Der deutsche Aktien Index startete nicht gerade fulminant ins neue Börsenjahr. Zu schwer wogen die belastenden Vorgaben aus dem alten Jahr. Die akute Krise Griechenlands hängt wie ein Damokles Schwert über dem Markt und lässt ihn schrittweise  nachgeben. Nachdem wir im Jahr 2009 über 22% im DAX zulegen konnten,

bleibt die große Frage, ob die Erholung der Börsen erstmal weiter geht. Wie ist die Lage und wo geht es hin?

Die Märkte sind unentschlossen ins neue Jahr gestartet. Preisschwankungen waren innerhalb eines Handelstages eher gering. Wir schlossen im Dezember nahe den Jahreshöchstständen. Der Januar verlief an den Weltbörsen, nach trägem Beginn, mehr schlecht als recht. Alleine der DAX verlor zuletzt um die 6%. Der schwache Euro macht den Märkten in Europa zu schaffen. Besonders der Deutsche Leitindex leidet unter der gegenwärtigen Lage. Die beiden Hauptgründe für die negative Entwicklung der letzten Wochen sind schnell genannt. Der Euro und Obama. Die prekäre Haushaltslage Griechenlands lässt Euroland erzittern. Weitere Krisenkandidaten wie Spanien und Irland versuchen das Ruder kurzfristig noch herumzureißen, bevor auch sie bezüglich ihres Ausgabenverhaltens verstärkt in den Focus der Finanzmärkte geraten. Auf die Verschuldungslage  unserer südeuropäischen Nachbarn bezogen, haben wir uns wie die drei legendären Affen verhalten. Nichts Schlechtes sehen, nichts Schlechtes hören und nicht darüber sprechen. Die Lage Griechenlands war hinlänglich bekannt und nur durch die galoppierende Neuverschuldung auf über 12% des BIP gerieten die Griechen in die Schlagzeilen. Der Euro ist nun das erste Opfer dieser Disziplinlosigkeit und es ist noch kein Ende dieser Entwicklung in Sicht. Es werden aktuell Investments aus dem Euro abgezogen und fliesen in den Dollar. Besonders der DAX leidet darunter, da er traditionell stark von ausländischem Kapital abhängig ist. Solange keine Lösung für die Entschuldung Griechenlands gefunden ist, kann der Euro sich nicht stabilisieren. Dadurch wandern weiterhin Mittel aus den Aktieninvestments ab und werden besonders dem DAX das Leben weiterhin schwer machen.

Obama´s beabsichtigte Banken-Regulierung ist das andere belastende Thema dieser Tage. Es scheint eine weitere regulatorische Einschränkung der Bankgeschäfte zu erfolgen. Auch hier ist der deutsche Aktienmarkt, aufgrund seiner starken Gewichtung der Finanztitel, besonders betroffen. Eine zusätzliche Beschneidung der Bankenrenditen würde dem Markt weiter zusetzen. Die mitunter geschwächte Eigenkapitalsituation der Institute und die angekündigten Reformen des Finanzwesens durch Basel III machen bereits eine weitere Kapitalbindung erforderlich. Wenn eine darüber hinausgehende Einschränkung der Geschäfte erfolgt, wird dies die Gewinne der Banken spürbar belasten. Eine weitere Regulierung der Banken erfolgt dennoch zu Recht, da bei aller Konzentration der Märkte auf kurzfristige Gewinne das nachhaltige Wirtschaften niemals außer Acht gelassen werden darf. Systemgefährdente Risiken müssen eliminiert werden. Dennoch ist Fakt, das diese Entwicklung den Märkten sicher kaum Unterstützung geben wird. Das niedrige Zinsniveau bleibt in der ersten Hälfte dieses Jahres unangetastet, da ein allgemeiner Konsens darüber herrscht, dass die Krise noch nicht beendet ist. Wenigstens von dieser Seite wird es wohl keine schlechten Nachrichten für die Börsen geben.

In welche Richtung gehen wir in den nächsten Wochen?

Aktuell geben die Aktienmärkte kein klares Bild ab. Griechenland und die Bankenregulierung belasten. Die Ergebnisse der Quartalssaison konnten uns dagegen eher freundlich stimmen. Apple, JP Morgan Chase Siemens und Münchener Rück ließen das Börsianerherz vor Freude springen. Weltweit machen sich bei vielen Unternehmen die Sparbemühungen der vergangenen Quartale in einer sich erholende Konjunktur bezahlt. Die Unternehmensergebnisse haben bisher im Schnitt positiv überrascht und stützen als Gegengewicht zu Griechenland und Co.  Das Thema der Liquiditätserwartung wurde seit einigen Wochen nicht mehr genannt. Dennoch ist weiterhin viel Geld auf dem Tisch und das könnte den extremen Pessimisten die Suppe versalzen.

Konjunkturhoffnungen, höhere Unternehmensgewinne und billiges Geld werden die Märkte unterstützen. Währungsschwankungen und neue Sorgen um unser Finanzwesen werden die Märkte belasten. Die hohe Volatilität des letzten Jahres wird meines Erachtens schon bald in die Märkte zurückkehren. Eine deutliche Korrektur der Märkte wäre eine gesunde Grundlage für einen nachhaltigen Anstieg des DAX. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Anpassung der Märkte an die substantiellen Wirtschaftsdaten bald stattfindet, steigt.  Bald wird sich entscheiden, ob wir in nächster Zeit fettes Fleisch oder mageren Fisch auf den Tisch bekommen. Ich bereite mich schon einmal auf eine vorübergehende Diät vor.

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