Der wirtschaftliche Niedergang im stationären Einzelhandel der Vereinigten Staaten zieht Folgen nach sich. Nachdem das produzierende Gewerbe in den USA laut offizieller Arbeitsmarktstatistik des Bureau of Labor Service (BLS) auf monatlicher Basis kaum noch neue Arbeitsplätze schafft (laut jüngstem Arbeitsmarktbericht des BLS gerade einmal rund 1.000 Stellen im Monat Juni), wird es in absehbarer Zukunft wohl auch zu einem dramatischen Abbau von Stellen in dem für das Land mittlerweile so wichtigen Dienstleistungssektor kommen.

Teilzeitarbeit und Niedriglohn – doch der Umbruch geht noch weiter

Dass in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr ehedem hoch produktive Jobs in bis dahin gut bezahlten Branchen ins überseeische Ausland ausgelagert wurden, ist nur eine Seite der Medaille. Die voll im Gang befindliche Revolution in der Automatisierung und Roboterisierung der meisten Wirtschaftsbereiche (Industrie 4.0), trifft nun auch mit voller Wucht den Dienstleistungssektor.

Für den amerikanischen Arbeitsmarkt, der ohnehin bereits seit vielen Jahren schwer unter einer Umwandlung von ehemaligen Vollzeit- in Teilzeitarbeitsplätze sowie in Jobs im niederen Lohnsektor leidet, wird diese Entwicklung mit weiteren Umbrüchen einhergehen, die mit Blick auf die Zukunft zu einem anhaltenden sozialen Unfrieden in der Gesellschaft beitragen könnten.

Automatisierung und Filialschließungen

Denn knapp 16 Millionen aller durch Amerikas Arbeitgeber außerhalb des Landwirtschaftssektors zur Verfügung gestellten Arbeitsplätze finden sich trotz massiven Schließungswellen noch immer im Einzelhandelssektor des Landes. Damit hat dieser Bereich einen Anteil von 11,1% an allen im Land zur Verfügung gestellten Arbeitsplätzen inne.

Einerseits wird der stationäre Einzelhandel in den USA durch die rasante Entwicklung im E-Commerce unter Druck gesetzt. Andererseits hatten viele Filialketten in den Jahren vor Ausbruch der globalen Finanzkrise ihre Geschäftsaktivitäten in einer Art und Weise expandiert, die den meisten Anbietern nun mit Verve auf die Füße fällt.

Hieß das Motto zum damaligen Zeitpunkt „Wachsen und Expandieren um jeden Preis“, so kann davon heute längst keine Rede mehr sein. Ein in diesem Zuge mit massiven Überkapazitäten übersättigter Wirtschaftssektor wurde im Laufe der letzten Jahre von diesem Expansionsdrang, der weitläufig unter beständiger Neuschuldenaufnahme stattfand, eingeholt und überrollt.

Allein seit Beginn dieses Jahres hat Amerikas Einzelhandelssektor mehr als 70.000 Arbeitsplätze abgebaut.  Einerseits liefert die anhaltende Filialschließungswelle in den USA einen großen Beitrag zu dieser Entwicklung. Auf der anderen Seite hat der stationäre Einzelhandel längst damit begonnen, selbst einfache Arbeitstätigkeiten zu automatisieren.

Offiziell soll der Kundenservice ausgebaut werden…

Diese Aktivitäten gehen schon lange über das Angebot von Selbstzahlkassensystemen für die Kunden hinaus.  Auch in den Back Offices großer Einzelhändler wie Wal-Mart oder Home Depot kommt es zum vermehrten Einsatz von Maschinen und Softwaresystemen zur Gestaltung und Organisation des Tagesablaufs.

Bezahlte beispielsweise Wal-Mart den eigenen Mitarbeitern noch vor Kurzem rund $13,50 pro Stunde, um das in den Kassen befindliche Geld zu zählen, und Münzen von Banknoten zu trennen, so wird diese Tätigkeit mittlerweile ebenfalls durch Maschinen ausgeführt. Digitale Systeme vernetzen große Einzelhändler heutzutage direkt mit den Hausbanken, um Geld transportlos auf Bankkonten zu deponieren.

Mit Blick auf die absehbare Zukunft müssen sich Arbeitnehmer in Amerikas Einzelhandel verstärkt auf die Übernahme ihrer Tätigkeiten durch Technologiesysteme einstellen.  Insbesondere jene Beschäftigten, die im Zuge des anhaltenden Umbruchs an den amerikanischen Arbeitsmärkten in den vergangenen Jahren in Teilzeit arbeiteten, werden sich Gedanken über ihre Jobsicherheit machen müssen.  

Offiziell heißt es unter großen Einzelhändlern wie Home Depot, dass die eigens betriebenen Filialen simplifiziert und kundenfreundlicher gemacht werden sollen. Die bislang in den Filialen mit anderen Tätigkeiten Beschäftigten sollten sich in der Zukunft viel stärker in der Kundenbetreuung und im Verkauf engagieren. Doch wer´s glaubt.

Knapp die Hälfte aller Jobs gefährdet

Aktuelle Forschungsstudien kommen zu dem Schluss, dass in Amerikas stationärem Einzelhandel momentan der Erhalt von 6 bis 7,5 Millionen Arbeitsplätzen auf der Kippe steht. Die meisten aller zu diesem Thema angestellten Analysen gelangen zu dem demselben Fazit, laut dem eine mit rasanter Geschwindigkeit voranschreitende Automatisierung im Einzelhandel zum größten Jobvernichter im gesamten Sektor zu werden droht.

Eine im Monat Mai publizierte Studie der Cornerstone Capital Group kam aus dem Blickwinkel der Arbeitnehmer zu einem noch weitaus verheerenderen Ergebnis. Danach würden in den nächsten Jahren bis zu 47% der rund 16 Millionen Jobs im amerikanischen Einzelhandel einer anhaltenden Automatisierung zum Opfer fallen.