Frankfurt (BoerseGo.de) - Nach dem kräftigen Kurszuwachs vom Vortag präsentierte sich der deutsche Aktienmarkt heute lange Zeit schwächer. Bei einem Tagestief von 4.387,78 Punkten (16:32 Uhr) lag der DAX zwischenzeitlich sogar mehr als 100 Punkte im Minus. Am späten Nachmittag holte der Leitindex seine Kursverluste in einer massiven Erholungsbewegung aber binnen weniger Minuten auf und drehte sogar ins Plus. Vorausgegangen war eine Meldung der Agentur AP, wonach sich die US-Regierung für ein neues Paket von Hilfsmaßnahmen für das kriselnde Kreditgewerbe entschieden hat. Dies hat vor allem bei den Banken für eine kräftige Kursbelebung gesorgt. Zudem wurden Spekulationen gehandelt, dass Unternehmen ihre Vermögenswerte künftig nicht mehr mit dem aktuellen Marktwert, sondern mit dem Buchwert in die Bilanz einstellen könnten. Der DAX konnte davon profitieren. Bis zum Xetra-Schluss stand ein Plus von 0,39 Prozent auf 4.510,49 Punkte zu Buche.

Im Blickfeld standen heute auch die Zinsentscheidungen von BoE und EZB. Die britische Notenbank (BoE) hat den Leitzins um weitere 50 Basispunkte auf nunmehr 1,00 Prozent gesenkt. Das ist das niedrigste Niveau seit der Gründung der Notenbank. Die Analysten der Nord/LB gehen aber davon aus, dass das Bank Rate Niveau von 1,00 Prozent nur ein Zwischenschritt in Richtung eines Null-Leitzinses ist. Unterdessen hat die Europäische Zentralbank das Leitzinsniveau für den Euroraum wie erwartet unverändert bei 2,00 Prozent belassen. Für März zeichnet sich aber nun eine weitere Absenkung des Refisatzes auf 1,50 Prozent ab. Der EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte angemerkt, dass die Märkte Recht haben könnten, wenn sie auf eine Zinssenkung im März wetten.

Zuvor gab es nochmals schlechte Konjunkturdaten aus Deutschland. Der Auftragseingang der Industrie sank im Dezember unerwartet deutlich um 6,9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Volkswirte hatten durchschnittlich nur mit einem Rückgang um 2,3 Prozent gerechnet.

Auf der Unternehmensseite standen die Aktien der Deutschen Bank im Blickfeld. Auf der heutigen Bilanz-Pressekonferenz kamen zwar nur noch Details an das Tageslicht, da der Rekordverlust in Höhe von 4,8 Milliarden Euro im vierten Quartal 2008 bereits bekannt war. Für die Zukunft rechnet das Institut aber offenbar vermehrt mit Kreditausfällen. Das Frankfurter Geldhaus hat die Risikovorsorge im Kreditgeschäft im Schlussquartal um 80 Prozent auf 591 Millionen Euro erhöht. Mit einem Minus von 4,19 Prozent auf 20,35 Euro standen die Aktien am Ende des Kurszettels.

Ein fast schon seltenes Bild gab es auf der Gewinnerliste. Die Papiere von Infineon - die aufgrund der Kursverluste in den vergangenen Wochen mittlerweile zum Pennystock mutierten - standen mit einem Plus von 4,35 Prozent auf 0,72 Euro an dritter Stelle. Am größten waren die Kursgewinne allerdings bei K+S (+4,87%). Der Düngemittel-Spezialist zählte bereits gestern zu den Favoriten.

Beitrag senden Beitrag drucken