In diesen Tagen erreichen mich viele Anfragen mit der oben genannten Frage. Die Sorgen sind nachvollziehbar. Im Falle einer starken Inflation sind die Erträge, die aus einer Lebensversicherung zu erwarten sind ausgesprochen enttäuschend, um es vorsichtig auszudrücken. Im Falle einer Hyperinflation oder gar Währungsreform müsste vermutlich ein Totalausfall befürchtet werden.

Der größte Teil der Gelder wird bei Lebensversicherungen besonders zurzeit meist in Anleihen unterschiedlichster Bauart angelegt. Was ist, wenn da Anleihen von künftigen „Lehman´s“ dabei sind ? Was passiert, wenn die Anleiheblase platzt und diese Anleihen dramatisch an Wert verlieren oder ganz ausfallen?  Wie wahrscheinlich das jeweilige Szenario ist, muss jeder für sich selbst beantworten. Es sind zumindest Szenarien, die aus heutiger Sicht denkbar sind. Im Folgenden gehen wir auch darauf ein, was von der LV zu halten ist, wenn der Markt sich wieder beruhigt und anzieht.

Bitte verstehen Sie die folgenden Ausführungen nicht als Handlungsanweisung oder Empfehlung. Es sind meine persönlichen Gedanken zur LV aus heutiger Sicht. Machen Sie sich Ihre eigenen und treffen Sie jede Entscheidung unter sorgfältiger Abwägung selbst.

Also noch ein mal die Frage: „Soll ich meine Lebensverischerung verkaufen?“

Es gibt eine Menge Gründe, die dafür sprechen. Zunächst mal: Ich würde gar keine mehr abschließen. Ein großer Teil der Beiträge geht in den ersten 5 Jahren für Vermittlungsprovision und allerlei „Verwaltungskosten“ drauf. Das verzinst sich schon mal nicht. Das können ohne weiteres 5% der Versicherungssumme sein (Bei manchem Anbieter bis zu 9%!!). Bei 100.000 Euro Versicherungssumme starten Sie also mit einem Minus von 5000 Euro, die sie erst einmal einzahlen müssen, bevor Ihr Ansparkonto wächst. Das erkennen Sie bei Ihrer Versicherung an der Berechnungstabelle. Schauen Sie mal nach, wie lange es dauert, bis Ihr Rückkaufswert positiv wird/wurde. Alles davor waren Gebühren. Bitter, nicht wahr !? Die LV macht mit dem Geld auch nichts anderes, als es in handelsübliche Produkte anzulegen. Das kann ich auch selbst. Aber im Unterschied zu meiner Anlage zieht die LV noch einen große Batzen für Verwaltungsgebühren, Vermittlungsprovision, Versicherungsschutz, „Man-weiß-ja-nie-was-noch-kommt-Reserven“ und natürlich ihren eigenen üppigen Gewinn ab. Wieso sollte ein junger, alleinstehender Mensch oder auch ein älterer Single einen Todesfallschutz abschließen!? Grundsätzlich sollte man keine Finanzprodukte vermischen. Mal brauche ich Senf, mal Marmelade. Je nach Situation. Aber wenn ich es mische, kommt etwas heraus, das ich vermutlich nie gebrauchen kann. Wer seine Familie absichern will, der kann eine reine Risiko-LV abschließen. Die Kosten sind hier sehr überschaubar. Wer Vermögen aufbauen will, soll es mit Produkten tun, die ausschließlich hierfür optimiert sind. Das können Aktien, Fonds, Anleihen oder was auch immer sein. Hier weiß er wenigstens, was er gekauft hat und kann jederzeit sagen „Die Aktien sind in den letzten Jahren sehr stark gestiegen, ich steige da mal aus und gehe einige Jahre mehr auf Nummer sicher. Ich erhöhe den Anteil der Anleihen“. (zugegeben, diesen Satz würde heute niemand sagen, er ist exemplarisch ;-) )

Bei der LV kaufen Sie eine „BlackBox“. Sie haben keine Ahnung, in welche Produkte das Unternehmen gerade investiert und ob da gerade einer ihre Altersvorsorge versemmelt.

