Mit der einzige Faktor, der an Amerikas Aktienmärkten zurzeit noch für ausreichende Gebote sorgt, sind im Angesicht rückläufiger Unternehmensgewinne die Aktienrückkäufe eben jener Unternehmen. So zeigen neueste Daten, dass die Aktiennachfrage zwischen börsengelisteten Unternehmen sowie Kapitalverwaltern und sonstigen Aktienanlegern eine derart große Divergenz aufweist, die es in dieser Form in der Aktienmarkthistorie noch nicht gegeben hat.

Seit dem erreichten Gewinnentwicklungshoch im 3. Quartal 2014 sind die Firmengewinne in den Vereinigten Staaten um durchschnittlich satte 17% gesunken. Doch diese Entwicklung tut dem Aktienkaufrausch des amerikanischen Unternehmenssektors keinen Abbruch. Allein im laufenden Quartal werden sich die geplanten Aktienrückkäufe der im Standard & Poor´s 500 Index gelisteten Firmen auf $165 Milliarden belaufen, wie Bloomberg in der letzten Woche berichtete.

Seit Jahresbeginn: 40 Milliarden Dollar aus Aktienanlagen abgezogen

Dieser Kaufrausch unter den Unternehmen weicht stark von der Verkaufsorgie unter Kunden von Mischfonds, Aktienfonds und Exchange Traded Funds (ETFs) ab. Dass das Smart Money sich bereits seit Frühjahr des vergangenen Jahres aus den Aktienmärkten zurückzieht, hatte ich unter anderem in diesem Bericht zum Thema gemacht. Seit Jahresbeginn haben Investoren weitere $40 Milliarden aus Aktienanlagen abgezogen. Dabei handelt es sich um einen der stärksten Quartalskapitalabzüge jeher.

Nun, für einen gegen den Trend handelnden Anleger könnte sich diese Entwicklung als guter Grund erweisen, um verstärkt in die Aktienmärkte einzusteigen. Trotz allem lässt sich sagen, dass die seit Jahresbeginn an die Finanzmärkte zurückgekehrten Turbulenzen mit deutlichen Kapitalabzügen unter Investoren an den Aktienmärkten einhergegangen waren. Die aktuelle Lage wirft die Frage auf, als wie nachhaltig sich Aktienrückkäufe durch Unternehmen denn letztendlich erweisen werden?!

Niemand sollte die Tatsache aus den Augen verlieren, dass die Gewinne unter Amerikas börsengelisteten Unternehmen nun drei Quartale in Folge gesunken sind, was gleichzeitig auch dem stärksten Gewinnrückgangszyklus seit sechs Jahren entspricht. Aktienanalysten zeigen sich ob der aktuellen Situation auch nicht sonderlich optimistisch. Vielmehr wird zurzeit verstärkt darauf hingewiesen, dass es stets gefährlich geworden sei, wenn die Märkte nur noch von einem einzigen kurstreibenden Faktor abhängig gewesen seien.

Aktienrückkäufe: Kaum nachhaltige Steigerung von Gewinnen

Natürlich sind sich Investoren an den Aktienmärkten darüber bewusst, dass Aktienrückkäufe der Unternehmen dazu beitragen, die Gewinne künstlich zu steigern. Doch über einen längeren Zeitraum, so Beobachter, setzt sich irgendwann die Wahrnehmung durch, dass die Unternehmen ihren Wachstumshorizont überschritten haben. Aus diesem Grunde werde die Schuldenaufnahme zum Rückkauf eigener Aktien auch zu einem nahenden Ende kommen.  Die an den Aktienmärkten herrschende Unsicherheit lässt sich an einem weiteren Faktor ausmachen.

