Die Lage an den Weltrohölmärkten lässt die daraus resultierenden Konsequenzen für die Wirtschaften in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten an die Oberfläche dringen.

Saudische Wirtschaft im Umbruch, Zukunft unklar

Was soll´s - meinten so manche Beobachter noch vor einigen Monaten. Schließlich sähe sich Saudi-Arabien doch dazu in der Lage, Rohöl zu $12 pro Fass zu produzieren. So schlimm werde es trotz der deutlich gesunkenen Ölpreise also schon nicht kommen.

Ich konnte und wollte mich dieser Ansicht niemals anschließen, allein schon deshalb nicht, da sich die saudische Wirtschaft in einer enormen Umbruchphase befindet, deren Zukunft klar auf eine Abkehr vom Ölgeschäft hindeutet.

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind breiter aufgestellt

In den Emiraten, wo ich mich zurzeit aufhalte, war man da schneller. Immerhin haben es die Scheiche hier geschafft, mittels ihrer Öleinnahme nicht nur eine florierenden Bauwirtschaft, sondern auch einen boomenden Tourismus aus dem Wüstenboden zu stampfen.

Auch der Finanzsektor wird in den Emiraten immer bedeutsamer, der dabei ist, sich zu einer Art Hub zwischen West und Ost zu entwickeln. Das reaktionäre Saudi-Arabien hinkt gewiss weit hinterher.

Budgetlücke wird mit Austeritätsmaßnahmen begegnet, die Privatwirtschaft leidet

Über das in den letzten Jahren im saudischen Staatsbudget klaffende Budgetdefizit hatte ich ein ums andere Mal berichtet. Die Einwohner des Landes haben sich im Angesicht der Ölentwicklung längst schon an Streichungen von einstigen Staatssubventionen und durch das Königshaus gewährten Privilegien gewöhnen müssen.

Doch es dürfte noch dicker für die Saudis kommen. Denn eine jüngst durch Reuters abgehaltene Ökonomenumfrage lässt darauf schließen, dass die saudische Wirtschaft im laufenden Jahr erstmals seit acht Jahren wieder schrumpfen wird. Einen großen Beitrag zu dieser potenziellen Schrumpfung soll der saudische Privatsektor liefern.

Denn es ist eben jener Sektor, der in den vergangenen Monaten recht bedeutsam unter den durch die Regierung verabschiedeten Austeritätsmaßnahmen zu leiden hatte. Das drückt auf Investitionen und Kaufbereitschaft. Wie aus der Reuters-Umfrage hervorgeht, rechnen die befragten Ökonomen für das laufende Jahr mit einer Wirtschaftsschrumpfung von 0,5%.

Erstmaliger Rückgang seit 2009

Im Monat Juli sah dies noch ein wenig anders aus. Bis dahin wurde noch immer von einem marginalen Wachstum der saudischen Wirtschaft in Höhe von 0,1% ausgegangen. Daten des Internationalen Währungsfonds zeigen, dass es sich um die erste Wirtschaftsschrumpfung seit dem Finanzkrisenjahr 2009 handeln würde.

Es verwundert kaum, dass sich die Bedenken an den Finanzmärkten im Hinblick auf das durch das saudische Königshaus vorgestellte „Wirtschaftsreformprogramm“ mehren. Denn neben Steueranhebungen lasten vor allem die Austeritätsmaßnahmen der Regierung und ein weiterhin enorm hohes Budgetdefizit auf der Privatwirtschaft des Landes.

Abhängigkeit von Öleinnahmen und Förderkürzungen drücken auf Prognosen

Seitens des Internationalen Währungsfonds, der noch immer mit einer Expansion der saudischen Wirtschaft in Höhe von 0,1% im laufenden Jahr rechnet, werden die Dinge auf ähnliche Weise gesehen. Die aktuellen Schätzungen könnten zu hoch liegen, so das interne Eingeständnis. Denn die saudische Wirtschaft sei nach wie vor zu stark von Öleinnahmen abhängig.

Auf dem saudischen Budget lastet auch die Tatsache, dass sich die Regierung innerhalb der OPEC + Russland auf einen Förderkürzungsdeal in Höhe von 1,8 Millionen Fass Rohöl pro Tag eingelassen hatte, um die Ölpreise zu stabilisieren und wieder anzukurbeln.

Frackingindustrie kommt in die Quere, Wirtschaftsschrumpfung eventuell sogar noch höher

Bislang vergeblich, da die amerikanische Frackingindustrie diesem Ansinnen in die Suppe gespuckt hat.  Die Ergebnisse lassen sich ablesen. Die Investitionen im Privatsektor Saudi-Arabiens sind nahezu zu einem Stillstand gekommen. Gleichzeitig sind die nicht auf die Ölproduktion fokussierten Bereiche im laufenden Jahr gerade einmal um 0,6% gewachsen.

Manche Ökonomen weisen darauf hin, dass sich die Datenlage seit Beginn des 3. Quartals weiter verschlechtert habe, weshalb im Jahr 2017 mancherorts gar noch mit einer bedeutsam höheren Schrumpfung der Wirtschaft in Höhe von bis zu 1,3% gerechnet wird.

Gleichzeitig soll das Budgetdefizit der saudischen Regierung laut der durch Reuters befragten Ökonomen im laufenden Jahr 8,1% in Relation zum BIP erreichen. Gegenüber den 12,3%, die im vergangenen Jahr ausgewiesen wurden, wäre dies zumindest eine Verbesserung. Trotz allem, so Ökonomen, sei das Defizit noch immer viel zu hoch, um langfristig tragbar zu sein.