Frankfurt (BoerseGo.de) - Der deutsche Aktienmarkt gewinnt wieder etwas Boden zurück. Die Kraft dazu verleiht ihm vor allem die Wiederentdeckung der Banken. Die in den Vortagen noch verschmähten Finanz-Titel werden jetzt  reumütig zurückgekauft. Dazu tragen aufmunternde Geschäftszahlen einiger ausländischer Bankhäuser genauso bei wie Timothy Geithner, der von US-Präsident Obama als Finanzminister nominiert wurde. Der Fiskal-Politiker arbeitet an einem umfassenden Programm, um das US-Bankensystem zu stabilisieren und die Kreditvergabe wieder aufzutauen. Das Interesse an den globalen Finanzkonzernen wecken auch Meldungen, dass CEOs und Direktoren bei JP Morgan und der Bank of America die scharfen Kurseinbrüche ihrer Institute für Insiderkäufe genutzt haben. Die Bundesregierung arbeitet außerdem fieberhaft an einem neuen Plan, um die Bankbilanzen zu „entgiften“, heißt es. Hilfreich sind auch die gestrigen Quartalszahlen von Apple. Der Herr der iPods, iPhones und iMacs lag mit Gewinn und Umsatz deutlich über den Erwartungen der Wall Street und bewies damit, dass sich gut aufgestellte Unternehmen auch in der heutigen Situation gut behaupten können. Jetzt warten die Märkte darauf, dass Microsoft und Google heute Abend die glänzenden Vorlagen von IBM und Apple aufgreifen. Der DAX gewinnt zur Mittagsstunde 1,1 Prozent auf 4.309 Punkte.

Die DAX-Banken profitieren natürlich von der weltweiten Stimmungsaufhellung im Kreditgewerbe. Die größten Kursgewinne kann momentan die Commerzbank einfahren, die in den Vortagen wegen dem Staatseinstieg noch im Abseits stand. Auch der weltweit aufgestellte Finanzkonzern Allianz wird heute wieder in ein besseres Licht gerückt.
Bei MAN hat man sich anscheinend jetzt über die bereits am Dienstag gemeldete Kursarbeit abgefunden und kauft jetzt die Anteile des Lkw-Bauers ebenfalls wieder zurück. Möglicherweise helfen die üblichen Spekulationen über die Neuordnung der europäischen Lkw-Landschaft.

Abwrackprämie? Welche Abwrackprämie?

Die Abwrackprämie belebt angeblich den deutschen Autoabsatz. An der Börse ist diese Botschaft aber noch nicht angekommen. Daimler und BMW zählen jedenfalls zu den Verlierern der Mittagsstunde. Bei Siemens drückt die Meldung, dass die Auftragseingänge im Euroraum im November des vergangenen Jahres um 4,5 Prozent abschmolzen.  Der Konsum-Chemiespezialist Beiersdorf (Nivea, Tesafilm) steht ebenfalls im Schatten. Die sehr volatilen Pennystocks von Infineon werden auch abgegeben. Die Hoffnungen und Befürchtungen für die kriselnde Chip-Tochter Qimonda wechseln eben wie Ebbe und Flut. Die Aktien von Volkswagen, ebenfalls schon längst ein Spielball der Spekulation, bewegen sich auch im roten Bereich.

Im MDAX ist derzeit der Medienkonzern Pro Sieben begehrt. Im TecDAX bleiben die Alternativ-Energieaktien bleibt, heute vor allem von Solarworld und Q-Cells.

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