Nach der wohlbekannten Subprime-Krise am US-amerikanischen Häusermarkt steht Europa nun auch vor dem Problem, dass faule Kredite auszufallen und dadurch eine verheerende Kettenreaktion nach sich zu ziehen drohen. Allerdings geht es hierbei nicht um Spekulationsgeschäfte mit Immobilien, wie es in den Vereinigten Staaten von Amerika der Fall war. Nein, die Rede ist von den Milliardenkrediten, die westeuropäischen Länder den osteuropäischen Staaten zur Verfügung gestellt haben.

Nach dem beinahe Staatsbankrott Irlands und den beängstigenden Entwicklungen auf den Anleihemärkten Griechenlands, Spaniens oder Italiens sollte man die osteuropäischen Beitrittländer nicht vergessen. Hier tickt nämlich eine gewaltige Zeitbombe mit immenser Sprengkraft.

Den EU-Beitrittländern der Jahre 2004 und 2007 setzt die weltweite Rezession unglaublich stark zu. Die Binnennachfrage ist zu schwach, auf Export kann heutzutage sowieso kein Land mehr zählen. Da ist es kein Wunder, dass Ungarn, Tschechien, Polen und Co. gewaltig in die Krise trudeln. Gerade gestern hat Frank Meyer einen sehr interessanten Artikel über die Ukraine geschrieben.

Bei dem Gedanken eines Staatsbankrotts in Osteuropa zittern aktuell vor allem österreichische Banker. Diese haben nämlich bis zu 70 Prozent osteuropäischer Papiere in ihren Bilanzen. Ich frage mich, was das mit Risikostreuung und Diversifikation zu tun hat. Eines ist klar, wenn die Staatsfinanzen Osteuropas zusammenbrechen, dann gehört der österreichische Bankensektor der Geschichte an. Das wird der Beginn einer unvorstellbaren Kettenreaktion.

Aber auch Banken in Schweden, Griechenland, Italien und Belgien sind mit hohen Anteilen Gläubiger des ehemaligen Eastern-Europe-Wachstumswunders. Es gibt also genügend Multiplikatoreffekte für die Kettenreaktion.

Verschlimmert wird die gesamte Situation von einer gewaltigen Kapitalflucht aus Osteuropa. Wer möchte in der aktuellen Situation schon osteuropäische Aktien haben? (Wer möchte überhaupt Aktien haben?) Osteuropäische Anleihen gehören nun auch nicht mehr zu den bevorzugten Anlageinstrumenten.

Die Kapitalflucht hinterlässt deutliche Spuren in den Währungen der ehemaligen Beitrittländer. Mit erschreckend hohen Raten werten diese ab. Es fehlt den Staaten das, was sie nun eigentlich am meisten benötigen würden: Kapital.

Der Internationale Währungsfonds wird die nötigen finanziellen Mittel wohl kaum alleine stemmen können. Da wird noch ein gewaltiger Brocken auf die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und andere EU-Mitgliedsstaaten zukommen. Hoffentlich haben die bis dahin nicht schon ihr gesamtes Pulver verschossen.

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