WKN/ISIN/Index: A0Z2ZZ/DE000A0Z2ZZ5/TecDax

Die Aktienmärkte haben korrigiert und sind von ihren Höchstständen derzeit deutlich entfernt. Eine solche Korrektur ist gut und nachhaltig wichtig. Vor allem aber bieten Kursrückgänge immer wieder neue Chancen zu billigeren Kursen zuzugreifen. Eine solche Gelegenheit ergibt sich derzeit bei dem Büdelsdorfer (Schleswig-Holstein) Unternehmen freenet AG.

Die freenet AG gilt als einer der größten netzunabhängigen Telekommunikationsanbieter in Deutschland. Das Hauptangebot besteht aus der Vermarktung von Mobilfunkdienstleistungen für große Kunden wie Vodafone, O2 oder auch die Deutsche Telekom. Als weiteres Standbein betreibt das Unternehmen die hauseigenen Marken mobilcom-debitel oder auch die Discounter der Branche in Form von klarmobil oder callmobile. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte das erst 2007 gegründete Unternehmen mit ca. 4.580 Mitarbeitern einen Umsatz von ca. 3.2 Mrd. €. Dies entspricht zum Vorjahr einer Steigerung von 3,67%.

Beim Chart und vor allem den dazugehörigen Indikatoren macht sich der jüngste Kursabsturz deutlich bemerkbar. Noch im Frühjahr bewegte sich die Aktie bei annähernd 26€. Heute hingegen kratzt diese wieder an der 18€-Marke und notiert bei derzeit 18,80€. Dies ist demnach ein Minus von stolzen 27,69%. Ersichtlich wird dieser Kursrückgang vor allem in den Indikatoren RSI und den Stochastics, welche allesamt eine deutlich überverkaufte Situation anzeigen. Ein RSI von 25 notiert deutlich unter der hier entscheidenden Marke von 30 und auch bei der Stochastik kann sich mit dem Schneiden der %K-Linie von oben nach unten durch die %D-Linie ein bullishes Signal ergeben. Dies sollte demnach weiter unter Beobachtung bleiben. Nach unten ist die 18€ Marke psychologisch wichtig. Bereits im Herbst des vergangenen Jahres wurde mehrmals an dieser Schwelle gekratzt, konnte diese nicht nachhaltig durchbrochen werden, sodass man diese als unteren Widerstand verstehen darf.

Ein Blick auf das Fundament deckt einige interessante Argumente für die Aktie auf:

  • Das Kurs-Buchwert-Verhältnis der Aktie beläuft sich auf ca. 1,94. Damit darf das Unternehmen als günstig jedoch nicht stark unterbewertet angesehen werden.
  • Ein KGV von 9,97 hingegen spricht für eine deutliche Unterbewertung der Aktie. Gerade im Vergleich mit den wichtigsten Konkurrenten (s. unten) wird diese Unterbewertung deutlich.  
  • Mit einer Dividendenrendite von  über 8% ist das Unternehmen auch innerhalb der Branche, welche typischerweise hohe Ausschüttungen vornimmt, ganz oben mit dabei. Jedoch bleibt dabei zu beachten, dass hierfür über 70% des Gewinns verwendet werden müssen. Dies ist ein hoher Anteil, welcher u.a. auch dafür sprechen könnte, dass wir keine ganz so starke Erhöhung sehen wie von den Analysten im Konsens angekündigt. Nichts desto trotz macht diese Tatsache den Titel auch für langfristige Investoren interessant.
  • Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei niedrigen 0,76. Damit ist ein weiteres Merkmal gefunden, was den günstigen Charakter der Aktie unterstreicht.
  • Die Benjamin-Graham-Number als Formel für den maximalen Kaufpreis ermittelt hier einen Betrag pro Aktie von 20,16€. Dies ist ein Sicherheitsabstand von 1,36€ oder 7,23%. Die Unterbewertung zieht sich demnach fort.
  • Besonders beachtlich ist die Kapitalstruktur:

o Mit einer Eigenkapitalquote von knapp über 50% kann man zu Recht behaupten, dass das Unternehmen auf einem stabilen Fundament steht. In den letzten Jahren konnte diese kontinuierlich erhöht werden.

