Sie wissen, dass ich die Ausmaße der Wetten und Spekulationen an den Märkten immer wieder anprangere. Das bedeutet hingegen nicht, dass Spekulation an sich „böse“ ist. Die Spekulation, man könnte auch sagen „die Wette“, gehört zum Finanzmarkt genauso wie der Investor. Wenn die Aktienmärkte fallen, fragen viele Menschen: „Wenn in einem stark fallenden Markt doch alle verkaufen wollen, wer kauft dann eigentlich Aktien? Sonst käme ja gar kein Umsatz zu Stande und die Kurse würden ins Bodenlose fallen!?“

Und genau hier kommt der Spekulant ins Spiel. Er kauft, wenn alle verkaufen wollen. Nicht, weil er diese Aktie für toll hält, sondern weil er darauf wettet, dass sie jetzt tief genug gefallen ist und erstmal ein paar Tage steigen wird. Dann wird er auch ganz schnell wieder verkaufen. Umgekehrt gilt das genauso. Der Spekulant wirkt also praktisch als Puffer oder auch als Ausgleichsgewicht.

Es ist allerdings sehr wohl eine Frage der Dimension. Solange auf zehn Investoren ein Spekulant kommt, ist alles in Ordnung. Die Unternehmensergebnisse und die Interessen der Investoren bestimmen den Preis. Wenn aber, wie zurzeit, auf einen Investor zehn Spekulanten kommen, dann spielen die Unternehmen und die wirtschaftlichen Fakten kaum eine Rolle. Dann bestimmen die Wetten, die im Wesentlichen durch die Urinstinkte wie Gier und Angst getrieben sind, die Preise. Das führt dann zu den Exzessen, die wir in den letzten Jahren an den Finanzmärkten erlebt haben.

Was heißt das für uns? Dürfen wir spekulieren? Selbstverständlich! Aber bitte im richtigen Verhältnis. 90 Prozent ihres Vermögens sollte sicher und am Besten ethisch korrekt investiert sein. Dann spricht nichts dagegen, mit einem kleinen Teil auch mal eine Wette zu wagen, um das Gesamtergebnis der Geldanlage positiv zu beeinflussen. Die Ethik darf auch hierbei nicht unter die Räder kommen. Spekulationen in Grundnahrungsmitteln wie Reis, Mais und Weizen verbieten sich meines Erachtens von selbst.

Wohlgemerkt: Das gilt für Menschen mit der Bereitschaft und dem Fachwissen solche Risiken einzugehen. Wer sich damit nicht rundum wohl fühlt oder mit den entsprechenden Produkten nicht absolut vertraut ist, der darf das nicht anfangen. Der muss zum eigenen Wohle zu 100% in sicheren Anlageformen investiert bleiben, soweit das heute möglich ist.

Für diejenigen, die bereit sind, solche Wetten einzugehen, gibt es jedoch eine Unmenge an Regeln und Hintergründen – zum eigenen Schutz – zu beachten. Man sollte auch nie zu viel riskieren. Ich kenne viele vermeintliche Profis, die Haus und Hof verloren haben, weil sie zu hohe Risiken eingegangen sind. Natürlich gibt es auch sogenannte „Daytrader“, die ihren Lebensunterhalt nur mit diesen Wetten verdienen. Man kann aber mit guter Gewissheit davon ausgehen, dass von 10 Leuten, die dies probieren, 9 nach relativ kurzer Zeit pleite sind und nur einer es durch harte Arbeit, Lernbereitschaft und eiserne Disziplin schafft.

Das ist nicht unser Ansatz, wir wollen die Spekulation einsetzen, um für die Anleger, die etwas risikofreudiger sind, die Chancen an den Finanzmärkten zu erhöhen.

In diesem Zusammenhang werden wir in der nächsten Zeit immer wieder Tipps und Empfehlungen für interessante kurzfristige Spekulationen geben und auch auf wichtige Regeln und Vorsichtsmaßnahmen hinweisen.

Lassen Sie sich dennoch nicht zu irgendwelchen Handlungen verführen, hinter denen Sie nicht voll selbst stehen und deren mögliche Folgen Ihnen nicht vollkommen bekannt sind. Wir können niemanden „reich“ machen. Wir haben hier keine Kristallkugeln rumliegen, was ich täglich bedauere. Es sind Anregungen für Leser, die genau wissen, was sie jeweils tun, oder die bereit sind, sich intensiv mit dem jeweiligen Thema zu beschäftigen.

Es sind in keinem Fall Handlungsanweisungen oder Aufforderungen irgendetwas zu tun oder zu lassen, aber es sind interessante Anregungen, die eine oder andere kurzfristige Marktchance zu nutzen.

Kostolany sagte einmal: „Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muss spekulieren“

Ich widerspreche dem Altmeister hier und sage: „Jeder darf spekulieren, solange er es innerhalb seiner Verhältnisse tut und vor allem zu jeder Zeit weiß, was er tut.“

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