Fortsetzung von

Einstein und die Schafherde (Teil 1)

Einstein und die Schafherde (Teil 2)

Einstein und die Schafherde (Teil 3) ... oder die Geldordnung in Ordnung bringen!

Dieser Artikel führt meine Beitragsreihe „Einstein und die Schafherde“ fort und bildet gleichzeitig deren Abschluss. Mit dem Ansatz des Monetären Trialismus möchte ich Ihnen heute eine mögliche Lösung für die Probleme unseres Geld- und Wirtschaftssystems vorstellen, in der ich viele verschiedene, – teils schon bekannte – Ansätze miteinander vereine.

Ich bin mir sicher, dass dieses theoretische Gedankenbild die Grundlage für ein nachhaltiges und stabiles Weltfinanz- und Wirtschaftssystem bilden kann, - doch halte ich es gleichzeitig für äußerst wahrscheinlich, dass das Konstrukt des Monetären Trialismus keine Resonanz in der Politik erfahren wird. Sei´s drum, - aufschreiben kann man es ja einmal, - andere Leute aus der Finanzwelt schreiben zurzeit ja auch Bücher ohne vorher Frau Merkel um Erlaubnis zu bitten. ;-)

Albert Einstein sagte einmal, man könne ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben. Ich halte dieses Zitat, - wie auch viele andere Aussagen von Albert Einstein - für unbedingt zutreffend. Der Monetäre Trialismus ist ein Gedankenkonstrukt, das sich infolge einer umfangreichen Analyse des bestehenden Geldsystems entwickelt hat und ist, - wie Sie sehen werden - ein phantastisches, utopisches und äußerst ungewohntes Denkgebilde.

Zu Beginn ein paar Sätze zum Begriff „Staat“. In den letzten Jahren ist dieser Ausdruck zu einem Schimpfwort verkommen, - und das zu Recht! Kaum jemand identifiziert sich noch mit diesem Gebilde, - es sei denn, es findet gerade eine Fußball-Weltmeisterschaft statt. Der Grund dafür dürfte hauptsächlich in der Unfähigkeit, Dummheit und Verlogenheit vieler Spitzenpolitiker liegen, die weitestgehend nicht mehr dem Volk, sondern einer kleinen Machtelite dienen. Ich möchte an dieser Stelle nicht näher auf unsere Volks(ver)treter eingehen, sondern nur darum bitten, den Begriff Staat innerhalb dieses Aufsatzes positiv zu bewerten und als Synonym für die Gemeinschaft von Menschen eines Währungsgebietes (z.B. Deutschland) zu verstehen.

Nun zum Thema: Der Monetäre Trialismus basiert auf der Einführung von drei parallel zueinander existierenden Währungen, wobei zwei Währungen auf nationaler Ebene Gültigkeit haben und eine, - der Mundi - international als Verrechnungseinheit zwischen den Staaten dient. 

Betrachten wir zunächst eine der nationalen Währungen, welche ich Ü- und N-Geld getauft habe. 

Das Ü-Geld

Der Begriff Ü-Geld steht für Überlebensgeld und unterscheidet sich deutlich vom Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) des DM-Gründers Götz Werner. Es ersetzt ausnahmslos alle staatlichen Transferleistungen inkl. Rente, Hartz 4, Kindergeld, Arbeitslosengeld, etc.

Ü-Konten für jeden Bürger

Jedem Bürger – vom Baby bis zum Greis – wird von Geburt an ein Ü-Konto eingerichtet, auf dem am 1. Tag um 0.00 Uhr eines jeden Monats ein Grundbetrag zur Verfügung gestellt wird: Ü 1000,- für Erwachsene, Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren erhalten Ü 750,- und Kinder bis 12 Jahre bekommen Ü 500,-.

Wichtig hierbei ist, dass Ü-Konten monatlich immer nur bis Ü 1.000,-, bzw. 750,- und 500,- aufgefüllt oder abgeschöpft werden. Befinden sich beispielsweise zum Zeitpunkt der Buchung noch Ü 150,- auf dem Konto eines Erwachsenen, erfolgt eine Zubuchung in Höhe von Ü 850,00. Weist der Kontostand eine Höhe von Ü 1.150,- auf, erfolgt eine Abbuchung in Höhe von Ü 150,-. Die Kontostände weisen also immer am 1. eines jeden Monats um 0.00 Uhr je nach Alter des Kontoinhabers einen fixen Betrag aus.

