Gut. Weil über das zurückliegende Wochenende die ganze entsetzliche Debatte über unser Staatsoberhaupt beziehungsweise das zum Zwecke der Auslagerung der selbigen eingerichtete Amt ihren Höhepunkt fand, möchten wir uns passenderweise in diesem historischen Moment der einmaligen Gelegenheit nicht enthalten, ein kleines bisschen Senf dazu zu geben. Passt auch wunderbar auf Rosenmontag. Sollten Sie dieser Tage einen Handyvertrag auslaufen haben, dann denken Sie doch einmal an die Welt zurück, vor 24 Monaten, als Sie diesen abgeschlossen haben. Wir treffen dort auf die Faschingszeit 2010, viel zu ungreifbar wahrscheinlich, um sich spontan eine konkrete Vorstellung machen zu können. Lange her? Vielleicht. Der Unterschied zu heute bestand darin, dass sich das höchste Staatsamt (scheinbar) in bester Verwahrung befand. Es war schon fast langweilig. Die Dinge gingen so ihren Gang, Amtszeit reihte sich an Amtszeit. Dann plötzlich gab es einen Rücktritt, da der Inhaber Horst Köhler die eine oder andere Aussage (nein, es war wohl nur eine) seinem Amt entsprechend als zu anmaßend und zu respektlos ansah. Und er trat zurück. Sofort. Bis heute ist eine logische Begründung der Aktion offen, Köhler war ja mal dem IWF vorgestanden, aber die offizielle Geschichtsschreibung spricht von entsprechend konservativen bis edlen Ansichten des Amtsinhabers im Bezug auf das Amt. Wenn sich also mit der Wahl Christian Wulffs zum Bundespräsidenten irgendwas wirklich änderte in Schloss Bellevue, dann war es, wie so oft, die Einstellung hinsichtlich dessen, was den ersten unpassenden Rücktritt, den Köhlers, auslöste. Wulff war von seinem Amt nicht zu trennen, um es mal effektfrei zu formulieren. Erst im allerletzten Moment knickte er ein. Interessante Geschichte eigentlich, für Hobby-Kriminologen. Bis dahin ging es Monatelang hin und her, ein reines Boulevard-Thema. Deswegen gab es dazu auch nichts in der hiesigen Rubrik. Wulffs Amtszeit, Wulffs Personalie, das war doch mit dem Tag der letzten Bundesversammlung alles kaum ernst zu nehmen. Die ganze Personal-Rochade ging im Prinzip auf das Gutdünken der Kanzlerin zurück, da entdeckten selbst konservative Delegierte plötzlich ihre Gewissensfreiheit und verhalfen Wulff erst in Wahlgang 3 zum Sieg. Heuchelei von Anbeginn. Das es nicht viel besser zu Ende ging, belegt folgendes Zitat aus der Abschiedsrede  vom Freitag: „Ich wünsche unserem Land von ganzem Herzen eine politische Kultur, in der die Menschen die Demokratie als unendlich wertvoll erkennen.“ Als unendlich wertvoll? Ihr nehmt es doch selbst nicht ernst. Bestes Beispiel: Per heute wurde ein Nachfolger beschlossen, im kleinen Kreis natürlich. Der SPIEGEL wittert bereits die gelbe Intrige. Bei der letzten „Wahl“ noch die Sympathien des Chancenlosen, muss man die Personalie in der Zwischenzeit vielleicht neu bewerten, so wie Volker Pispers dies weiter unten macht. Fünf Jahre wird er hoffentlich halten. Ab jetzt können wieder die Kollegen von Boulevard und Co. übernehmen und die seit Kaiser Wilhelm nie mehr dagewesene Einheit der Parteien beschwören oder was ihnen nun sonst in den Sinn kommen mag. Aber mal im Ernst: Ihr hättet echt den Gottschalk nehmen sollen…
 
 
===== N E W S =====

GRIECHEN-HILFSPAKET SOLL HEUTE ENDLICH BEREIT SEIN
Die Bedingungen scheinen erfüllt, aber es schwelt andernorts zur Genüge…
RP Online

WEIDMANN VS. DRAGHI ? TAUSCHEN ODER NICHT TAUSCHEN?
In der Zwischenzeit steigen griechische Einjährige über 600 Prozent…
DMN

CHINESISCHE ZENTRALBANK SENKT ERNEUT MINDESTRESERVESÄTZE
Weniger Reserve, mehr Bankkredite, weniger Kreditklemme. Einfache Logik eigentlich.
Wall Street Journal

IRAN STELLT ÖLLIEFERUNGEN AN FRANKREICH UND GROSSBRITANNIEN EIN
Über zwei Drittel des Iran-Öls würden ja ohnehin von den PIGS importiert…
RIA NOVOSTI

ISLANDS BONITÄT BEKOMMT EIN UPGRADE VON FITCH
Von Ramsch auf BBB- bei stabilem Ausblick. Herzlichen Glückwunsch nach Island!
ZeroHedge


===== H I N T E R G R U N D =====

VOLKER PISPERS ÜBER JOACHIM GAUCK
Das Stück ist ein paar Monate alt, doch erst per heute richtig aktuell geworden…!
youtube

DIE GESCHICHTE DER SECHS-BILLIONEN-DOLLAR-BONDS
Wo sollte eine solche Summe plötzlich auftauchen? Doch nicht in einer Privatsammlung…
Süddeutsche

DIE GEFAHR DER BEWERTUNG DES EIGENEN RISIKOS
Wer will da schon gewissenhaft rechnen, wenn es um den Quartalsgewinn (Bonus) geht…
Handelsblatt

„MEHR ALS EINE MILLION“ IN SPANIEN AUF DEN STRASSEN
Thema Arbeitsmarktreform. Sechsstellige Beteiligungszahlen sind aber ordentlich!
taz

ZU GUTER LETZT ? DIE LANDKARTE EUROPAS ANNO 2022
Ziemlich satirisch gehalten, aber auch hier gibt es jeweils einen wahren Kern. Kunst!
ZeroHedge


Hinweis: Die verlinkten Beiträge stellen nicht immer die Meinung der Cashkurs-Redaktion dar, dienen aber in jedem Falle der eigenen Urteilsbildung.

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