Am 26. Juli 2012 sorgte EZB-Chef Mario Draghi mit seiner Garantie, zur Not unbegrenzt Staatsanleihen der Eurozone zu kaufen, für Ruhe im Euro-Karton. Denn um sich keine blutige Nase im Kampf gegen eine fest entschlossene EZB zu holen, haben auch die spekulativsten, Euro-renitentesten Hedge Fonds den Rückzug angetreten. Die Euro-Staatsschuldenkrise war technisch k.o. und Mario Draghi so etwas wie der Friedensnobelpreisträger der Euro-Finanzwelt. In der Folge wurde der Euro zu einem wahren Währungs-Fels von Gibraltar. Kein Wunder, denn im Vergleich zu renditeausgemergelten, konventionellen Anleihen entwickelten sich Hochzinsanleihen der peripheren Euro-Länder bei gleichzeitiger Draghi-scher Übernahme des Ausfallrisikos zu Kronjuwelen im Anleiheuniversum. Und so schnappten internationale Anleger wie beim Sommerschlussverkauf auch gerne zu. Der Euro lief, lief und lief wie einst der VW Käfer in seinen besten Zeiten. Seit diesem historisch bedeutsamen Tag im Sommer 2012 gewann unsere Gemeinschaftswährung gegenüber allen wichtigen Weltwährungen kräftig hinzu.

Der US-Dollar legte von 1,22 auf 1,39 bis Mai 2014 zu. Wohl dem, der in den USA Urlaub machte. Geradezu revolutionär war die Euro-Aufwertung gegenüber einer unserer härtesten Exportkonkurrenzwährungen, dem japanischen Yen: Euroländische bzw. deutsche Maschinen, Autos oder andere Industrieprodukte verteuerten sich im Vergleich bis zu 50 Prozent. Den Abwertungswettlauf zugunsten der Exportwirtschaft schien Japan gewonnen zu haben. In geringerem Ausmaß wertete der Euro ebenso gegenüber dem Schweizer Franken, der Schwedenkrone oder dem südkoreanischen Won auf, auch alles Konkurrenzwährungen auf der globalen Außenhandelsbühne.

Der unkaputtbare Euro machte auch die Exportwirtschaft kaputt

Euroland hatte so etwas wie einen Pyrrhussieg errungen: Euro-Staatsschuldenkrise adé, aber der Euro-Exportwirtschaft tat es weh. Diese Exportschwäche traf auf eine Konjunktur in der Euro-Peripherie, die ohnehin teilweise aus dem letzten Loch pfiff. Denn da dort die Politiker schmerzliche Wirtschaftsreformen aus Gründen ihrer besseren Wiederwählbarkeit partout verhindern wollten, blieben Unternehmensinvestitionen, Arbeitsplätze und Konsum ähnlich aus wie Badegäste im Strandbad bei einem verregneten Sommer.

In dieser Situation sah sich Mario Draghi gezwungen, mit neuerlichen Zinssenkungen und mit ab Oktober einsetzendem, weiter zinsdrückendem Liquiditätsregen in Form von Aufkäufen verbriefter Bankkredite konsequent dagegen zu halten. So wird er spätestens jetzt unfreiwillig zum ultimativen Erfüllungsgehilfen von Euro-Konjunktur und reformfaulen Politikern. Jetzt bekommen Banken noch günstiger Zentralbankgeld, um es schuldenhungrigen Euro-Staaten zum Zweck künstlicher Konjunkturbefruchtung in den Rachen zu werfen. Und die Banken bekommen ebenso Anreize, Kredite an die Privatwirtschaft zu geben, weil sie wissen, dass sie diese an die EZB ähnlich los werden können wie eine schwere Erkältung nach der Behandlung mit Antibiotikum.   

