Wie muss man das bewerten?

Die Commerzbank hat im August/September 2008 die Übernahme der Dresdner Bank von der Allianz vereinbart. Zu diesem Zeitpunkt waren die Abschreibungsprobleme schon voll am Laufen, Lehman war bereits pleite und BearStearns von de Bildfläche verschwunden. Niemand kann also sagen „Das konnte man doch nicht ahnen!“.

Die Commerzbank wird die Bücher der Dresdner Bank ja wohl bis ins Detail geprüft haben. Bei Geschäften dieser Größenordnung darf man das ja wohl erwarten.

Wenn man dann gerade mal 4 Monate später von plötzlichen und unerwarteten Abschreibungen eben dieser Dresdner Bank dermaßen überrascht ist, dass nur noch ein Husarenritt der Bundesregierung mit einer teilweisen Verstaatlichung und der Bereitstellung von insgesamt 18,2 Milliarden Euro die größte Katastrophe verhindern kann, müssen Fragen gestellt werden.

Lagen die Experten der Banken mit Ihren Einschätzungen der Situation selbst im September 2008 noch immer so daneben, dass Sie die unübersehbare katastrophale Entwicklung nicht erkannten?  Das ist die einzige logische Erklärung. Jede andere würde bereits die Frage nach Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz aufwerfen und das will wohl niemand unterstellen.

Wenn die Strategen der Banken die Situation aber selbst hier noch nicht erkannten, was lässt das dann für die weitere Entwicklung erwarten? Das lässt vermuten, dass unser Bankensystem im Moment mit Vollgas im strömenden Regen unterwegs ist. Es empfiehlt sich dringenst nicht nur vom Gas zu gehen, sondern endlich den Scheibenwischer einzuschalten um einen klaren Blick auf vor uns liegende Strecke zu bekommen.

Wie soll man Zukunftslösungen finden, wenn man noch nicht mal die aktuelle Lage richtig erkennt?

Das Bundesfinanzministerium sagt:

"Die Bereitschaft der SoFFin, die Commerzbank mit zusätzlichem Eigenkapital zu stärken, und die vorgesehene Beteiligung des Bundes mit 25% plus eine Aktie sind ein starkes Signal für eine starke Commerzbank“

Der Bund versteht seine Beteiligung nicht als "Teilverstaatlichung, sondern als Wahrnehmung unserer Verantwortung für einen der großen deutschen Akteure am Finanzmarkt".

Wie bitte? Die Teilverstaatlichung ist gar keine!?  Die Commerzbank hatte keine Probleme, es ist ein starkes Zeichen für eine starke Commerzbank!?

Jetzt schlägts dreizehn! Es sind große Fehler passiert. Jeder macht Fehler, was solls. Stellt Euch hin und sagt den Leuten endlich die Wahrheit!

Und ein solches Statement könnte so aussehen:

„Wir haben in der Vergangenheit grobe Fehler gemacht, wie alle. Die Situation haben wir auch in den Monaten danach nicht korrekt eingeschätzt. Der Staat kommt seiner Verantwortung für das Gemeinwesen nach und verhindert Schlimmeres. Hierzu stellt der Staat mehr als die Hälfte des Eigenkapitals der Commerzbank zur Verfügung (18,2 Milliarden Staatseinlage bei 30 Milliarden Eigenkapital). Für den größten Teil davon wird die Commerzbank dem Staat jährlich 9% Zinsen bezahlen, so dass der Steuerzahler eine ordentliche Verzinsung für sein Risiko erhält. Den Aktionären wird ihr Anteil durch die neuen Aktien des Staates verwässert und die Dividende wird auf absehbare Zeit ausfallen. Wie die Commerzbank in dem schwierigen Umfeld in den nächsten Jahren diese Zinsen und die Rückzahlung der Einlagen bewerkstelligen will wissen wir noch nicht, aber wir hoffen das Beste. Der Staat hat aber die Chance, wenn die Horrorphase irgendwann endet und die Kurse wieder steigen, seine Commerzbank-Aktien mit gutem Gewinn zu verkaufen, vorausgesetzt die Bank macht nicht vorher den „Lehman“.“

Aber statt dessen hören wir mal wieder Weichgespültes und sehen Nebelkerzen.

Wie es weitergeht?

Herr Ackermann hat bereits im Dezember angekündigt, dass die deutschen Banken vermutlich noch dreistellige Milliardenbeträge abschreiben werden….er wird es genau wissen…

Bislang beruhen die Abschreibungen lediglich auf den Problemen mit US-Anlagen. Jetzt kommt aber langsam die Krise in Deutschland an. Die ersten Unternehmen melden Insolvenz an, hunderttausende (optimistische Schätzung) Arbeitsplätze werden abgebaut. Das sind nicht nur Arbeitsplätze! Das sind Menschen! Menschen mit Kosumentenkrediten für´s Auto. Menschen mit Hauskrediten. Kein Arbeitplatz, keine Kreditrate. Hier drohen die nächsten Abschreibungen in ungeahnter Höhe für die Banken.

Wenn die Banken aber schon jetzt keinen Speck mehr haben um die aktuellen Abschreibungen selbst zu stemmen, wie wollen sie dann die Probleme stemmen, die so offensichtlich wie ein Öltanker in den nächsten Monaten auf sie zukommen!? Der Staat sollte sich schon mal ein paar neue Aktiendepots anlegen.

Es bleibt darüber hinaus abzuwarten, ob in den nächsten Wochen die Bereitschaft der Banken nicht deutlich steigt, sich unter staatliche Obhut zu begeben, wenn erstmal die jährlichen Bonuszahlungen im Januar auf den Konten sind….

Das nächste Projekt ist auch schon in der Pipeline…   beschäftigen Sie sich schon einmal mit dem Begriff „BadBank“ ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Wort noch ganz große Berühmtheit erlangen wird in den nächsten Monaten.

Doch dazu später mehr, sonst wird der Text viel zu lang ;-)

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