Das Geld kommt durch eine staatliche Bankbehörde (man kann sie gerne Monetative nennen) in den Umlauf, die dieses Geld zinslos ohne Beteiligung von privaten Geschäftsbanken schöpft und der menschlichen Gemeinschaft (dem Staat) zur Verfügung stellt.

Auf Guthaben der Ü-Konten werden keine Zinsen bezahlt. Überziehungen des Ü-Kontos sind nicht möglich. Ü-Konten werden bei der staatlichen Bankbehörde eingerichtet, deren Aufgabe in der Verwaltung der Konten besteht. Die Kontonummern sind personengebunden und können nicht übertragen werden.

Ü-Geld existiert nur in elektronischer Form und kann für jegliche Zahlungen verwendet werden. Es kann nur über Ü-Konten transferiert werden. Überweisungen sind also grundsätzlich nur auf andere Ü-Konten von Privatpersonen und Firmen möglich. 

Für den Bürger ist es also mehr als erstrebenswert, dieses Konto zum Monatsende möglichst auf Null zu fahren, um das Ü-Geld bestmöglich zu nutzen. Es handelt sich hierbei um eine Geldumlaufsicherung, die sich jedoch vom klassischen freiwirtschaftlichen Schwundgeld unterscheidet, da keine Geldhaltegebühren (Demurrage) erhoben werden. Zwar würde ein freiwirtschaftliches Schwundgeld nach Gesell auch zielführend wirken, doch besteht bei dieser abgewandelten Form der Demurrage ein großer Vorteil in der (sehr wahrscheinlichen) Akzeptanz beim Bürger. Aufgrund der Erfahrungen bei Regiogeldern wird Geld, das in bestimmten Zeiträumen abgewertet wird, als negativ empfunden und würde imho bei der breiten Bevölkerung auf strikte Ablehnung stoßen.

Ü-Konten für Unternehmen

Jede Firma erhält bei Gründung ebenfalls ein Ü-Konto. Auch Unternehmen können das Ü-Geld national für jegliche Zahlungen benutzen. Die Unternehmenskonten werden vom Staat nicht aufgefüllt, jedoch abgeschöpft wenn ein unzulässig hoher Kontostand erreicht wird. Jedes Unternehmen hat pro Mitarbeiter Ü-1000,- an die staatliche Bankbehörde abzuführen. Verfügt ein Unternehmen über zu wenig Ü-Geld, was selten vorkommen sollte, kann die Zahlung auch in N-Geld erfolgen.

Die Höhe des Kontostandes richtet sich nach Mitarbeiteranzahl und Umsatz des Unternehmens. Je geringer die Mitarbeiteranzahl und Umsatz, desto geringer ist die Guthabengrenze des Unternehmens. Beispielsweise kann sie für einen kleinen vier Personen Betrieb mit 1 Million Umsatz Ü 25.000,- betragen. Für einen Großkonzern mit einer Milliarde Umsatz und 1000 Mitarbeitern kann eine Grenze von 25 Millionen Ü

angesetzt werden. Für Unternehmen besteht die Möglichkeit bei der staatlichen Bankbehörde, N-Geld in die internationale Währung Mundi zu wechseln, um Zahlungen auf dem Weltmarkt tätigen zu können. Der Ü-Geld Kreislauf bleibt ein nationales, geschlossenes System.