o Umso beachtlicher ist daher die hohe Rentabilität mit dem das Unternehmen agiert. Bei einer ROE (Return on Equity – Eigenkapitalrentabilität) von fast 20% darf von einem effektiven und gesunden Unternehmen gesprochen werden besonders wenn man die hohe EK-Quote mit einbezieht.

o NET DEBT / EBITDA- Ratio: Der Financial Leverage beläuft sich auf 1,18x. Dieser Wert ist als ebenso sehr niedrig anzusehen und untermauert den Fakt, dass freenet jederzeit in der Lage ist sich am Kapitalmarkt mit frischer Liquidität auszustatten.

o CAPEX/SALES-Ratio: Ebenso beachtlich ist die Tatsache, dass lediglich 0,71% der Erträge für die Instandhaltung des operativen Geschäftes verwendet werden müssen. Dies ist sicher auch dem anlagenarmen Geschäft geschuldet, sollte jedoch trotzdem ein weiterer positiver Parameter sein.

Bei Betrachtung der Peergroup wird deutlich, dass die freenet AG zwar als unterbewertet angesehen werden darf, es innerhalb der Branche jedoch noch weitere Schnäppchen in Form von Vodafone und vor allem Orange SA gibt. Die Kapitalstruktur, hohe Dividendenrendite und schwächste Performance auf Jahressicht jedoch sind es, die die freenet AG in der Summe als attraktivsten Kandidaten dastehen lassen.

Umsatz stabil - Profitabilität im Aufwind

Der Umsatz konnte im vergangenen Quartal nicht ganz gehalten werden und gab leicht nach. Eine ähnliche Entwicklung wird für das Gesamtjahr 2014 und 2015 erwartet. Der Gewinn jedoch konnte anhand des operativen Einkommens (EBITDA) um 2,9% gesteigert werden. Diese Steigerung wird in ähnlicher Form auch für die kommenden Jahre erwartet. Hier macht sich ein Umbruch innerhalb des Konzerns bemerkbar, bei dem die margenschwächeren Segmente zurückgefahren werden sollen und eine Konzentration auf profitableres Geschäft stattfindet. Demnach kann der Vorstand hier 1zu1 mit den Analysten übereinstimmen und an den Erwartungen festhalten. Besondere Beachtung findet natürlich immer die Anzahl an Kunden, welche  im abgelaufenen Quartal zum 8(!) mal in Folge gesteigert werden konnte und sich nun auf 8,84 Millionen beläuft.

Ebenso spannend ist ein Blick auf die Wertentwicklung des Unternehmens. Hier ist sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft eine kontinuierliche Steigerung des bilanzierten Eigenkapitals vorausgesagt, wodurch somit auch der Wert Ihrer Aktie steigt.

Unterm Strich ist die freenet AG für einen TecDax-Titel bei weitem nicht zu teuer bewertet. Bei Aktien aus diesem Index ist häufig ein hoher Anteil an Fantasie involviert, weswegen es keine Seltenheit ist utopisch hohe Bewertungen zu finden.  Dies ist bei der freenet AG nicht der Fall und auch im Vergleich mit der Branche bewegt man sich hier voll und ganz im Rahmen. Eine hohe Dividendenrendite macht die Aktie vor allem für langfristige Anleger interessant, die an einer regelmäßigen attraktiven Rendite auf das eingesetzte Kapital interessiert sind. Die künftige Entwicklung hin zu mehr Profitabilität mit der Planungssicherheit durch die Fusion von Télefonica und EPlus sollten sich weiterhin positiv auswirken.

Eine ordentliche Unterbewertung bei Betrachtung aller Kennzahlen gepaart mit einer stabiler und intelligenten Entwicklung des operativen Geschäfts machen die freenet AG nun nach jüngstem Kurssturz auch für fundamentale Anleger wieder interessant. Die derzeit überverkaufte technische Lage der Aktie rundet ein durchaus positives Gesamtbild für das Unternehmen ab.

Ihr Andreas Meyer

Quelle: Bloomberg, Thomson Reuters, FactSet, Freenet AG



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