Im Zuge des Brexit-Votums und der „großen Krise“ lassen sich plötzlich eine ganze Menge Dinge über die Medien lancieren, vor denen das Establishment bislang zurückgeschreckt ist. Beispiele gibt es dafür viele.

Allen voran kamen die Europäische Union sowie Frankreichs und Deutschlands Regierungen aus der Deckung, um bekannt zu geben, dass der Brexit im Sinne einer sich beschleunigenden Integration innerhalb der verbleibenden 27 EU-Staaten genutzt werden solle.

Übersetzt heißt das, dass es zur Schaffung eines europäischen Superstaats kommen soll, in dem es keine Nationalstaaten und Grenzen mehr geben wird. Mein Fazit: Die Kommissare um Herrn Juncker & Co. haben den in U.K. ertönenden Schuss augenscheinlich überhört.

EU-Reform: Wird Chance abermals vertan?

Anstatt die sich jetzt bietende Chance zu nutzen, um das „Projekt EU“ von Grund auf zu reformieren, dessen Führungspersonal auszuwechseln und die sich in vielen Nationalstaaten forcierenden Zentrifugalkräfte ernst zu nehmen, wird ein Volksvotum abermals mit Füßen getreten.

Vernünftig wäre es, nach dem Brexit-Votum nun auch Volksabstimmungen in allen anderen EU-Staaten abhalten zu lassen, um sich überhaupt einmal darüber ins Bild zu setzen, welche Bevölkerungen tatsächlich in der EU verbleiben wollen und welche nicht.

Während sich die Fliehkräfte innerhalb der EU massiv beschleunigen, fällt roten Brüsseler Kommissaren jedoch wieder einmal nichts Besseres ein, als die Gunst der Stunde zu nutzen, um dem Kontinent über den Kopf von Hunderten von Millionen Europäern hinweg deren Vision eines Superstaats aufzudrücken.

Neuer Super-Bailout für Italiens Banken

Vielleicht verstehen Sie nun, warum Brüssel von derart vielen Menschen abgelehnt wird?! Bei diesen Damen und Herren handelt es sich gewiss nicht um lupenreine „Demokraten“, sondern vielmehr um Diktatoren, die frei nach dem Gusto der ehemaligen DDR der Ansicht zu sein scheinen, dass die verheißungsvollste Zukunft für unseren gesamten Kontinent in der Schaffung eines Überwachungsstaats – der mit zentralplanerischer Vetternwirtschaft einher geht – liegen soll.

Wie dem auch sei, diese Dinge zeichneten sich lange schon ab. Lange zeichnete sich auch bereits ab, dass Italiens Banken einem erneuten Kollaps entgegenblicken würden. Ich hatte Sie seit Herbst letzten Jahres über diese Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten.

Da eignet sich der Brexit-Trubel – so er denn überhaupt kommt – doch formidabel dazu, um ein weiteres Mal EU-Recht zu brechen, indem Italiens Regierung seitens der EU-Kommission die Erlaubnis erteilt wird, seinen bankrotten Banken einen weiteren Super-Bailout zu leisten.

Bail-In-Regeln außer Kraft: Der nächste schwere Vertragsbruch

Wie verhält es sich mit den seit Jahresbeginn im EU-Raum gültigen Bail-in-Regularien? Sie gehen bereits die Toilette hinunter! Wozu werden solche Gesetze überhaupt gemacht? Wenn sich im Ernstfall so oder so niemand daran hält? In Brüssel wird nur auf Ereignisse, die sich mit einer immer höheren Geschwindigkeit beschleunigen, reagiert.

Wollen Sie im Ernst behaupten, dass sich Brüssel als „Regierung“ bezeichnen lässt? Nein, gewiss nicht. Vielmehr zeigt sich, dass der Brüsseler Club weiterhin auf die Agitationen an den Finanzmärkten reagiert, und sich von diesen „Märkten“ vor sich hertreiben lässt. Was heute gültig ist, kann morgen schon wieder verworfen und Geschichte sein.

Das Fazit lautet: Die EU-Staaten sind zu Bananenrepubliken verkommen, weil es a) weder Rechtssicherheit beziehungsweise Rechtsstaatlichkeit auf dem Kontinent gibt und b) es sich viele Investoren zweimal überlegen werden, ob sie in einem solchen Umfeld noch so verrückt sein wollen, in Europa langfristig zu investieren.

Ausbleibende Zinsanhebungen: Brexit als angenehme Ausrede

Nichts schadet dem Investitionsklima so sehr wie Unsicherheit. Kommen wir zu den Noten- und Zentralbanken. Selbst der Fed dient der Brexit nun als angenehme Ausrede, um dem Geschwätz von weiteren Zinsanhebungen in den USA in diesem Jahr ein Ende zu bereiten.

Dies wäre im aktuellen Weltwirtschaftsumfeld so oder so nicht geschehen, werte Leser. Die Bank of England schreibt sich auf die Fahnen, abermals das eigene Land retten zu müssen. Resultat ist, dass die BoE laut eigener Aussage wohl nicht nur bald ihren Leitzins in Richtung 0% senken, sondern unter Umständen auch wieder ein eigenes QE-Programm auflegen wird.

Nimmt ein Kollaps von den Devisenmärkten her seinen Anfang?

Negativzinsen, Nullzinsen und QE wohin das Auge in der Welt auch blickt. Wirtschaftsseitig wird der Kollaps daher nicht von den Bond- und Aktienmärkten, sondern von den Devisen- und Währungsmärkten ausgehen. Wie lange es im Angesicht von kompetitiven Abwertungen und der sich forcierenden „Beggar-thy-neighbour“ Politik noch dauern wird, vermag ich nicht zu sagen.

Doch erste Indizien für einen Schock an den internationalen Währungsmärkten gibt es bereits. Blicken Sie dazu nur in die Schwellenländer – allen voran Brasilien und Venezuela. Egal, ob Pfund, Euro oder Dollar. Wenn es den ersten Industrieländerwirtschaftsraum erwischt, werden sich die Dinge nochmals immens beschleunigen.

Vertrauen und Kontrolle sind die Stichworte der Stunde – zwei wesentliche Aspekte, die sich in diesen brisanten Tagen auf dem absteigenden Ast befinden!