Es gibt Unternehmen, ja sogar ganze Branchen, denen der Makel des Bösen anhaftet: Waffenhersteller, Drogenhändler, Umweltzerstörer, Ausbeuter von billigen Arbeitskräften und Privatsphärenmissachter. Geradezu lieb sind dabei noch Unternehmen, die es sich angewöhnt haben, hier und da ein bisschen zu schummeln. Die nicht nur die staatlichen Aufsichtsbehörden, sondern auch ihre eigenen Kunden, Menschen wie sie und ich es sind, an der Nase herum führen.

VW ist ja ein Engel unter den Vielen, die weniger aufschäumend besprochen werden. Was war mit Nestle, das in Drittweltländern für Milchpulver warb, das ahnungslose Mütter daraufhin immer wieder ihren Babys verabreichten. - Vermischt mit dem unsauberen Wasser ihrer Umgebung, anstatt sie zu stillen, was ihr Leben gerettet hätte? Was ist mit Nike, das seine Schuhe von unterprivilegierten Kindern billig zusammennähen lässt um sie hier teuer als "Marken" zu verkaufen. Was ist mit Shell, dessen Ölförderung Biotope vernichtet? Was ist mit E.on, das Atommüll produziert, der für Jahrtausende stahlt?

Und was ist mit uns, die wir T-Shirts tragen, Schokolade essen, Auto fahren? Unsere Textilien werden zum Großteil unter ausbeuterischen Bedingungen in China oder anderen, noch billigeren Ländern mit noch geringeren Standards produziert.  Sind es immer gut verdienende Erwachsene, die den Kakao an der Elfenbeinküste abbauen? Oder sind es Kinder, denen man das nötigste zum Überleben gibt? Kommt die Tasse Kaffee mit den Zuckerstückchen vom Biobauer um die Eck oder aus Wer-weiss-wo-Plantagen, auf denen Arbeitsbedingungen herrschen, für die wir uns gar nicht weiter interessieren?

Was ist "böse"? Was ist "gut"?

Lassen sie uns weiterfragen: Kommt das Benzin für unser Auto, unseren Bus, unser Flugzeug immer aus fair gehandelten und nachwachsenden Bio-Blumen, die eine Schweizer Bäuerin einzeln gepflückt hat, nachdem ihre buddhistische Morgenmeditation sie so achtsam gemacht hat, dass sie keinen Wurm dabei verletzen musste? - Verzeihen Sie, dass ich so überspitzt frage. - In der heilen Welt gibt es gut und böse. Die Guten, das sind wir, und die Bösen, das sind die auf der anderen Seite.    

Beschäftigen wir uns ein bisschen mit diesen Bösen, auf der anderen Seite. Fangen wir mit dem Schlimmsten an: mit Waffen. Da gibt es Firmen wie Lockheed, Rheinmetall, Bombardier, die Waffen produzieren, mit denen Menschen getötet werden. Aber Saint-Exupery, der Autor des „Kleinen Prinzen“ flog mit einer Lockheed… Als er gegen die Nazis aufklärte, die Frankreich besetzt hatten. Gegen die, die seine Freunde gefangen nehmen ließen. Die seine Heimat in eine barbarische Hölle verwandeln wollten, in der Menschen wegen ihrer Abstammung getötet wurden. Irgendwas musste er tun. Und dafür brauchte er ein Werkzeug. Ist der Werkzeughersteller, der ihm dies durch seine Arbeit ermöglicht, böse?

Ist es gut, wenn auf der Welt Kriege deswegen zustande kommen, weil sich eine Verflechtung aus Waffenindustrie und Politik ergeben hat? Müssen Waffenhersteller nicht von verantwortlichen Börsianern gemieden werden wie Weihwasser vom Teufel?

Wie weit darf die Definition von "böse" gehen?

Was ist mit den Zulieferern von Waffenbauern? Müssten nicht auch sie boykottiert werden, die doch die Waffenbauer mit Materialien für ihre schändlichen Produktionen beliefern? Ohne die Zulieferer könnten die Waffenbauer ihre Waffen nicht bauen. Lockheed nutzt Speicher von Netapp. Muss Netapp boykottiert werden, weil es Lockheed beliefert?

