Frankfurt (BoerseGo.de) - Der deutsche Aktienmarkt bleibt dem inzwischen gewohnten Muster treu: Nach einem kurzen und milden Ausrutscher pendelt er schnell wieder auf den Pfad der Erholung zurück. Es bleibt ihm auch kaum etwas anderes übrig.

Die Gewinnsaison Q3, die mit Alcoa & Co. famos gestartet war, setzt sich fort. Tag für Tag zaubern Unternehmen Gewinnzahlen - und oft auch Umsatzergebnisse - aus dem Ärmel, die die Erwartungen der Analystenzunft um Längen schlagen. Heute Nacht schlossen sich etwa der Kreditkarten-Riese American Express  und Amazon.com dem Gewinnfeuerwerk an. Das Online-Kaufhaus beschleunigte das Umsatzwachstum auf 28% und steigerte den Gewinn um 69%. In beiden Fällen wurden die Analystenerwartungen weit übertroffen. Ein neues Lebenszeichen des totgesagten Konsums.

Belebend wirkt heute auch die Nachricht, dass die Industrieaufträge im Euroraum unerwartet deutlich steigen. Außerdem stieg der ifo-Index, ein Stimmungsbarometer der deutschen Industrie, den siebten Monat in Folge. Das tröstet auch etwas darüber hinweg, dass sich die Rezession in Großbritannien unerwartet verlängerte. Auf der Insel war das BIP im 3. Quartal unerwartet um 0,4% geschrumpft. Es ist unwahrscheinlich, dass die Queen darüber „amused“ war.

Heute sind die Q3-Ergebnisse von Microsoft fällig und des Industriekonzerns Honeywell. Außerdem die Verkaufszahlen bestehender Eigenheime in den USA, ein Indiz für die Entwicklung an der Immobilienfront.

Der DAX avanciert zur Mittagsstunde 0,9 Prozent auf 5.813 Punkte.

Computer sind flexibel

Gestern liefen auf den Computern (Server) der Vermögensverwaltungs-Einrichtungen (Fonds, Banken, Versicherungen & dergleichen) noch die Verkaufsprogramme, heute wurde wieder auf Kaufen umgeschaltet. Computer sind eben flexibel. Die Folge: Die Blue Chips, die gestern noch  unter der Wasserlinie pendelten, tauchten heute wieder auf; oder anders ausgedrückt: Heute wurde gekauft, was gestern noch verkauft wurde.


Die Papiere der Deutschen Lufthansa sonnen sich derzeit am stärksten in der Gunst der Kaufprogramme. Vielleicht haben die flinken Rechner eine Nachricht aufgeschnappt, die noch nicht offiziell bekannt ist. Ein Grund für die neue Flugbewegung, die prompt um 11:00 Uhr startete, ist jedenfalls im Moment nicht aufzutreiben.
Die Kursgewinne bei den zyklischen Stahlkochern ThyssenKrupp und Salzgitter dürften der Asien-Fantasie und dem allgemein aufgelockerten Konjunkturklima zuzuschreiben sein.
Die Finanz-Titel, also Allianz, Deutsche Bank und Commerzbank, folgen ihren US-Branchenkollegen, die bereits gestern wieder mal in Rally-Laune waren.



Die heutigen Verkäufe der sehr defensiven Papiere von Fresenius Medical Care und Meck KGaA erfolgen prgrammgemäßt, da die Software an freundlichen Tagen automatisch aus den angeblichen sicheren Häfen ausfährt, die sie in weniger freundlicheren Börsenstimmungen bevorzug aufsucht.


Im MDAX werden bevorzugt ElringKlinger, Fuchs Petrolub, ProSiebenSat 1 und Symrise gekauft.


Die Spitzenreiter im TecDax heißen Morphosys, Nordex und centrotherm.

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