Erfahrungsgemäß agieren die LV-Unternehmen auch nicht besser als andere Investoren, um es freundlich auszudrücken. Auch in den Jahren 2000 bis 2003 haben sich die LV viel zu spät von ihren damals hohen Aktienquoten getrennt. Zu dieser Zeit hatten sie Aktienquoten von bis zu 25%. Viele Versicherer haben die letzten Aktien dann zum absoluten Tiefstkurs rausgeschmissen. Erst Jahre später haben sie ihre Aktienquote –zu wesentlich höheren Kursen- wieder hochgefahren, wenn auch aufgrund gesetzlicher Vorgaben nie mehr auf die Niveaus vor 2003, um dann im Einbruch ab 2007 wieder zu spät zu reagieren. Die langsamen LV-Tanker sind einfach viel zu träge. Auch jetzt haben sie ihre Aktienquote in den letzten Monaten auf nahe Null gesenkt. Sie sitzen also auf einem riesigen Berg Anleihen. Wenn – wie wir erwarten – in einigen Monaten die Anleiheblase platzt oder auch nur die Renditen aufgrund hoher Inflation deutlich ansteigen, schmieren die Anleihepreise ab und somit auch Ihr bei der Versicherung angelegtes Geld.

Im Falle einer Hyperinflation können Sie sich von ihrem Geld bei der LV ohnehin größtenteils verabschieden. Wer vor der Hyperinflation 1923 jahrelang eingezahlt hatte, konnte mit dem Geld, das er dann ausgezahlt bekam, gerade mal einen Kinobesuch bezahlen.

Darüber hinaus haben Sie das theoretische Risiko einer Pleite des Versicherungsunternehmens. Klar, es gibt einen Sicherungsfonds Namens Protektor. Dieser hat bei der Pleite der Mannheimer LV vor einigen Jahren mit Ach und Krach das nötige Geld bei den anderen Versicherungsunternehmen zusammengekratzt um die Mannheimer LV aufzufangen. Die Kunden müssen nicht mehr auf überschwängliche Renditen hoffen. Wenn ein großer Versicherer kippt, ist zu befürchten, dass  diese Auffanggesellschaft genauso versagt wie der Einlagensicherungsfonds der Banken. Und ob die Regierung im Stande wäre, einen großen Versicherer zu stützen, halte ich für sehr fraglich.  

Selbst ohne diese Extremrisiken sind die Renditen der LV ausgesprochen überschaubar. Die garantierte Rendite wurde in den letzten Jahren auf 2,25% gesenkt, weil die Versicherer so besch….eiden gewirtschaftet hatten, dass manche hätten Konkurs anmelden müssen, hätten sie weiterhin 3,25%  garantieren müssen wie bis 2003. Ab 2004 waren es dann 2,75% und 2007 ging es dann auf heute 2,25% herab.  Diese Garantieverzinsung gilt für nach diesem Zeitpunkt abgeschlossene Verträge. Wer noch alte Verträge hat, hat unter Umständen noch eine Garantieverzinsung von 3 oder 4 Prozent. Bitte prüfen Sie das im Einzelfall. Wohlgemerkt : Diese Garantieverzinsung gilt nur für den Teil Ihrer Beiträge, der nicht zuvor für Gebühren und Verwaltung abgezogen wurde. Die echte Verzinsung liegt also deutlich niedriger. Es kommen zwar noch die Überschussbeteiligungen hinzu, aber eben nur, wenn der Versicherer auch Überschüsse erwirtschaftet. Im Jahr 2003 wurden manche Versicherer gerettet, indem man ihnen erlaubte, die Kursverluste ihrer Anlagen von der Steuer abzusetzen. Die Gewinne davor hatten sie allerdings nicht versteuern müssen. Das nennt man Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Aber sonst hätte es vermutlich bereits damals den einen oder anderen weiteren Versicherer gerissen.

Gut, ich war jung, ich brauchte das Geld…nein im Ernst, ich habe in jungen Jahren ebenfalls eine LV abgeschlossen ausgerechnet auch noch bei der Mannheimer Lebensversicherung.

Eine kapitalbildende Lebensversicherung war damals normal. Der wichtigste Pfeiler der Altersvorsorge war eine LV. Das denken auch heute noch viele, aber nach den obigen Zeilen sollte sich dieser Mythos geklärt haben.

