Liebe Cashkurs-Leser,

Strom gehört so sehr zu unseren Alltag, ja bestimmt ihn in einer Weise, dass wir uns ein Leben ohne diesen elektrischen Strom nicht mehr vorstellen könnten. Man hat das Gefühl, als gäbe es ihn schon seit ewigen Zeiten. Umso faszinierender ist es, wenn man für einen kurzen Moment inne hält und sich klar macht, wie jung, modern und neu dieser Strom ist.

1866 – also vor nicht einmal 150 Jahren – hat Werner von Siemens entdeckt, dass man mit einem Dynamo Strom erzeugen kann. 1882 wurde in Stuttgart das erste Blockkraftwerk in Betrieb genommen. Seit etwa 100 Jahren werden Kohlekraftwerke eingesetzt. Das erste deutsche Atomkraftwerk geht 1966 ans Netz, bereits 20 Jahre später kommt es zur Katastrophe von Tschernobyl. 1981 wird das erste europäische Sonnenkraftwerk in Spanien fertiggestellt. Im Oktober 1983 ging die erste Windkraftanlage in Deutschland in den Probebetrieb. Dieser „Growian“ (Großwindanlage) war lange DAS Symbol der Windkraft. Jetzt, nur 30 Jahre danach, haben wir den Eindruck, als würde eine seit Jahrhunderten konstant bestehende fossile Energieerzeugung in Unordnung gebracht und sprechen von einer Energierevolution, weil wir die erneuerbaren Energien statt der fossilen weiterentwickeln. Tatsächlich hat das Stromzeitalter – im großen Betrachtungsrahmen der Menschheitsgeschichte – gerade erst begonnen und verändert sich von Beginn an natürlicherweise in immer schnelleren Entwicklungsschritten.

Zu dieser Fortschrittsentwicklung gehören nicht nur die Energiequellen an sich, sondern auch die Formen der Energieverteilung und Steuerung. Als Edison sein erstes Stromkraftwerk baute, musste er es mitten in die Stadt stellen, da die damals möglichen Gleichstromleitungen hohe Leitungsverluste mit sich brachten und kurze Wege zum Verbraucher erforderten. Erst viel später entwickelten sich Wechselstromsysteme und Starkstromleitungen, die andere Energieverteilungen zuließen. Jetzt ermöglicht die Digitalisierung der Welt wiederum völlig neue Wege der Energieverteilung und –steuerung. Jetzt lassen sich kleine und große Kraftwerke, die bislang unabhängig von einander tumb ihren Dienst verrichteten, direkt miteinander verbinden und zentral steuern. Wind-, Gas-, Sonnen- und Wasserkraftwerke können gemeinsam wie ein großes Kraftwerk mit unterschiedlichen
Blöcken betrieben und gesteuert werden. Ihre Effizienz und Berechenbarkeit steigt dadurch enorm an. Kombiniert mit den gerade aufkommenden Speichermöglichkeiten (Batteriesysteme von Tesla, Pumpspeicherkraftwerke, Wasserstoffspeicher) wird es nun in wenigen Jahrzehnten möglich, eine Komplettversorgung der Gesellschaft mit erneuerbaren Energien zu ermöglichen.


Hätten Edison und Werner von Siemens den Menschen ihrer Zeit gesagt, wie die Stromwelt 50 Jahre später aussehen würde, man hätte sie für verrückt gehalten. Hätte man vor den ersten Atommeilern der 70er Jahre den Menschen erklärt, dass diese in 50 Jahren endgültig abgeschaltet würden und bereits 2014 gut 25 % des Strombedarfs durch Windmühlen, Sonnenkollektoren und vergorenen Grünschnitt erzeugt würden, man wäre für verrückt erklärt worden. Ist es da wirklich so unwahrscheinlich, dass in 36 Jahren 100% der Energie aus erneuerbaren Quellen stammt? Höchstens für jene Ewiggestrigen, die nicht in der Lage sind, neu zu denken. Doch der Fortschritt war immer nur durch jene Menschen getragen, die sich erlaubt haben, Altes in Frage zu stellen und Neues nicht nur zu denken, sondern es auch umzusetzen. Immer gegen die erbitterten Widerstände der Altvorderen.

Doch wie sagte ein großer Mann der Weltgeschichte!?...Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Das gilt auch für (Energie-)politiker und Stromkonzerne.


Daher lade ich Sie ein, ein weiteres Mal mit uns neu zu denken. Über einen weiteren Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte der Stromerzeugung und jene Unternehmen, die sich rechtzeitig auf den Weg gemacht haben.


Viel Spaß und Erfolg
Ihr Dirk Müller

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Im folgenden Abschnitt finden Sie einen kleinen Auszug der umfassenden Studie von Dr. Eike Wenzel (Leiter Institut für Trend- und Zukunftsforschung), die ebenfalls Bestandteil von Cashkurs*Trends ist.

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Virtuelle Kraftwerke: Das Internet der Energie stellt sich auf von Dr. Eike Wenzel

[...] Warum sich virtuelle Kraftwerke wirklich rechnen

Wie funktioniert die Ökonomie eines virtuellen Kraft werks? Der Betreiber kann mit einem virtuellen Kraft werk positive strategische und betriebswirtschaftliche Effekte erzielen. Die Nachteile vieler Erneuerbarer-Energie-Anlagen liegen in der mangelnden Plan bar keit, Steuerbarkeit und Wettbewerbs fähig keit. Gerade virtuelle Kraftwerke können das durch die Integration in ein größeres Erzeugungs ge bilde effektiv kompensieren. Die einzelnen Anlagen eines virtuellen Kraft werks können so gesteuert werden, dass sie möglichst zu Zeiten mit einer hohen elektrischen Gesamtlast Strom in das Netz einspeisen. In Zeiten eines hohen Strompreises können Erlöspotenziale insbesondere durch die Vermarktung an der Strombörse erzielt werden.

