Frankfurt (BoerseGo.de) - Die Flut positiver Gewinnüberraschungen setzt sich fort, heute scheint das aber keinen zu interessieren. Jedenfalls verpufft das Feuerwerk der Q3-Zahlen und die Börsen der Welt dümpeln wieder leicht unter der Wasserlinie.

Weder die Gewinnzahlen der Deutschen Bank, noch die von Yahoo, dem Speicherchip-Spezialisten SanDisk oder des Festplattenherstellers Seagate Technology, die alle über den Erwartungen lagen, werden gewürdigt. 79 Prozent der Gesellschaften schlugen laut Bloomberg bislang die Erwartungen, das beste Ergebnis seit 1993. Egal. Wie bereits gestern nehmen wieder einige Spieler ein bisschen Geld vom Tisch.

Die aktuelle Neigung, die Einsätze wieder etwas zurückzuziehen, führt allerdings auch zu einer Entspannung am aufgeheizten Ölmarkt. Der Preis des Energieträgers pendelt jedenfalls ebenfalls leicht zurück, eine kleine Entlastung für Unternehmen und Verbraucher.

Heute sind die Q3-Zahlen von Boeing, Ebay, Morgan Stanley und der Großbank Wells Fargo fällig. Am frühen Abend außerdem das Beige-Book der Fed, das weitere sachdienliche Hinweise zur wirtschaftlichen Lage der größten Volkswirtschaft der Welt geben sollte.

Der DAX gibt zur Mittagsstunde 0,8 Prozent auf 5.763 Punkte ab.


Die Kunst der Haarspaltung

Typisch für den heutigen Börsentag sind die aktuellen Kursverluste bei der Deutschen Bank. Dort hat sich der Gewinn mehr als verdreifacht und lag über den Erwartungen. Der Gewinnsprung ist zwar vor allem einigen Steuergutschriften zu verdanken, aber auch vor Steuern verdiente  der Branchenprimus etwas mehr als von der Analystenzunft erwartet. Dennoch bekommt der Finanz-Titel jetzt die rote Laterne angehängt. Anscheinend suchten die Marktteilnehmer nach dem Haar in der Zahlensuppe, das jetzt nach allen Regeln der Kunst gespalten wird.

Auch bei Infineon, in den Vortagen noch der Liebling des Börsenparketts, werden einige Einsätze zurückgezogen.
Das gilt auch für konjunktursensible Anteilscheine wie MAN oder ThyssenKrupp.


Bei den Blue Chips sind die Gewinner dagegen momentan eine gefährdete Minderheit. Relativ tapfer schlagen sich wieder die Stromversorger E.ON und RWE. Dort helfen die Anzeichen, dass sich die deutsche Politik doch nicht ganz so überstürzt aus der Kernenergie zurückziehen will, in die andere Länder schon wieder massiv investieren.
Gefragt sind auch die eher defensiven Papiere des Telefonversorgers Deutsche Telekom. Wegen der schwachen Performance der vergangenen Monate gibt es dort auch wenig Gewinne, die jetzt mitgenommen werden könnten.


Auch der MDAX leidet unter dem momentanen Rückzug der Spieler. Zu den positiven Ausnahmen zählen MLP und der Dieselmotoren-Spezialist Tognum.


Der TecDax kann ebenfalls nur magere Gewinne vorzeigen, etwa bei Bechtle oder Jenoptik.

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