Diskussionen über Währungen, Anleihemärkte oder gleich das ganze Finanzsystem wirken oft abstrakt. Zum Teil ist dies gewünscht. Wie jede andere Branche hat auch die Wirtschaft für einfachste Zusammenhänge schlau klingende Vokabeln zur Hand, um einen möglichst wichtigen Eindruck zu machen. Die grundlegenden Zusammenhänge sind jedoch oft einfach und nachvollziehbar…

Die aktuelle Debatte über die Währungsunion, einen Erhalt derselben, eine mögliche alternative Zusammensetzung oder gleich eine Abschaffung der Einheitswährung mündet oft in Auseinandersetzungen über das Geld an sich. Ein durchaus interessantes Thema, dennoch wollen wir hier auf einen eher praktischen Aspekt einer möglicher extremen Abschwächung des Euro eingehen.

Bei den zahlenmäßig zunehmenden Artikeln über ein ja oder nein zur durch Steuergelder gestützten Refinanzierung griechischer Anleihen wird von weiten Teilen der Politik gern auf die Kosten hingewiesen, die entstünden, wenn die Schulden nicht refinanziert würden. Im Eifer des Gefechts – oder auch aus Unkenntnis der Situation – werden die Kosten eines Erhalts des status quo allzu oft auf die Summen reduziert, die offen ersichtlich sind. Das sind bei den mit den unzutreffenden Namen „Rettungspakete“ benannten Refinanzierungen die Summen der garantierten Kredite. Diese Sicht der Dinge ist zwar einfach aber leider zu kurzsichtig. Schnell, sicher, falsch wie ein sehr geschätzter Kollege einst treffend formulierte.

Eine Melange an Stützungsmechanismen, die unbestreitbar auf eine Gesamthaftung einzelner Mitgliedsstaaten abzielt, zerstört mit Hilfe der Zentralbank systematisch die Währung des entsprechenden Währungsraumes. Eine zeitweilig positive Entwicklung des Euro relativ zur Währung eines Landes, in dem mit noch verzweifelter experimentiert wird, kann leicht in die Irre führen. Wer nur der zweithässlichste ist, ist deshalb jedoch nicht zwangsläufig hübsch.

Die EZB kauft Peripherie-Anleihen, hat Buchverluste, die das Eigenkapital locker übersteigen, wirkt aber gegen die Narren-Parade der FED immer noch wie ein zu überehrgeiziger Zauberlehrling, der sich die Tricks noch abschaut und nicht selbst kreativ wird. Geld kann man drucken, Kaufkraft nicht.

Kaufkraft ist nicht nur für den privaten Konsumenten im Alltag ein Thema. Auch auf der übergeordneten Ebene ist diese von Bedeutung. Auf Länderebene aggregiert ist der Konsum in reinen Binnenkonsum und Importe zu trennen. Besonders bedeutsam sind dabei schon auf Grund der schieren Größenordnung die Importe des Lebenssaftes der Volkswirtschaften: Energie…

Die Betrachtung der Importe und Exporte von Energie der Eurozone erlaubt den trostlosen Blick auf einen im höchsten Maße abhängigen Patienten.

Nur bei der Kernenergie und der Wasserkraft werden EU-übergreifend nennenswerte Beiträge zur gesamten heimischen Energieversorgung geleistet. Der Anteil der beiden Sektoren am Gesamtverbrauch liegt bei etwa 18%. Bezogen auf alle in der Eurozone produzierten Energieträger kommen beide Segmente allerdings auf etwa 64%, die Abhängigkeit der Länder des Wirtschaftsraums von anderen Energieträgern ist enorm.

Die Beiträge anderer, alternativer Technologien sind von niedrigem Niveau ausgehend wachsend. Sie dürften sich teilweise im sinkenden oder zumindest stagnierenden Energieverbrauch niederschlagen. Wer sein Wasser mittels solarthermischer Anlagen aufheizt, braucht dafür natürlich kein Gas mehr.

Zurück zur Währung. Bekanntermaßen können sich die USA schon seit Dekaden eine oft dubiose Währungs- und Finanzpolitik leisten. Oft wird dies etwas platt mit dem Satz der Dollar sei nun einmal die Leitwährung erklärt. Keine besonders tiefgreifende Erläuterung.

Der tiefere Sinn dieser Leit- oder besser Reservewährung ist die Notwendigkeit, Dollars zu besitzen, wenn man Rohstoffe wie Öl kaufen will. Wie zahlreiche militärische Konflikte der vergangenen Jahre zeigen, sind die Vereinigten Staaten wild dazu entschlossen, diesen Status mit allen Mitteln und wohl auch bis zum bitteren Ende zu verteidigen…

Man weiß offensichtlich um die Folgen einer Abschaffung dieses Status. Muss man seine Währung erstmal tauschen, bevor man Öl kauft, dann spürt man die Schmerzen, die die Druckerpresse verursacht, direkt. Das Verb „verteidigen“ bezieht sich in diesem Kontext übrigens ausdrücklich nur auf den Status, nicht auf die durchgeführten Maßnahmen.

Kleine Probleme mit einer Währung werden genau dann zu großen Problemen, wenn man Dinge kaufen muss, für die eine andere Währung verlangt wird. Eine Staatspleite erreicht man logischerweise besonders schnell mittels einer Kombination aus Vertrauensverlust in die eigene Währung und einer hohen Verschuldung in einer anderen Währung. Wer sich von seiner Bank vor einiger Zeit einen Franken-Immobilienkredit hat aufschwatzen lassen, könnte davon ein Lied singen, wenn die Laune das noch hergäbe. Wird die Währung eines Landes derart zerrüttet, wie dies die aktuell in der Eurozone in einer bemerkenswerten Geschwindigkeit zu beobachten ist, stellen sich Probleme von selbst ein.

Schmerzhafter als die Folgen sind oft nur die Lobreden auf schwache Währungen, die gern in TV-Sprechkreisen von so manchem Lobbyisten vermeldet werden. Eines der dümmsten Argumente der Verteidiger einer schwachen Währung ist der unsägliche Satz, diese „stärke unsere Exportindustrie“. Es ist schon toll, wenn die hier hergestellten Autos im Ausland billiger aussehen, dumm nur, wenn die zur Herstellung benötigten und importierten Rohstoffe – nicht zuletzt die Energie – immer teurer werden. Eine schwache Währung  ist ein gefährliches Gift.

Da derzeit die wichtigsten Rohstoffe in Dollar gehandelt werden, wird global eine künstliche Nachfrage nach US-Dollars aufrechterhalten. Diese ist im Grunde vollkommen unsinnig und unbegründet. Wenn jemand in diesen Zeiten davon spricht, den „Euro zu stärken“ und das ernst meint, dann muss die Person dafür sorgen, dass der Euro als Währung von den Rohstoffexporteuren akzeptiert wird. Technisch wäre das sicher kein großes Problem, die Ausrede hoher Kosten ist ebenso albern wie der Hinweis, das Verschiffen der deutschen Goldreserven aus den USA nach Deutschland würde zu hohe Transaktionskosten verursachen. Sicher, sicher.

Aber möglicherweise haben die großen Entscheider ja auch Angst. Mag man Onkel Sam nicht verärgern? Das wäre in der Tat jammerschade, denn angesichts der Abhängigkeit der Länder der Eurozone von Energieimporten kann sich diese Feigheit ganz schnell rächen.

© Bankhaus Rott

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