In der Vergangenheit haben bei der Aktienanalyse u.a. einige Titel aus der Ölindustrie Beachtung gefunden. Nachdem ja auch hier auf Cashkurs.com schon häufig zuletzt über Öl- und Gasbohrungen in Griechenland berichtet wurde, gab es nun weitere News zu Explorationsanstrengungen des Öl-Giganten Repsol S.A. vor den Kanaren.

Die Repsol S.A. ist ein spanischer Ölkonzern mit globalem Aktionsradius. Die Hauptfelder der Gruppe liegen in der Förderung von Rohöl sowie Erdgas, als auch in der Petrochemie.  Die angebotene Produktpalette wird dabei sowohl an den Endverbraucher als auch an Unternehmen aus dem Bereich Logistik sowie Luftfahrtindustrie veräußert.

Vorab wie gewohnt jedoch das Unternehmen im Zahlenbild:

Ein für die Branche geringes KBV von lediglich 0,83 spiegelt die Unterbewertung des Titels wieder

Ein KGV von 11,60 ist in Betrachtung der Schnäppchenmentalität in Ordnung jedoch für die Branche nicht unbedingt herausragend

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis, dass die Ertragskraft der Gruppe ins Verhältnis zur Bewertung setzt ist mit aktuell 4,40 als nicht sehr günstig anzusehen

Eine Dividendenrendite erwarteten 5,40% macht den Titel besonders für langfristige Anleger interessant

Hierfür müssen aber voraussichtlich hohe 60% des kommenden Gewinns verwendet werden.

Die Eigenkapitalquote von über 41% ist jedoch als gut anzusehen und liegt im Peergroup-Vergleich im oberen Mittelfeld

Die Rendite des eingesetzten Kapitals wird mit 7,36% verzinst. Dieser Wert  ist im Branchenvergleich als eher unbefriedigend anzusehen. Konkurrenten liegen hier alle im zweistelligen Bereich

Das Unternehmen hat in den ersten neun Monaten die Förderung von Rohöl um 2,4% gesteigert. Die Exploration von Naturgas wurde hingegen deutlich stärker um 12,6% voran-getrieben.

Dabei wurden die deutlichsten Zuwächse in den USA und Brasilien verzeichnet.

Im Bereich Nordafrika hingegen sind gerade bei Rohöl deutliche Rückgänge zu sehen

Das EBITDA bis Q3/2013 lag bei -3.765 Mio. EUR

Der operative 9-Monatsumsatz ist um -5,34% auf nur noch 14.775 Mio. EUR zurückgegangen

Das operative 9-Monatsergebenis ist mit nur noch 844 Mio. EUR um deutliche 46% (!) gefallen

Die operativen Tätigkeiten spielen für mich immer die bedeutendste Rolle, da weitere Ergebnisse durch Sondereffekte wie Verkäufe, Zukäufe, Rechtsstreitigkeiten oder einmalige Sonderzahlungen beeinflusst werden können. Laut Aussagen der Firma ist der starke Rückgang auf die besondere Situation in Libyen, die Dollar-Schwäche sowie die gestiegenen Kosten der Produktion zurückzuführen.  Eine wirklich überzeugende Argumentation ergibt sich bei dieser Darstellung für mich nicht. Daher lässt sich vermuten, dass noch weitaus mehr Faktoren, die womöglich im Fehlmanagement ihre Wurzeln haben, eine Rolle spielen.

Nun kam vor kurzen die Meldung, dass Repsol S.A. seine Förderanstrengungen im Atlantik bei den Kanaren vorantreiben will. Einen großen Konflikt sehe ich dabei vor allem aufgrund des hohen Tourismus der Kanaren-Region. Allerdings vermutet die Repsol dort Ölvorkommen, die über 10% des gesamten spanischen Bedarfs abdecken würden – in Zahlen macht das eine Ersparnis von ca. 30 Mrd. Euro auf ca. 20 Jahre. Nun wird sich das klamme Spanien vermittelnd zwischen Industrie und Tourismus einschalten müssen. Ein heikler Prozess betrachtet man die hohen möglichen Einnahmen.

Fazit:

Die Repsol S.A. ist trotz der zuletzt schwächeren Zahlen nicht unbedingt als Zockerpapier zu bezeichnen, auch wenn sie im Vergleich mit den Konkurrenten am volatilsten abschneidet. Die attraktive Dividendenrendite, die Unterbewertung nach Lesart des KBV und die stabile Aufstellung des Unternehmens anhand der Eigenkapitalquote sollten daher genug Sicherheit bieten und für langfristig orientierte Investoren interessant sein. Die weltweit fundamentale Situation, mit in Zukunft wieder wachsenden Wirtschaften,  sollte auch für die Öl-Industrie fördernd wirken. In der Vergangenheit hatte ich hier jedoch bereits berichtet, dass sich die gesamte Branche etwas auf Verkleinerung einstellt um eine höhere Effektivität in den Prozessen zu generieren. Die wachsenden Explorationszahlen der Repsol S.A. zeigen hier jedoch in eine andere Richtung, die aus meiner Sicht nicht unbedingt die vernünftigere zu sein scheint. Aufgrund der sich mehrenden alternativen Energien ist mir eine Spezialisierung nach dem Motto Qualität statt Quantität deutlich lieber. Somit ergeben sich in der Öl-Industrie für mich, wie in der Vergangenheit bereits beschrieben, einige andere Titel mit mehr Kurssteigerungspotential als die Repsol S.A. auch wenn die Company nicht zu große Risiken bergen sollte.

Ihr Andreas Meyer

Quelle:  finanzen.net, Onvista, Repsol S.A.

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