In Krisenzeiten haben die Staats- und Regierungschefs weltweit nur ein Ziel. Sie möchten die Konjunktur beleben. Zu diesem Zweck werden Maßnahmen und Finanzierungen beschlossen, Gesetzesentwürfe verabschiedet und Regelungen getroffen. Natürlich geht es zu allererst immer nur um die Förderung der heimischen Wirtschaft. Und genau hier wird teilweise in die völlig falsche Richtung gesteuert. Mit protektionistischen Entscheidungen versucht man vor allem der eigenen Industrie zu helfen, vergisst dabei allerdings, dass die heimische Industrie auf den Rest der Welt angewiesen ist.

In der Bundesrepublik Deutschland ist dahingehend die aktuelle Diskussion um die Abwrackprämie beispielhaft. Die Kritik ist heftig, weil von den neuen Regelungen vor allem Sprit sparende Kleinwagen aus Asien profitieren. Dann wird immer der Ruf nach Protektionismus laut, doch genau das ist der falsche Weg. Eine Politik getreu nach dem Motto „wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“ ist in einer Krise der schadhafteste Weg.

Der Grund, warum sich die aktuelle Krise auf alle Volkswirtschaften weltweit ausdehnen konnte, ist in der internationalen Verflechtung der Unternehmen zu suchen. Produzenten, Zulieferer und Händler sind über den gesamten Globus verstreut. Die gesamte Finanzindustrie ist durch Beteiligungen oder über innovative und komplizierte Produkte miteinander verwoben. Da ist es sehr ersichtlich, dass das gesamte System hakt, wenn das eine oder andere Rädchen ausfällt. Und wenn gleich mehrere Räder auf einmal ausfallen, dann bricht es sogar vollständig zusammen.

Doch in einer Krise diese Verflechtungen anzuprangern und protektionistische Maßnahmen zu forcieren wird nicht helfen. Ganz im Gegenteil! Schottet sich eine Volkswirtschaft nun ab, dann wird es für sich die Rezession nur noch verschlimmern und hinauszögern. Das ist das eigentlich groteske an der aktuellen Situation.

Die Verlockung in einer so schweren Krise Schutzzölle, Einfuhrbeschränkungen oder ähnliches einzuführen, um die heimische Industrie zu fördern und sie nicht dem internationalen Wettbewerb auszusetzen, ist groß. Schon während der Weltwirtschaftskrise 1929/33 wurden entsprechende Maßnahmen getätigt. Die Folge war ein drastischer Zusammenbruch des Welthandels. Damit verbunden waren weitere Unternehmenspleiten und eine Ausdehnung der Rezession, die man eigentlich hatte bekämpfen wollen.

Dass aus der Vergangenheit keine Lehren gezogen worden, musste ich vorgestern erschreckend zur Kenntnis nehmen. So habe ich gelesen, dass in Bremerhaven, einer der größten europäischen Umschlagplätze für Fahrzeuge, asiatische Automobile auf ihren Abtransport nach Russland warten. Doch warten sie leider vergebens, denn die russische Regierung hat die Einfuhrzölle auf ausländische Fahrzeuge immens erhöht, um die heimische Kraftfahrzeugindustrie zu schützen.

Ich hoffe, dass das ein Einzelfall bleibt. Vor allem eine so exportorientierte Volkswirtschaft wie die Bundesrepublik Deutschland ist auf den Welthandel und die ausländische Nachfrage angewiesen, selbst wenn diese in der aktuellen Situation geringer ausfällt. Aus der aktuellen Krise kommen die Staaten nur gemeinsam heraus, sozusagen sitzen alle im selben Boot. Abschottung und Isolation hilft da niemandem.

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