Der letzte Teil dieser Reihe beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Auswirkungen durch Kauf und Verkauf von Staatsanleihen durch Banken und Nichtbanken.

Fortsetzung von:

Die Staatsanleihe – ein ganz besonderes Konstrukt Entstehen, Wirkung, Verwendung und Vergehen (Teil 1) (Helmut Reinhardt)

Die Staatsanleihe – ein ganz besonderes Konstrukt Entstehen, Wirkung, Verwendung und Vergehen (Teil 2) (Helmut Reinhardt)

Kauf und Verkauf von Staatsanleihen durch Nichtbanken

Nichtbanken sind natürliche Personen, Unternehmungen oder institutionelle Anleger, wie beispielsweise Lebensversicherungen, Pensionsfonds, Hedgefonds, etc. Erwirbt eine Nichtbank eine Staatsanleihe, ist es von Bedeutung, wer der Verkäufer der Anleihe ist.

Zentralbanken der Europäischen Währungsunion dürfen seit der 2.Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion, die am 01.01.1994 in Kraft getreten ist, keine Staatsanleihen direkt von Staaten erwerben. Auch wenn im Rahmen der Quantitativen Lockerung Staatsanleihen am Zweitmarkt durch die EZB aufgekauft werden, hat diese Vorschrift weiterhin Bestand. Natürlich wird sich im weiteren Verlauf der weltweiten Krise des Finanzsystems die Frage stellen, wann auch diese Vorschrift den natürlichen Weg aller papierenen Erzeugnisse geht und zur Makulatur wird.

In diesem Zusammenhang sei am Rande erwähnenswert, dass man in Irland und Portugal bereits begonnen hat, durch die nationalen (!) Notenbanken, - und nicht etwa durch die EZB – maroden Banken gegen Hinterlegung von „Wert-“papieren als „Sicherheit“ Zentralbankgeld zur Verfügung zu stellen. Wahrscheinlich wählt man den Weg über die nationalen Notenbanken, da es sich bei den sogenannten „Sicherheiten“ vermutlich mehr oder weniger um „Unsicherheiten“ handelt, die die EZB nicht akzeptieren würde.

Die EZB-Notenbanker reagieren übrigens äußerst reserviert auf diese Aktion und hängen den Vorgang gar nicht erst an die große Glocke, wie die Süddeutsche in einem Artikel vom 7. Februar 2011 schreibt: http://www.sueddeutsche.de/geld/euro-krise-irland-und-portual-frisches-geld-fuer-marode-banken-1.1056681

Doch das nur nebenbei, - kommen wir zurück zu den monetären Vorgängen rund um die Staatsanleihen und betrachten nun die verschiedenen Vorgänge.

Verkauf einer Staatsanleihe an eine Nichtbank

Dieser Vorgang entspricht dem Verkauf eines Vermögenswertes durch eine Bank mit der Folge, dass sich die Geldmenge M1 reduziert. Die Bezahlung erfolgt durch Giralgeld, das sich um den Kaufbetrag reduziert. Die Bilanzdarstellung macht es deutlich: Dargestellt ist der bilanzielle Zustand vor und nach dem Verkauf.

Abb. 1: Kauf einer Staatsanleihe durch eine Nichtbank von einer Bank

Die Tilgung der Staatsanleihe kann erst erfolgen, wenn eine Geschäftsbank die Staatsanleihe von der Nichtbank zurückkauft. In diesem Fall kauft die Bank einen Vermögenswert (in diesem Fall eine Staatsanleihe) an und bezahlt mit der Einbuchung von Giralgeld (Erhöhung der Geldmenge M1).

Kauf einer Staatsanleihe durch eine Nichtbank von einer Nichtbank

In diesem Fall wechselt Giralgeld den Besitzer. Es hat keine Wirkung auf die Geldmengen oder auf die Zusammensetzung einer Bankbilanz:

Abb. 2: Kauf einer Staatsanleihe durch eine Nichtbank von einer Nichtbank

Wichtig hierbei: Beim Kauf einer Staatsanleihe durch eine Nichtbank von einer Nichtbank erhält der Staat kein zusätzliches Geld, bzw. wurde dem Staat kein Geld geliehen. Der Staat erhält immer nur einmal Geld, nämlich von den Bieterbanken bei der Auktion einer Neuanleihe.