Euro-Abwertung als willkommene Nebenwirkung der geldpolitischen Offensive

Wie die Teflon-Pfanne bei der Raumfahrt ist die Euro-Abwertung ein Abfallprodukt der Geldpolitik der EZB. Somit kann Draghi auch im Abwertungswettlauf zurückschlagen. Und in der Tat, der Euro gibt endlich gegenüber allen anderen Währungen nach. Ok, gegenüber fast allen Währungen, denn das britische Pfund leidet derzeit unter sich eventuell abschottenden Schotten. Insgesamt wird der Euroraum zinsseitig immer unattraktiver: In den USA wird allmählich die Zinswende eingeläutet und der amerikanische Liquiditätspegel wird zumindest nicht mehr gesteigert. Daneben scheint so mancher Nicht-Euro-Anleger der Meinung zu sein, dass die Staatsanleihekurse in der Eurozone mittlerweile so stark ausgelutscht sind, dass sie kaum mehr Potenzial besitzen. Wenden globale Anleger sich also neuen, Euro-fremden Weidegründen zu, kehren sie logischerweise auch dem Euro den Rücken. Und das, was ab Mitte 2012 mit der Gemeinschaftswährung nach oben passierte, funktioniert auch nach unten. Die Euro-Baisse nährt die Euro-Baisse. In der Tat, an den Devisenterminmärkten scheint der Euro ausgespielt zu haben. Dort überwiegen längst die Spekulationen auf weiter fallende Euro-Notierungen gegenüber US-Dollar. Der Überhang an Short-Positionen nähert sich zügig dem Niveau vor dem Euro-Rettungsversprechen Mario Draghis im Juli 2012 an. Es spricht viel dafür, dass der Euro bis Jahresende sogar auf unter 1,25 und 2015 auf 1,15 fällt.

Damit würde aus dem festen Währungs-Fels von Gibraltar zwar noch keine lockere Schaumwaffel. Aber der Exportwirtschaft wäre durchaus geholfen. Natürlich werden vor allem die Japaner nicht tatenlos zuschauen, wie ein sich abschwächender Euro japanischen Exportprodukten das Wasser abgräbt. Sie werden versuchen, ihre Liquiditätskarten auszuspielen. Aber liebe Japaner, aufgepasst! Unser Mario hat gerade erst angefangen, gegen den Euro zu pokern. Aufkäufe von ABS-Papieren in Höhe von diskutierten 500 Mrd. Euro sind nur der Anfang. Da geht noch viel mehr. Seine Liquiditätstrümpfe hat er noch gar nicht ausgespielt. Spielt besser nicht Money Poker gegen Mario. Er ist wild entschlossen, den Euro auch gegen Yen deutlich zu schwächen.

Schwacher Euro - Stark für deutsche Aktien

Und was heißt das jetzt für Aktien? Wird der Euro immer schwächer, wird in den Vorstandsetagen der Exportunternehmen auch immer öfter Selters durch Sekt ersetzt. Das kommt natürlich auch unseren phantastischen drei - den Aktienindices DAX, MDAX und SDAX - zugute. Alles was dem Export hilft, hilft auch deutschen Aktien. Vor diesem Hintergrund wird sich die relative Schwäche deutscher Aktien gegenüber Euro-Süd bald umkehren. Sicherlich würde eine langfristig zumindest stabile Seitenlage im Ukraine-Konflikt eine weitere Raketenstufe für Aktien deutscher Herkunft zünden. Dann wären wir Ende des Jahres bei 10.500 DAX-Punkten.

Überhaupt, Euro- und damit deutsche Anleger haben noch einen Vorteil, wenn sie nicht gerade Urlaub in den USA machen wollen. Wenn sie US- oder Aktien aus Schwellenländern erwerben, kommen sie in den Genuss eines wiedererstarkten US-Dollars, Renminbis, etc. Vor allem seit August zeigen sich in deren Wertentwicklungen die Segnungen eines schwächeren Euros: Neben allgemeinen Kursgewinnen kommt auch noch das leckere Sahnehäubchen Währungsgewinn hinzu.

Verehrte Anlegerinnen und Anleger, die EZB scheut sich nicht davor, auch noch die letzte Tasse des Stabilitätsgeschirrs der Bundesbank zu zerdeppern. Aber immerhin können wir uns mit den Freuden eines abwertenden Euros trösten.