Der große Vorteil des Ü-Geldes liegt darin, dass es tatsächlich ein gerechtes Instrument darstellt, welches allen Menschen von reich bis arm zu Gute kommt. Es nimmt beispielsweise die Sorgen vor der Altersarmut und gibt jedem Menschen die Sicherheit, niemals völlig mittellos zu sein. Es fördert die freie Entfaltungsmöglichkeit eines Jeden und sichert die Lebensgrundlage, ohne dass jemand von diesem Geld in Luxus schwelgen kann. Alle staatlichen Umverteilungs- und Transferleistungen werden hinfällig. Das Ü-Geld ist eine Grundgeldmenge, die grundsätzlich vorhanden ist und einerseits von der Anzahl der Menschen und Firmen abhängt und deren Höhe andererseits durch die Obergrenze auf den Konten flexibel, aber dennoch begrenzt ist. Jedes Unternehmen wird bestrebt sein, der Grenze weitestgehend fern zu bleiben und zu investieren, um der Abschöpfung (Steuer) zu entgehen.

Das N-Geld

Ergänzt wird das Ü-Geld durch eine zweite Währung, die ich N-Geld nennen möchte. Das N steht für normal und es handelt sich bei diesem Geld um nichts anderes als jenes Geld, mit dem wir auch schon heute unsere Zahlungen tätigen. Ein Geld, das überwiegend als Giral vorliegt, aber auch in herkömmliche Papierscheine umgewandelt werden kann. Dieses Geld wird ebenfalls durch den Staat (Gemeinschaft von Menschen eines Währungsraums!) in Umlauf gebracht. Es wird durch die staatliche Bankbehörde geschöpft und dem Staat zinslos zur Verfügung gestellt, der es über Investitionen in den Wirtschaftskreislauf einbringt und durch die Erhebung einer einzigen Steuer – der Umsatzsteuer in Höhe von 25% – wieder dem Markt entzieht.

Konten bei der staatlichen Bankbehörde

Bürger und Firmen können bei der staatlichen Bankbehörde ein Konto eröffnen und N-Geld einzahlen. Die staatliche Bankbehörde zahlt grundsätzlich keine Zinsen auf Guthaben, ist aber berechtigt das eingezahlte Geld gegen Risikogebühr an andere Wirtschaftsteilnehmer zu verleihen. Für die N-Konten besteht ein 100%iger Einlageschutz, dass heißt, dass tatsächlich nur Geld verliehen werden kann, welches zuvor auch eingezahlt wurde. Kreditausfälle sind abgesichert durch die Risikoprämie, die Kreditnehmer zu tragen haben.

Konten bei privaten Banken

Jeder Bürger kann jedoch auch ein Konto bei einer privaten Bank eröffnen und Geld gegen die Zahlung von Guthabenzinsen an diese verleihen. Private Banken treten entweder als Vermittler zwischen Privatleuten gegen Vermittlungsgebühr auf oder vergeben selbst Kredite an andere Wirtschaftsteilnehmer bei einer 100%igen Mindestreserve. Um die Mindestreserve stets einhalten zu können, ist es Banken aufgrund unvorhersehbarer Abhebungen von Spargeldern nur erlaubt 75% ihrer Einlagen weiterzuverleihen.  Die Zinssätze sind frei verhandelbar. Neben der Geldmenge M1 entsteht also eine übergeordnete Geldmenge M2, bei der es sich um Ansprüche auf Auszahlung von M1 (Bar-/Giralgeld) handelt. Sollten diese Ansprüche durch die Bank aufgrund einer Insolvenz nicht erfüllt werden können, kann ein Anleger keinen Schadensersatz fordern. Jeder Anleger trägt die vollen Konsequenzen seines Handelns, genau wie man auch beim Kauf einer Aktie mit Verlusten rechnen muss. Zweifellos werden Blasen entstehen und Menschen werden beim Platzen einer solchen Blase entweder durch rechtzeitiges Aussteigen gewinnen oder im anderen Fall verlieren. Es darf also weiter gezockt werden was das Zeug hält, doch muss sich jeder Anleger bewußt sein, dass man auch auf der Verliererstraße landen kann. Frau Merkel wird sicherlich auch erfreut sein, dass sie nicht wieder vor die Presse treten und lügen muss, indem sie die Spareinlagen aller Deutschen „garantiert“.

Es bleibt festzuhalten, dass durch den Monetären Trialismus und den beiden Säulen N und Ü die Geldmenge dem Bedarf der Wirtschaft angepasst werden kann. Des Weiteren kann die Höhe des umlaufenden Geldes durch die staatliche Bankbehörde kontrolliert, eingeschränkt und auch ausgeweitet werden. Deflationen und Inflationen können somit unterbunden werden.

