Die EZB ließ die seit Wochen sehnlichst erwartete Katze aus dem Sack: Nach 489 Milliarden Euro im Dezember dürfen sich die Banken noch einmal 529,5 Mrd. € für 3 Jahre von der Europäischen Zentralbank leihen. Der Betrag an sich lag wohl am oberen Ende der seriöseren Erwartungen. Macht zusammen innerhalb von 2 Monaten eine schlappe Billion Euro, 1.015 Milliarden Euro oder anders gesagt 4 Millionen Häuser à 250.000€ oder 5,5 Milliarden Kindergeldzahlungen à 184€.

Keiner hat übrigens bisher erklärt, was nach den 3 Jahren passieren soll und auf welche Weise die Banken dann diese Billion vollständig zurückzahlen sollen. Okay, mit Teilen des Dezembertenders wurden andere EZB-Liquiditätsprogramme abgelöst. Das wird wahrscheinlich dieses Mal auch wieder passieren. Aber die Schulden sind nun mal da.
Bei einer Kreditentscheidung- übrigens einer Bank! - mit Mittelständlern oder Häuslebauern gibt´s nen klaren Tilgungsplan. Tilgungsfreie Darlehen - und das sind die EZB-Tender auch - werden von Banken in Normalfall nur dann vergeben, wenn zu einem gewissen Zeitpunkt ein hoher für die Tilgung zufließender Geldbetrag erwartet wird.

Idee: Warum hat man die am Tender teilnehmenden Banken nicht dazu verpflichtet, die Darlehen aus dem Tender monatlich anteilig zu tilgen? Dann wäre meines Erachtens weniger Kapital in die Spekulation geflossen, rein aus der Erwägung heraus, dass man ja gleich wieder Teile zurückzahlen muss. Und man hätte gleich wieder für ein geordnetes Rückzahlungsverfahren gesorgt.

Was, wenn mit Teilen dieser erneuten Kapitalinfusion wieder verstärkt gezockt wird? Die festen Aktienkurse nach dem ersten Megatender (sorry schonmal für dieses Wort, aber „mega“ kommt heute noch öfter im Kommentar vor) im Dezember und die starken Renditerückgänge einiger PIIGS-Staaten-Bonds sind nach häufiger Meinung durch den Megatender erst erzeugt worden. Man hat also hierdurch nicht nur wie erwünscht Märkte beruhigt, es wurde sogar noch mehr Risikokapital bzw. Spekulation aufgebaut. Normal sollte doch in Risikozeiten das Risiko herausgenommen werden, hätte ich gedacht.
Puh, ob das mal gut geht?

Und bitte nicht vergessen: Es ist zwar eine Binsenweisheit, aber es muss immer wieder mal gesagt werden. Geld drucken bedeutet logischerweise gleichzeitig relative Entwertung anderer Sachwerte und Rohstoffe, was zwangsläufig zu deren Preissteigerung führen müßte, um den relativen Anteil am umlaufenden Geld zu erhalten. Platt gesprochen nennt sich das auch Inflation.

http://www.welt.de/wirtschaft/article13890586/Die-grosse-Geldschwemme-und-das-Inflationskarussell.html

Interessant fand ich diese Woche die Schlagzeile, dass Griechenland jetzt als „teilweise zahlungsunfähig“ gilt.

http://www.welt.de/wirtschaft/article13892013/Athen-auf-teilweise-zahlungsunfaehig-herabgestuft.html

Mal ne dumme Frage: Was heißt denn eigentlich „teilweise zahlungsunfähig“? Gibt´s auch neuerdings „ein bißchen schwanger“?

Wir lassen uns ja heutzutage alle möglichen und unmöglichen Begriffe in Zusammenhang mit der Finanzkrise vorsetzen:

Hatte es das Wort „alternativlos“ noch zum Unwort des Jahres 2010 geschafft, verhallen Bazookas, Rettungsschirme, Euro-Brandmauern (ich glaube, ich habe irgendwo auch schon etwas von einer „Mega-Brandmauer“ gelesen), Systemrelevanz und nicht zuletzt Hebelwirkung nahezu kritiklos in der Buchstabensuppe geschriebener und gesprochener Worte.

Wollen diese Wortschöpfungen nicht vielleicht eher Gefahren verharmlosen oder Sicherheit vorspielen?

Ich denke noch mit Grauen an die Blüte des „Neuen Markts“, als Gewinnwarnungen und Kurs-Umsatz-Verhältnisse umjubelt wurden. Wie das geendet hat, haben viele Menschen schmerzhaft erfahren müssen.

Ja, wie geht´s jetzt weiter mit den Griechenland-Schulden? Was passiert mit den Credit Default Swaps (CDS)?

http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/athener-schuldenschnitt-unsicherheitsfaktor-ausfallversicherung/6263942.html

Da hat es die ISDA (Abkürzung für den Derivate-Handelsverband International Swaps and Derivatives Association), die über das Wohl und Wehe der CDS entscheidet, wirklich nicht leicht:

Wer immer derzeit die Hauptversicherer der griechischen Credit Default Swaps sind, sie haben kein Interesse an der Feststellung („Triggern“) eines Kreditereignisses für Griechenland, da sie dann vollständig zahlen müßten.