Unternehmensanleihen

Erwerben Nichtbanken Unternehmensanleihen wird tatsächlich Geld verliehen. Erfolgt der Kauf der Anleihe jedoch durch eine Bank, entsteht Geld. Im Gegensatz zum Staat, der nur an den Kreis der Bieterbanken verkaufen darf, dürfen Unternehmen Anleihen auch Nichtbanken anbieten. Nichtbanken bezahlen mit Geld, das bereits existiert; die Bezahlung erfolgt durch eine Überweisung von einem Girokonto auf das entsprechende Girokonto des anleiheausstellenden Unternehmens.

Bei Kauf einer Unternehmensanleihe durch eine Bank entsteht neues Giralgeld. Es handelt sich hierbei um den Vorgang „Ankauf eines Vermögenswerts“. Die Bank nimmt die Anleihen als Wertpapier in die Bilanz auf und bezahlt mit der Buchung von Giralgeld.

Zum Ende der Laufzeit von Unternehmensanleihen wird das Geld zurückbezahlt. Das Unternehmen überweist den Betrag auf das Konto der Nichtbanken. War eine Bank der Halter der Anleihe, wird ein Betrag vom Unternehmenskonto ausgebucht: Giralgeld verschwindet und wird zeitgleich vernichtet. Zum gleichen Zeitpunkt entfernt die Bank das Wertpapier aus ihrem Vermögen.

Erwirbt eine Bank eine Unternehmensanleihe, muss die Bank nach den Bankenregeln von Basel eine Eigenkapitalreservierung vornehmen und für das gleichzeitig erschaffene Giralgeld eine Mindestreserve nachweisen. Der Unterschied zu einem Unternehmenskredit liegt in den Vermögenswerten einer Bank, statt einer Kreditforderung hält die Bank ein Wertpapier.

Die Verlängerung von Staatsanleihen

Die Tilgung einer Staatsanleihe erfolgt zum Ablaufdatum mit der Emission einer Anschlussanleihe. Der Halter einer Anleihe erhält zum Zahlungszeitpunkt Giralgeld, das vom Staat überwiesen wird. Der Staat hat das Geld letztendlich aus den Auktionen der neuen Anleihen erhalten. Der Geldhalter kann mit dem Geld sofort wieder ein Anleihe erwerben, mit der Folge, dass durch den Kauf der Anleihe dem Wirtschaftskreislauf Giralgeld entzogen wird. (siehe Abb. 1) Ein direkter Austausch der abgelaufenen Anleihe durch eine neue hätte das gleiche Ergebnis.

Staatsanleihen und somit Staatsschulden können systembedingt nicht getilgt werden, da sie im heutigen Geldsystem die wichtigste Quelle neuen Geldes sind. Wollte man tatsächlich weltweit alle Schulden tilgen, würde zeitgleich mit dem Schuldenabbau unser Geld verschwinden. Eine stark deflationäre Entwicklung würde einsetzen, die zwangsläufig in einem wirtschaftlichen Zusammenbruch ihr Ende finden würde. Aus diesem Grunde gibt es keine andere Möglichkeit, als dass alte Schulden mit neuen Schulden getilgt werden. Gleichzeitig ist eine höhere Neuverschuldung erforderlich, um den Geldentzug durch langfristig gesparte Neuvermögen auszugleichen.

Wann die Grenze und das Ende dieses Schneeballsystems erreicht sein wird, bleibt abzuwarten. Ein jeder Bürger sollte sich jedoch darüber klar sein, dass unser Geldsystem eine Halbwertzeit aufweist. Für den Ablauf des System-Endes und eine Entschuldung gibt es recht wenige Möglichkeiten:

1. Inflationierung und Hyperinflation durch eine direkte Geldversorgung der Staaten durch die Notenbanken und Weitergabe und Ausschüttung des Geldes an die Bürger über Transferleistungen, höhere Löhne, massive Steuersenkungen, etc.

2. Ein deflationärer Crash durch zugelassene Staatsbankrotte und in Folge einem Zusammenbruch des weltweiten Finanz- und Bankensystems (Gleichzeitige Vernichtung von Vermögen und Schulden = „Schuldenneuverhandlung“).

3. Ein großer Krieg mit ungewissem Ausgang.

Beitrag drucken