Der Aktien- und Finazmarkt

Der Aktien- und Finanzmarkt bleibt in gleicher Form wie bisher erhalten, jedoch ohne die Möglichkeit für Hedge Fonds, Privat Equity, etc. mit großen Hebeln zu arbeiten, da den privaten Banken die Möglichkeit zur unkontrollierten Giralgeldschöpfung genommen wurde.

Für Unternehmen besteht wie bisher die freie Wahl, sich entweder über die Aufnahme von Fremdkapital zu finanzieren oder durch Ausgabe von Aktien das Eigenkapital zu erhöhen. Der Sinn der Börse wird wieder zu seinem Ursprung gebracht, nämlich ideenreiche Menschen ohne Geld, zusammenzubringen mit investitionsbereiten Menschen ohne Ideen.

Kommen wir nun zum Abschluss zur internationalen Verrechnungseinheit Mundi, dessen Funktionsweise ich schon in dem Artikel Einstein und die Schafherde (Teil 3) ... oder die Geldordnung in Ordnung bringen! beschrieben habe. Der Vollständigkeit halber hier noch einmal:

Die internationale Verrechnungseinheit Mundi

- Die europäische Gemeinschaftswährung Euro ist gescheitert. Es war schon bei der Einführung des Euro absehbar, dass die großen Unterschiede zwischen den europäischen Volkswirtschaften zu erheblichen Ungleichgewichten führen werden. Als internationale Verrechnungseinheit wird die Währung Mundi eingeführt. Die Länder der Eurozone kehren zu ihren nationalen Währungen (gegliedert in N und Ü) zurück, um schwächeren Volkswirtschaften die Möglichkeit zur Abwertung ihrer nationalen Währung zu geben, damit deren Konkurrenzfähigkeit stabilisiert wird. Die Wechselkurse der nationalen Währungen zum Mundi bleiben frei. Das Eurosystem wird demnach aufgelöst, Guthaben und Schulden der Länder werden in das neue Mundi-System überführt.

- Die Deckung des Mundi erfolgt durch die 50 bedeutendsten Rohstoffe der Weltwirtschaft.

- Die Stabilität der Währung wird garantiert durch die Rohstoffvorräte, die in den einzelnen Ländern vorhanden sind.

- Die Kosten der Lagerhaltung der Rohstoffe werden den Guthabenhaltern von Mundi-konten anteilsmäßig als prozentuelle Kosten berechnet und stellen den Umlauf von Waren und Geld sicher.

- Der Guthabensaldo aus Außenhandelsüberschüssen auf Mundi-Konten darf eine bestimmte Höhe, die abhängig ist vom prozentualen Anteil des Landes an der Weltwirtschaft - innerhalb einer Frist von einem Jahr nicht überschreiten. Wird gegen diese Regel verstoßen, werden Überschüsse abgeschöpft und anteilsmäßig an die Defizitländer ausgeschüttet.   

- Das Mundi-System ermöglicht eine Weltwirtschaft im Gleichgewicht, ohne dass bedeutende, langfristige Leistungsbilanzdefizite entstehen können. Handelsbilanzüberschüsse, die eine bestimmte Höhe langfristig (länger als ein Jahr) überschreiten, werden besteuert und es erfolgt ein Ausgleich an die Defizitländer. Einerseits bleibt durch die Einführung der Verrechungseinheit Mundi der Wettbewerbsdruck unter den Ländern bestehen, andererseits bestehen Ober- und Untergrenzen für Handelsbilanzüberschüsse und -defizite.

Liebe Leser,

über zahlreiche Kommentare und Anregungen zum meinem – zugegeben utopischen –

Gedankenkonstrukt „Monetärer Trialismus“ würde ich mich sehr freuen. Ich habe diesen Artikel so kurz und knapp wie möglich gehalten, werde aber gerne auf Einwände und Kritik umfassend eingehen.

Herzliche Grüße

Helmut Reinhardt

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