Kombiniert man beispielsweise einen Windpark, ein photovoltaisches Kraftwerk und einen Energie speicher (etwa ein Pumpspeicherkraftwerk) zu einem virtuellen Kraftwerk, so kann das Solarkraftwerk einspringen, wenn Flaute herrscht. Scheint keine Sonne, liefert das Windkraftwerk. Scheint die Sonne und es weht Wind, kann überschüssige Energie im Pumpspeicher oder anderswo eingespeist werden. Weht kein Wind und scheint keine Sonne, liefert das Pumpspeicherwerk die Energie zurück. Je mehr Kraftwerke und Kraftwerkstypen kombiniert werden, desto höher ist der Synergieeffekt und damit die Gesamteffizienz des virtuellen Kraftwerkes.

Kein Wunder, dass immer mehr Unternehmen deshalb als Aggregatoren (Bündeln und Aufbereiten von Energie) am Markt auftreten.

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Im folgenden Abschnitt möchten wir Ihnen eines von vier Unternehmen vorstellen, die wir im Rahmen der Ausgabe "Virtuelle Kraftwerke" von Cashkurs*Trends in die Watchlist aufgenommen haben.

Mainova - Dezentrale Energie aus Frankfurt

Die Mainova AG ging am 1. Januar 1998 aus der Fusion der Stadtwerke Frankfurt und des Gasversorgers Maingas hervor. Als regionaler Energieversorger bietet das Unternehmen heute bezahlbare und umweltschonend erzeugte Energie für Frankfurt am Main und Umgebung an. Als wichtigstes deutsches Luftdrehkreuz, Standort des Finanzsektors und Internetknotenpunkt ist Frankfurt auf eine besonders zuverlässige Energieversorgung angewiesen. Interessanterweise wird Frankfurt auch immer mehr zum Experimentierfeld für virtuelle Kraftwerke und die dezentrale Energieversorgung. So gibt es in Frankfurt bereits 170 Blockheizkraftwerke mit einer Leistung von mehr als 20 Megawatt (MW), die zusammengeschlossen im Rahmen eines virtuellen Kraftwerks erhebliche Energiemengen produzieren können.

Als kommunaler Versorger legt Mainova großen Wert auf umweltschonend produzierten Strom, der bezahlbar ist. Beides unter einen Hut zu bekommen, ist im deutschen Energiemarkt nicht einfach. Mainova will deshalb die dezentrale, überwiegend regenerative und gleichzeitg hocheffiziente Strom- und Wärmeproduktion vorantreiben. Um der Ideal vor stellung näher zu kommen, setzt Mainova seit 2010 ein ehrgeiziges Investitionsprogramm in die Tat um: Bis 2015 sollen rund 500 Millionen Euro in Erzeugungsprojekte und 600 Millionen Euro für den Ausbau und Erhalt der Netze investiert werden. Das ambitionierte Ziel: Die Eigenerzeugungsquote soll von aktuell bereits respektablen 65 Prozent auf 100 Prozent gesteigert werden. Mainova wird zum autarken Energieversorger, der nicht mehr auf Zukäufe an den Strombörsen angewiesen ist. Der Strom kommt dabei zum großen Teil aus regenerativen Quellen. Im Jahr 2009 stieg Mainova mit einer Beteiligung am OnshoreWindpark im brandenburgischen Havelland in die Stromerzeugung durch Windenergie ein. Zwei Jahre später folgten drei neue Windkraftanlagen im mittelhessischen Schelder Wald. Weitere Windkraftprojekte sind in Planung. Durch diese und weitere Maßnahmen wie den Ausbau der Energieerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung will Mainova den CO2-Anteil in der Stromproduktion bis 2020 um 30 Prozent senken und so 600.000 Tonnen des klimaschädlichen Gases pro Jahr einsparen.

Vor zwei Jahren nahm Mainova zusammen mit der Immobiliengesellschaft ABG Frankfurt Holding das erste virtuelle Kraftwerk in Frankfurt in Betrieb. Zunächst zehn Blockheizkraftwerke in verschiedenen ABG-Liegenschaften wurden vernetzt und mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik ausgestattet. Durch eine  neueingerichtete zentrale Steuerung können die hocheffizienten, gasbetriebenen Kleinmotoren künftig immer dann anspringen, wenn insgesamt zu wenig Strom produziert wird oder sich Verbrauchs spitzen ergeben. Dadurch wird regenerativ erzeugte Energie besser nutzbar, weil die Blockkraftwerke immer dann Energie erzeugen, wenn die Sonne gerade nicht scheint und kein Wind weht.

Wie die aktuellen Zahlen und die Bilanz von Mainova aussehen und welche weiteren Unternehmen wir in unserer Watchlist haben, finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Cashkurs*Trends.

Alle weiteren wichtigen Informationen zu dem aktuellen Trendthema und die dazugehörigen spannenden Aktienanalysen finden Sie im bereits erschienen Cashkurs*Trends Börsenbrief.

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