Es ist ganz erstaunlich, wie sehr das Gefühl der Unsicherheit in dem Maße steigt, in dem die großen Handlungsreisenden und Staatenlenker die ewige Sicherheit des status quo betonen. Die Krone setzte dem Spektakel unlängst der US Finanzminister Timothy Franz Geithner in einer fast kabarettistisch zu nennenden Einlage auf. Niemals würde dieses Land – er sprach in der Tat von den Vereinigten Staaten – das Top Rating AAA verlieren. Als Begleitmusik dürfen wir täglich vernehmen, Länder wie Griechenland oder auch Irland „können nicht pleitegehen“. Das ist über alle Maßen erstaunlich, ist doch ein Staatsbankrott zwar nicht schön, aber in der Geschichte alles andere als selten. Leider erstreckt sich der Betrachtungshorizont, auf dem derartige Aussagen offensichtlich fußen, anscheinend nur bis zum Gründungsdatum des CFA Institutes. Staatsbankrotte von Ländern wie Russland oder Argentinien lässt man geflissentlich beiseite, schiebt es anmaßend auf die Unfähigkeit und das unsolide Wirtschaften in den betroffenen Ländern. Züge und  Verhaltensweisen, die natürlich daheim völlig unbekannt sind.

Während man sich also weiter verbal darum kümmert, die Volkssorgen gering zu halten, dürfte man im Hinterzimmer einige Sorgen haben. Wie soll die Refinanzierung von mehr als einer halben Billion Agency Debt ablaufen, wie soll das laufende Defizit finanziert werden und vor allem: Wie und bei wem will man Gelder aufnehmen ohne das Zinsniveau am langen Ende aus dem Ruder laufen zu lassen? Bis auf Weiteres wird man wohl den Großteil der Papiere auf die Fed Bilanz buchen, hier stellen ja schon jetzt Hypothekenpapiere den Löwenanteil. Die Gefahr, die von einem Anstieg der Langfristrenditen ausgeht, sollte man dabei nicht unterschätzen.

Wenn man sich den vollkommen desolaten Zustand des US Immobilienmarktes anschaut und sich vergegenwärtigt, dass dieser trotz aller expliziten (Steuervorteile, Hypothekenumstrukturierungen) und impliziten (Eingriffe am Bondmarkt via „QE“) Subventionen nicht im Ansatz auf die Beine kommt, kann man sich ungefähr vorstellen, was bei einer Rückkehr zu angemessenen Risikoaufschlägen auf der Agenda steht.

Nun kann die Politik zwar zumindest versuchsweise über Subventionen an den Angebots- und Nachfrageschrauben drehen, gegen die inneren Kräfte allerdings hilft alles Auflehnen nicht, gewonnen wird bestenfalls Zeit. Wovon die Nachfrage in großem Maße abhängt, sind der Wohlstand und die Zukunftsaussichten der Bevölkerung, die man einerseits am Vermögen der Haushalte und an den Arbeitsmarktdaten ablesen kann. Letztere sind allerdings nur dann hilfreich, wenn der Blick auf die Revisionen hinter den fettgedruckten Überschriften oder allein auf die absoluten Werte schweift. So liegt die Zahl der als Nichtagrarier beschäftigten auf dem Niveau von 1999 (129 Mio), die Zahl der Sozialhilfeempfänger stieg unlängst auf 5,6 Mio., die der offiziell Arbeitslosen pendelt um die Marke von 14,8 Mio., wobei generös bestimmte Gruppen herausgehalten werden. Ein klares, wenn auch nicht schönes Bild der Situtation der Menschen zeigt der drastische Anstieg derjenigen, die angeben, es schlicht aufgegeben zu haben, sich überhaupt noch nach einem Arbeitsplatz umzuschauen, die so genannten „discouraged workers“.

Nun ist der Einfluss der Arbeitslosigkeit auf die reale Nachfrage unbestritten, so dass breite Nachfrageimpulse wohl eher in das Reich der Träume als in die Gazetten gehören. Ein Blick in die Historie der Leerstandsraten bei verschiedenen Arten gewerblich genutzter Immobilien zeigt dies beispielhaft.

Die Auswirkungen auf den  Einzelhandel und das private Baugewerbe sind – wenig verwunderlich – ähnlich. Nun darf man gespannt sein, wie die groß angekündigten öffentlichen Sparmaßnahmen auf beiden Seiten des Atlantiks auswirken. Eine gleichzeitge Stimulierung der privaten Nachfrage bei der Erhöhung von Abgaben und Steuern wird nicht möglich sein. Die Ausweitung öffentlicher Investitionen bei gleichzeitiger Senkung der öffentlichen Ausgaben ist ein offensichtlicher Widerspruch, der gerne verdrängt wird.

Ein Wort noch zu verbalen Beruhigungspillen. Der griechische Finanzminister sagte unlängst in einem Bloomberg Interview, er könne nicht nach Hilfe von außen rufen, wäre das doch ein übles Signal an die Märkte. Der Finanzminister eines Landes, dessen Finanzierungskosten auf mehr als doppelte anderer Mitgliedsstaaten gestiegen sind, sollte sich nicht in erster Linie Sorgen um ein negatives Signal an den Markt machen. Ohnehin kommen dem Herrn diese Gedanken relativ spät in den Kopf, hat doch der Markt bereits seit geraumer Zeit eine negative Sicht auf die Lage und spiegelt die Realität derzeit deutlich besser wieder als so manch politischer Wunschtraum. Mit einem Griff zum Telefonhörer kann der Minister in dieser Situation nicht allzuviel falsch machen, er muss das Gespräch ja nicht gleich bei youtube einstellen. Das Gesagte gilt im Übrigen nicht nur für die Griechen allein, die derzeit alle Schelte auf sich nehmen müssen. Auch auf der iberischen Halbinsel oder in Irland sollte man nicht darauf warten, dass sich die Probleme von alleine lösen. Aber leider gilt wohl wie so oft der Satz: Wunderbare Menschen, grauenhafte Politik.

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