Auch Drogengeschäfte sind nicht gerade eine selige Bewirtschaftung unseres Planeten. Wie viele Menschen haben sich zu Tode gesoffen, zu Tode geraucht oder zu Tode gefahren, weil sie Alkohol getrunken hatten? Sind deshalb die Hersteller und Händler Teufel? Jeder Liebhaber von schottischem Single Malt muss hier sofort wiedersprechen. Spricht man dort, im grünen Nordwesten, nicht von "angels share"?

Vielleicht sind es doch die Menschen auf die es ankommt, nicht die Mittel. Ich möchte meine Malts nicht missen. Schon gar nicht die schottische Kultur.

Ist Master Elrond of Rivendell böse, weil er Anduril, die Flamme des Westens schmiedet? Wie kann etwas böse sein, das von der engelsgleichen Lady Arwen veranlasst wird, um einen guten König zu unterstützen? Eine Waffe kann doch auch zum Guten eingesetzt werden, oder nicht? Aber was ist das Gute?     

Das muss jeder selbst entscheiden.

Kann man als Aktionär die Welt verändern?

Es gibt Indizes, die versuchen, gute Aktien zu finden. Von den Unternehmen, die moralisch besser sind. Darin finden sich zum Teil merkwürdige Ansammlungen von "Muster-"Unternehmen. Ölkonzerne, Autobauer und vieles mehr. Der Goldabbauer Newmont zum Beispiel, der wegen seines Umgangs mit Landschaften und Arbeitern immer wieder in die Kritik geraten ist befindet sich Im "Dow Jones Sustainability World Index".

Über das Kaufen oder Nichtkaufen von Aktien kann man die Welt leider nicht sehr verändern. Wohl aber als Konsument und als politische Kraft. Als Bürger können wir Gesetze erlassen, die das verbieten, was wir unmoralisch finden. Natürlich müssen wir uns dafür der Mehrheit unterwerfen, wenn wir in einer Demokratie leben, und nicht in einer Diktatur (wo wir uns einem Diktator unterwerfen müssten…). Als Konsumenten können wir Produkte und Konzerne boykottieren. Je mehr wir das an der richtigen Stelle tun, desto mehr werden die entsprechenden Konzerne Wettbewerbsnachteile in der Realwirtschaft  haben. Und auf diese müssen und werden sie reagieren.

Auch hier aber sind die Möglichkeiten der Engagierten begrenzt. Was haben den Naomi Klein und all die Kampagnen gegen große Unternehmen bewirkt? All die Feldzüge, die gestartet wurden? All die Aufrüttelungen durch Bücher wie Das neue Schwarzbuch Markenfirmen oder No Logo, die sich weltweit verkauften. Ein bisschen schon. Aber die Liste der Firmen mit bedenklichen Handlungen ist - je nach Perspektive -  lang.

Beispiel Nike

Ich erinnere nochmal an den Aktienkurs von Nike, der seit und während der No Logo-Bewegung kaum negativ reagiert hat:

Auch der Boykott von Rüstungsaktien hat bislang keine besonders negative Auswirkung auf die Aktienkurse. Hier der Kurs eines repräsentativen Waffenherstellers:

Aber stellen sie sich vor, wir verweigerten wirklich konsequent Autos, Flugzeuge, Busse, solange sie die Luft verpesten. Stellen sie sich vor, wir kauften wirklich nachhaltig und regional. Stellen Sie sich vor, kein Mensch würde jemals mehr eine Waffe in die Hand nehmen. "Imagine there is no heaven".

Dann gäbe es keine Waffenhersteller und Ölkonzerne. Stattdessen viele Firmen, die sich ernsthaft über nachhaltigeren Transport Gedanken machten. Es wäre eine bessere Welt. Und eine Utopie. Vielleicht werden wir das eines Tages erreichen. "I hope some day you join us."

Was können wir dafür tun? Uns politisch engagieren. Artikel schreiben. Lieder schreiben. (Wie das wunderbare Imagine von John Lennon, von dem die oben zitierten Verse stammen). Wir können Firmen als Konsumenten boykottieren. Wir können zu Boykotten aufrufen. Wir können Menschen in fernen Ländern aufklären, sie ausbilden oder Organisationen unterstützen die das vorhaben. Und schließlich: Wir können Produkte und Leistungen von Firmen kaufen, die wir wirklich gut finden.

Beste Grüße

Robert Velten

(Anmerkung: Für Cashkurs wurde der Artikel gekürzt.)