Frankfurt (BoerseGo.de) - Der deutsche Aktienmarkt zeigt heute wieder die gewohnten Wellenbewegungen unter der Null-Linie. Wie gewohnt drückt die allgemeine Rezessionsstimmung das Gros der Aktienkurse „unter Wasser“. Dazu trägt heute auch der überraschende Rückgang im deutschen Einzelhandel vom Dezember bei. Sorgen bereitet aber vor allem, dass Obama von der Freihandelspolitik seines Vorgängers abschwenkt. Die von ihm geführte Regierung verfolgt zunehmend eine „Buy American“ Strategie. Daher wächst jetzt die Angst, dass die USA ihre Märkte abschotten wollen. Besonders für die stark exportabhängie deutsche Wirtschaft würde das zu einer Bedrohung.  Der DAX bröckelt zur Mittagsstunde 0,4 Prozent auf 4.255 Punkte.

Die Deutsche Telekom kann sich dem Rezessionsblues heute entziehen. Sie profitiert momentan anscheinend - wie die gesamte europäische Telekommunikationsbranche - davon, dass der britische Handy-Dienstleister Vodafone seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben hat. Die Londoner stellen jetzt deutlich mehr Umsatz und Gewinn in Aussicht. Dennoch überrascht die Kursreaktion bei der Deutschen Telekom etwas. Die Briten begründen die guten Entwicklung vor allem mit dem scharfen Einbruch des britischen Pfunds am Devisenmarkt. Dadurch wurden die Auslandseinnahmen der Inselbewohner in britische Wärhung umgerechnet merklich gesteigert. Da die Deutsche Telekom aber in Euro rechnet, ist dort kein positiver Effekt der Pfund-Abwertung zu erwarten.
Auffällig ist, dass die Deutsche Lufthansa ihre seit Tagen schon anhaltende relative Stärke fortsetzt. Der Luftfahrtkonzern erhöhte heute sein Gewinnziel - und schiebt damit die Erklärung für die Stärke der Vortage nach. Wie bereits vermutet, wird der Airline-Betreiber erheblich von den gedrückten Kerosinpreisen entlastet. Positiv entwickeln sich auch die Papiere von SAP. Der Softwarekonzern dürfte davon profitieren, dass die Anleger wieder mehr Appetit auf Technologiewerte bekommen. Das zeigt etwa die gestrige deutliche Outperformance der Nasdaq an der Wall Street.
Gefragt sind auch die Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank. Dort stützt vermutlich die vage Hoffnung, dass die US-Regierung doch noch einen Banken-Rettungsplan zu Wege bringt, der das internationale Finanzwesen stabilisieren könnte.

Opfer Obamas?

Unter Druck stehen dagegen die Stahl- und Infrastrukturkonzerne ThyssenKrupp und Salzgitter.  Beide Unternehmen sind sehr exportabhängig und könnten daher zu den Opfern der von Obama verfolgten „Buy America“-Politik zählen. Das dürfte auch für Daimler, Siemens und BASF gelten, die momentan ebenfalls unter Druck stehen.
Die Papiere der Deutschen Börse AG leiden unter dem markanten Umsatzeinbruch im Xetra Handelssystem im Dezember (minus 71 Prozent).
Der Düngemittelhersteller K+S zählt auch zu den größten Verlierern im DAX. Dort belastet die geplatzte Spekulationsblase bei den Agrarrohstoffen, die den Bedarf der Landwirte an K+S-Produkten mindert.

Der MDAX wird heute von aktuellen Unternehmenszahlen beeinflusst und derzeit von den Heidelberger Druckmaschinen angeführt. Die Schwaben meldeten heute zwar einen Verlust, der fiel aber glimpflicher aus als befürchtet. Weniger gut kommen dagegen die aktuellen Zahlen des Industrieroboter-Herstellers KUKA an, der seine eigene Ziele verfehlte und deshalb jetzt verkauft wird.
Markante Verkäufe gibt es derzeit bei der TUI. Dort kursiert das Gerücht über eine angebliche Gewinnwarnung des Reisekonzerns.  Einem Medienbericht zufolge will der Touristik-Dienstleister außerdem die Käufer seiner Reedereitochter Hapag-Lloyd unterstützen um die seit Wochen stockende Transaktion voranzutreiben. TUI biete dem Hamburger Konsortium einen Großkredit an, damit die Gruppe die Hapag-Übernahme stemmen kann, heißt es.
Im TecDAX ist heute der Solarwert Conergy gefragt. Begehrt sind außerdem United Internet. Dort dürfte das - trotz Rezession - weiterhin dynamische Wachstum des Internets das Interesse wecken.

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