In abendfüllenden Tischgesprächen beschlossen die versammelten Regierungschefs der Eurozone unlängst zahlreiche Maßnahmen. Die Ergebnisse des Treffens sind ein Musterbeispiel der Intransparenz. Schade, denn da man immerhin die Notwendigkeit einer Insolvenz einiger Staaten scheinbar nach drei Jahren verstanden hat, wäre es Zeit für einen großen Schritt gewesen. Mit 34 Beinen allerdings, wer geriete da nicht ins Stolpern.

Beschlossen wurden verschiedene Aktionen. Besonders der Schuldenschnitt Griechenlands stand im Fokus der Berichterstattung nach dem Gipfel. Manche Medien sprachen gar von einem Schnitt der griechischen Verbindlichkeiten im Umfang von 50%. Leider liegt das Resultat einer Zählung bei Tageslicht näher an einem Wert von 30%. Das dürfte ungefähr der Betrag sein, der allein in der Zeit seit dem ersten Rettungsplausch an neuen Schulden aufgelaufen ist. Nicht einmal diese Summe steht fest, denn durch die unsägliche Konstruktion als „freiwilligen Schuldenerlass“ kann niemand sagen, welcher Betrag schlussendlich aus dem Schuldenregister gestrichen werden kann.

Mittlerweile diskutiert man in Banken übrigens erneut, ob man nicht für Kurse unter 50% die kurzlaufenden Papiere Griechenlands kaufen sollte. Natürlich nicht, um sie sofort für schlappe 50% abzugeben, sondern in der Hoffnung auf eine Rückzahlung zu Beginn des nächsten Jahres. Zu pari, was einer Verdoppelung plus Zinseinkünften entspräche. Man probiert offenbar gerne die gleichen Ideen selbst dann ein zweites Mal aus, wenn der erste Versuch kolossal gescheitert ist. Das kommt bei  zusammengeschusterten Lösungsversuchen heraus. Benötigt werden nicht markige Worte vom sonnigen Europa und der grenzüberschreitenden Solidarität. Gefordert sind klare Lösungen, nicht offenbar in ebenso großer Hektik wie Unkenntnis beschlossene Irrungen.

Abseits der Aktienmärkte hielt sich die Euphorie an den Märkten trotz eines durchaus bemerkenswerten Einatmens an die üblichen Grenzen des Irrsinns. Da die strukturellen Probleme ungelöst blieben, kann von einer baldigen Wiederkehr der altbekannten Schwierigkeiten ausgegangen werden. Die skurrile Note darf dabei nicht fehlen. Wer hätte jemals gedacht, dass es einmal einen Schuldenschnitt gibt, und ein Land danach eine Verschuldungsquote von etwa 100% des Bruttoinlandsproduktes aufweist. Die Eurozone macht‘s möglich.

Selbst bei den bereits ausstehenden Anleihen des EFSF liegt einiges im Argen. Weitgehend unbeachtet nimmt der Risikoaufschlag im Vergleich zu Bundesanleihen munter zu. Großes Vertrauen verspürt die umworbene Klientel potenzieller Anleihekäufer bisher offenbar nicht. Hier die Risiko-Aufschlähe dieser viel umworbenen Anleihen des EFSF-Rettungsschirms. Nanu?

Der Aufschlag eines fünfjährigen EFSF-Papiers gegenüber Bundeswertpapieren mit gleicher Laufzeit hat seit Jahresbeginn auf über das Dreifache zugelegt. Derzeit müsste das europäische Stützungsvehikel bei einer Neuemission in diesem Laufzeitsegment rund 1,5% höhere Zinsen zahlen als der Bund. Das klingt wenig, aber das deutsche Schatzamt zahlt aktuell lediglich 1,3%. Das Vehikel der Eurozone muss also mehr als doppelt so viel wie die BRD auf den Tresen legen, um sich Geld zu leihen.

Da macht die Refinanzierung Freude. Zu allem Ungemach sollte sich auch die überfällige Herabstufung Frankreichs nicht mehr lange bitten lassen. Sie wäre jedenfalls nachvollziehbarer als das geltende AAA-Rating, eine Eigenschaft, die die Beurteilung der Kreditwürdigkeit Frankreichs mit anderen Top-Einstufungen teilt.

Was geschieht im Nachgang mit dem EFSF? Das Vehikel würde spätestens nach einer solchen Aktion kaum noch ernstgenommen werden, geschweige den funktionieren. Der Gedanke, die BRD könnte versuchen, als alleiniger Garantiegeber aufzutreten, hat eher Unterhaltungswert. Wem mag die Politik danach die Schuld für die in Dekaden angehäuften Staatsschulden in die Schuhe schieben? Besonderst bedrückend dürfte jedoch die Einsicht sein, mit dem EFSF ein von Beginn an über den Markt nicht finanzierbares Konstrukt geschaffen zu haben, das plötzlich nicht mehr Teil der Lösung, sondern Teil des Problems ist.

© Bankhaus Rott

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