Andererseits könnte der Markt für CDS durch die Nichtfeststellung eines Kreditereignisses durch die ISDA für teilweise die gleichen Marktteilnehmer zusammenbrechen. Das wäre mir persönlich zunächst einmal völlig egal, aber was, wenn die CDS-Bestände dadurch entwertet würden?

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Zuendet-Athen-die-CDS-Bombe-article5627471.html

In meinem CK-Kommentar vom 8. Februar war ich schon einmal auf diese Thematik eingegangen.

Heute, also am Donnerstag, soll es eine Entscheidung der ISDA über die Behandlung der Griechenlandschulden geben. Da bin ich mal extrem gespannt drauf.

Wenn die CDS plötzlich nichts mehr wert wären, könnte sich das übrigens negativ auf andere besonders schwach dastehende Euroländer auswirken. Dann könnten Bondbesitzer, die im Glauben waren, ihre Anleihen abgesichert zu haben, ihre Anleihen dieser Länder direkt auf den Markt werfen.

Ich bin kein guter Mühlespieler, aber eins weiß ich:

Gegen eine Zwickmühle hab ich noch nie gewonnen.

Muss ich jetzt 3 Euro ins Phrasenschwein werfen? Okay, ich geb´s zu: Sonntags schau ich ab und zu einen gewissen Fußballtalk ;)

Auch, dass die EZB Griechenland-Anleihen nicht mehr als Sicherheit akzeptiert, war nicht mehr als eine Randnotiz.

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/EZB-akzeptiert-voruebergehend-keine-griechischen-Sicherheiten-mehr-1689459

Wozu das Thema auch aufbauschen? Wenn doch Griechenland trotzdem über „Emergency Liquidity Assistance“-Linien Geld von der EZB bekommen könnte.

Auch die auf CK schon mehrfach angesprochenen Target-2-Salden sprechen die gleiche Sprache.

http://www.cashkurs.com/Detailansicht.80.0.html?&cHash=482a8a8605&tx_t3blog_pi1[daxBlogList][showUid]=11488

Was bin ich froh, dass es immer noch keine „Transferunion“ gibt (Satire).

Und was gibt´s von den anderen Peripheriestaaten Neues?
Nahezu niemanden interessierte mehr, wer Italien das Geld für seine neuen 12 Milliarden Staatsschulden gab und zu welchem Zinssatz und warum überhaupt. Das Geld wird oder wurde gedruckt und fertig.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/anleiheauktion-italien-nimmt-mehr-als-12-milliarden-ein/6260842.html

Die spanische Nettoneuverschuldung ist salamitaktisch inzwischen bei 8,51% des Bruttoinlandprodukts angelangt. Interessiert hat´s ebenfalls fast niemanden, denn die zehnjährigen Torrero-Bonds handeln aktuell mit unter 5% auf dem tiefsten Zinsniveau seit langer Zeit.

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Spaniens-Defizit-viel-zu-hoch-article5612501.html

Gerade diese Zinsbewegung habe ich von den Basisdaten und insbesondere vom Risiko her nicht unbedingt verstanden, steht Spanien insgesamt alles andere als gut da.

Im Gegensatz zu Spanien zog die Rendite 5-jähriger portugiesischer Staatsanleihen seit dem letzten Rentenmarktkommentar wieder an. Hier dürften die Ängste der Marktteilnehmer derzeit recht groß sein.

Übrigens: Der Spread zwischen 10-jährigen deutschen Bunds und US-Staatsanleihen hat sich seit meinem Kommentar vom 17. Februar noch mehr ausgeweitet. Aufgrund der weiterhin guten Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten  liegen die US-Bonds inzwischen 0,15% über den Bunds.

Die hohen Rabatte der Autohersteller für Neuwagen sprechen hingegen in Deutschland nicht unbedingt für eine nachhaltige Konjunkturerholung.

http://auto.t-online.de/neuwagen-guenstig-wie-lange-nicht/id_54358694/index

Abschließend will ich nicht groß kommentieren, dass 84% der Bundestagsabgeordneten sich für das 130-Milliarden-Paket aussprachen, aber nach einer BamS-Umfrage 80% der Bevölkerung dagegen sind.

http://www.bild.de/politik/inland/griechenland-krise/bild-sagt-nein-teil-1-22845526.bild.html

Die Diskrepanz zwischen der Entscheidung der Volksvertreter und dem von ihnen vertretenen Volk ist schon enorm.

Wenn ich mich recht erinnere, war auch eine klare Mehrheit der deutschen Bevölkerung seinerzeit gegen die Aufgabe der D-Mark gewesen. Eine Währung ohne Bazookas, Rettungsschirme, Brandmauern, Systemrelevanz oder Hebelwirkung…

Bis zum nächsten Mal!