Den jüngsten Ölpreisanstieg hatte ich zusammen mit Ihnen beständig begleitet, Sie darauf hinweisend, dass fundamental nichts für steigende Ölpreise sprechen würde. Vielmehr waren es die aufkommenden Spekulationen – unter Hedgefonds –, die mit einer Ankündigung á la „Shock-and-Awe“ seitens der OPEC gerechnet hatten.

Der Ruf von Goldman nach Förderkürzungen verhallt (fast) ungehört

Vor mehreren Wochen war es die US-Großbank Goldman Sachs, welche die OPEC-Staaten dazu aufrief, sich einer Therapie zu bedienen, welche die Ölmärkte ins Mark treffen würde. Selbstverständlich wurde der Vorschlag gemacht, zu der bis ins Jahr 2018 hinein verlängerten Produktionskürzung in Höhe von 1,8 Millionen Barrel pro Tag eine weitere Förderkürzung bekannt zu geben.  

Doch wie schwierig eine Übereinkunft unter den OPEC-Staaten zu erzielen ist, hatte allein schon die zuletzt getroffene Vereinbarung gezeigt, in Zuge derer auch außerhalb der OPEC stehende Förderstaaten wie Russland mit ins Boot geholt werden mussten. Es war Saudi-Arabiens Energieminister, der sich des Aufrufs von Goldman Sachs vor wenigen Wochen angenommen hatte, um eine solche Möglichkeit verbal in Aussicht zu stellen.

Wenn alle denken, es gäbe nur eine Richtung…einfach mal umschauen

Dass nach dem Besuch des saudischen Königs im Moskauer Kreml nahezu der gesamte Ölmarkt bis über beide Ohren long positioniert war, hatte mich dazu beflissen, Sie zu warnen, falls Sie an den Ölmärkten aktiv sein sollten. Nicht ohne Grund, wie sich in den vergangenen Tagen gezeigt hat. Denn wenn das Boot zu viel Ausschlag nach einer Seite hin hat, droht nun einmal das Kentern.

Bislang ist eine zusätzliche Ankündigung seitens der OPEC ausgeblieben. Darüber hinaus stellte ich Ihnen in Aussicht, dass die aktuellen Ölnachfrageprognosen sehr wahrscheinlich zu optimistisch sind, während in den USA nach wie vor gefördert wird was das Zeug hält. Dort schert man sich nicht um die aktuelle Ölweltnachfrage, sondern man produziert einfach so viel wie möglich, um der OPEC beständig Weltmarktanteile abzunehmen. 

Internationalen Energieagentur mit Negativausblick: Brent gibt 5% nach

Der Rohölpreis der Sorte Brent hat seit der vergangenen Woche nun bereits um etwas mehr als 5% nachgegeben. Und was war der an den Ölmärkten äußerst schlecht aufgenommene Grund? Nun ja, es war am Dienstag dieser Woche der „unerwartet“ dunkle Ausblick seitens der Internationalen Energieagentur (IEA) im Hinblick auf die absehbare Weltölnachfrage. 

Ich hatte ich mich also nicht geirrt, wenn ich Sie vor allzu viel Optimismus gewarnt hatte. So senkte die IEA ihre Prognose für das globale Ölnachfragewachstum sowohl für das laufende Jahr 2017 als auch für das kommende Jahr 2018 um jeweils 100.000 Barrel pro Tag. So soll sich der Zuwachs der globalen Ölnachfrage im laufenden Jahr nur noch auf 1,5 Millionen Fass pro Tag belaufen. Für das Jahr 2018 sieht die aktuelle Prognose hingegen nur noch einen Anstieg in Höhe von 1,3 Millionen Fass pro Tag vor. 

Wie passt die Prognose fallender Rohölnachfrage zur Erwartung einer anziehenden Wirtschaft in 2018?

Und dies bei vielerorts kolportierten Erwartungen auf eine im Jahr 2018 anziehende globale Wirtschaft? Mehr als absehbar war auch, dass die Angebotsseite – insbesondere in den USA – nach wie vor viel zu viel Öl pumpt, was eine Stabilisierung der Weltölpreise konterkariert. So ist Amerikas Ölförderung allein seit Mitte 2016 bis zum jetzigen Zeitpunkt um weitere knapp 15% auf 9,65 Millionen Barrel pro Tag geklettert. Mit weiteren Zunahmen wird gerechnet. 

Auch die anhaltende Förderung in den USA machen es der OPEC nicht leichter

Laut der neuesten Prognose der IEA werden Ölförderländer, die nicht der OPEC angehören, im Jahr 2018 für einen zusätzlichen Produktionsausstoß in Höhe von 1,4 Millionen Barrel pro Tag sorgen.

Und hier haben wir den Salat. Nicht ein – wie bislang vielerorts gehofft – weiter anziehendes Weltrohölnachfragewachstum, sondern ein sich reduzierendes Weltrohölnachfragewachstum bei gleichzeitig anhaltender Ölangebotsflut lässt die Bemühungen der OPEC und Russlands, das Überangebot an den Weltölmärkten zu drosseln, augenscheinlich ins Leere laufen…