gerade die wirtschaftlichen Aussichten sind es derzeit, die den Analysten zusetzen sodass ab 2014 lediglich ein ganz kleines Plus bei Umsatz und Profitabilität für die kommenden Jahre erwartet wird.

In Sachen Eigenkapital und Vermehrung hingegen sieht es etwas besser aus. So soll der Buchwert je Aktie von aktuell 3,82€ bis 2016 auf 4,44€ steigen und somit im Durchschnitt um über 4% p.a. zulegen. Dies ist demnach ein weiteres starkes Value-Indiz, da der Wert, den ein Anleger in dieses Unternehmen investiert (und dieser findet sich in der Bilanz bekanntermaßen im Eigenkapital wieder) stetig erhöht wird.

Subjektiver Betrachtungswinkel

-          Der Fokus auf Europa wurde bereits angesprochen. Über 80% der Umsätze werden hier generiert, weswegen gerade ein Energieversorger stark an der wirtschaftlichen Entwicklung hängt. Große Konjunkturmaßnahmen wie z.B. in Infrastruktur können dabei attraktiv wirken und sollten sich (auch wenn nicht so stark wie für die Baubranche) positiv auswirken.

-          Die hohe Verschuldung hingegen ist ein Punkt, der Beachtung finden muss. Mit ca. 40 Mrd. EUR sind diese immerhin halb so hoch, wie der gesamte Jahresumsatz. Aus diesem Grund hat ENEL jüngst den Verkauf von Endesa-Anteilen über die Börse in Spanien bekanntgegeben. Dadurch sollen rund 3.1 Mrd. EUR in die Kassen fließen und die Situation etwas entspannen. Aktuell ist ENEL der am höchsten verschuldete Energieversorger Europas. Weiter Verkäufe sind also wahrscheinlich und notwendig.

-          Die italienische Regierung hält ca. 31% am Unternehmen. Dies ist bei Versorgern häufig der Fall (z.B. GDF) und kann auf der einen Seite für einen stabilen und langfristigen Ankerinvestor sprechen. Auf der anderen Seite wird die Regierung jedoch auch stets versuchen Einfluss zu nehmen, welcher nicht zwingend immer für den Aktionär ausgelegt ist. Dies kann z.B. die Gewinnverwendung oder Politik in Sachen Effizienz beeinflussen.

-          Die Umsätze sind im 9-Monats-Vergleich zwar etwas Rückläufig (dies sollte mittlerweile im Kurs enthalten sein), jedoch sind die Ausgaben (CAPEX) deutlich gestiegen (s. Grafik). Ein besonderer Schwerpunkt mit extrem starkem Wachstum macht dabei die Tochter ENEL Green Power aus. Den größten Teil an Ausgaben, die in Zukunft Umsatz und Gewinn erzeugen sollen, wird dem Bereich Iberia und Latam (Lateinamerika) zugeordnet. Dies sind sicherlich ordentliche Wachstumsmärkte, gerade wenn man das überdurchschnittliche Bevölkerungswachstum in Südamerika in Betracht zieht.

Fazit

Von der quantitativen Seite darf ENEL S.p.A. sicherlich als attraktives Schnäppchen bezeichnet werden. Der günstige Kurs hingegen ist unter anderem darin zu begründen, dass die Ratingagenturen ENEL nicht als absolut sicheres Investment einschätzen. Im Branchenvergleich (EK-Quote, NetDebt/EBITDA) weist die Gruppe zwar keine für die Branche untypischen Merkmale auf, jedoch ist sie in Sachen Verschuldung belastet und muss weiter aktiv gegensteuern, um Struktur und Beweglichkeit aufrecht zu halten.

Somit handelt es sich auf jeden Fall um ein deutlich zu günstiges Unternehmen. Das Wachstum wird derzeit zwar nur auf sehr mäßigem Niveau erwartet, jedoch machen gestiegene Investitionen in attraktiven Gebieten hier Hoffnung. Eine ordentliche Dividende kann dabei für das lange Warten entschädigen, sodass ENEL langfristig interessante Chancen bieten könnte.

Ihr Andreas Meyer

Quelle: Bloomberg, www.4-traders.com, Reuters, www.am-capital.de

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