Und zwar handelt es sich dabei um den Chicago Board Options Exchange Volatility Index, der im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 32% zugelegt hat. Gleichzeitig haben sich auch die herrschenden Schwankungsbreiten der Kurse seit Jahresbeginn deutlich erhöht. Falls sich diese Entwicklung im laufenden Jahr aus diese Weise fortsetzen sollte, würde das Jahr 2016 zum volatilsten seit dem Jahr 1998 avancieren. Ein Blick auf Daten der Bank of America weist auf starke Diskrepanzen im Hinblick auf das Käuferverhalten hin.

So zeigt sich, dass Unternehmen laut BofA seit Jahresbeginn zig Milliarden in den Rückkauf von eigenen Aktien steckten. Börsengelistete Unternehmen gehörten damit zu den eifrigsten Käufern an den US-Aktienmärkten. Andere Handelspartner, zu denen unter anderem auch Hedgefonds zählen, gehörten hingegen zu den Nettoverkäufern. Sollte sich das Tempo der Aktienrückkäufe unter US-Firmen bis Jahresende fortsetzen, ließe sich mit Transaktionen in einem Gesamtumfang von knapp $600 Milliarden rechnen.

Aktienrückkäufe als einzig verbliebener Nachfragefaktor

Goldman Sachs machte unterdessen darauf aufmerksam, dass Aktienrückkäufe durch Firmen den einzig verbliebenen Nachfragefaktor an Amerikas Aktienmärkten darstellten. Vor allem Fondsmanager zeigten sich ob des aktuellen Makro-Umfelds besorgt, weshalb diese aus den Aktienmärkten ausstiegen. Sollten sich das Tempo des Kapitalabzugs unter Investoren aus Mischfonds und ETFs bis zum Ende dieses Quartals fortsetzen, würde sich der Gesamtabzug in Q1 auf $60 Milliarden belaufen.

Daraus resultiert wiederum eine enorme Lücke zu den beabsichtigten und bereits getätigten Aktienrückkäufen durch Unternehmen. Es ist die größte Divergenz seit dem Jahr 1998. Laut Goldman brauche einen die momentan zu beobachtende Volatilität nicht wundern. Denn in einem Markt, an dem nahezu jedermann auf der Verkaufsseite stünde, kletterten Volatilität und Schwankungsbreiten, wenn Unternehmen nach Ablauf der Berichtssaison wieder als Käufer an die Märkte zurückkehrten.

Seit dem Jahr 2009 haben im S&P 500 Index gelistete Unternehmen im Nullzinsumfeld der Fed mehr als $2 Billionen in eigene Aktienrückkäufe gesteckt. Dass diese Entwicklung zu Lasten der CAPEX-Investitionen ging, die eine Wirtschaft benötigt, um aus eigener Kraft und nachhaltig zu wachsen, ist selbstredend. Was sich jedoch zeigt, ist, dass sich das Tempo der Rückkäufe verlangsamt, da das vierte Quartal rückläufiger Unternehmensgewinne in Folge ins Haus stehen dürfte.

Wachstum der Aktienrückkäufe flacht deutlich ab

Nachdem die Aktienrückkäufe in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt um 37% pro Jahr anstiegen, erreichte das Wachstum der Rückkäufe im vergangenen Jahr nur noch weniger als 4%. In den letzten beiden Jahrzehnten gab es nur ganze zwei Perioden, in denen der Gewinnrückgang im Unternehmenssektor stärker ausgefallen ist als heute. Beide Male führte diese Entwicklung dazu, dass die Firmen ihre Aktienrückkäufe deutlich reduzierten.

Übrigens soll hier nicht unterschlagen werden, dass sich die Kursabschläge in diesen beiden Perioden im Mittel auf 62% vom Hoch bis zum Tief beliefen. Auch im jetzigen Umfeld mehren sich die Anzeichen, dass die Unternehmen durch Aktienrückkäufe die Aktienmärkte allein nicht werden hochhalten können. Es sind vor allem die Aktien rückkaufenden Firmen, die im Zuge der beiden jüngsten Marktabschläge (jeweils rund 10%) mit Kursrückgängen von durchschnittlich 9,2% am stärksten auf die Mütze bekamen.