Jetzt ist das Kind im Brunnen, ich habe diese LV nun mal vor vielen Jahren abgeschlossen und eine Menge Monatsbeiträge eingezahlt. Was nun?    

Grundsätzlich gibt es  fünf Möglichkeiten:

- weiterzahlen wie bisher

- Versicherung kündigen und rausholen, was noch übrig ist

- Versicherung verkaufen (ja, das gibt´s)

- Beitragsfrei stellen

- Versicherung beleihen (Policendarlehen)

Weiterzahlen wie bisher und hoffen, dass der Müller zu schwarz sieht und die Versicherer schon wissen, wie sie mein Geld optimal anlegen. Das sollte man vor allem dann in Erwägung ziehen, wenn der Vertrag nur noch sehr kurz läuft.

Versicherung kündigen

Es ist keinesfalls so, dass man in jedem Fall „Verlust“ macht. Wenn der Vertrag schon lange läuft, kann es sein, dass der Rückkaufswert bereits die Summe der eingezahlten Beiträge erreicht oder mit geringer Verzinsung bereits überschritten hat. Man bekommt aber auf jeden Fall weniger Geld heraus, als wenn man auf die Schlusszahlung gewartet hätte. Bei „jungen“ Verträgen ist das natürlich anders. Da liegt der Rückkaufswert oft deutlich unter den eingezahlten Beiträgen und das nennt man nun mal Verlust.

 Aber ich sage, es ist wie mit den Aktien. Der Verlust ist bereits entstanden. Man entscheidet jeden Tag neu, ob man auch heute wieder auf dieses Pferd setzt. Hier kommt allerdings hinzu, dass man auf den Batzen der Schlussbeteiligung verzichtet und unter Umständen sogar noch eine Stornogebühr verrechnet wird.

Andererseits wirft man kein Geld mehr hinterher und kann den ausgezahlten Betrag erfolgversprechender anlegen.

Wenn der Vertrag allerdings noch keine 12 Jahre besteht, werden Steuern fällig.

Hier sollte man den Einzelfall mit dem Steuerberater des Vertrauens besprechen.

Versicherung verkaufen

Der Verkauf einer LV kann gegenüber der Kündigung auch steuerliche Vorteile haben. Das ist aber im Einzelfall zu prüfen. Seriöse Aufkäufer von LV versprechen eine um bis zu 2-15% höhere Auszahlung als bei der Kündigung der LV fällig würde. Man sollte aber wohl eher vom unteren Ende ausgehen. Hinzu kommt, dass Aufkäufer längst nicht alle Verträge aufkaufen. Meist nur von bestimmten deutschen Versicherern, mindestens 5000-10000 Euro Rückkaufswert usw. Man sollte sich hier mehrere Angebote machen lassen.

In der Regel bleibt Ihnen bei dieser Variante sogar ein teilweiser Todesfallschutz erhalten. Die Todesfallsumme ist ja meist wesentlich höher als der momentane Rückkaufwert. Dieser Unterschiedsbetrag bleibt Ihnen als Todesfallschutz erhalten, auch wenn Sie die LV verkauft haben. Die Summe sinkt im Laufe der Jahre um die Beiträge, die der Aufkäufer an Ihre Versicherung bezahlt. Im Prinzip ist der Verkauf einer LV der Kündigung vorzuziehen.

Der Marktführer ist die Firma „cashlife“. Ich habe hier allerdings keine Erfahrungswerte und kann daher weder eine Empfehlung  für cashlife aussprechen noch davon abraten.

Beitragsfrei stellen

Wenn noch kein Rückkaufswert vorhanden ist, nutzt Ihnen die Einstellung des Beitrages auch nichts. Es ist ja kein Kapital vorhanden, das sich verzinsen oder entwickeln könnte. Wenn ein Rückkaufswert bereits vorhanden ist, wird das angesparte sich dann mit der zum Zeitpunkt ders Vertragsabschlusses zugesagten Garantieverzinsung von z.B. 2,25% verzinsen. Dazu kommen noch – falls erwirtschaftet- Überschussanteile. Verwaltungskosten werden weiterhin abgezogen, so dass man nicht mit allzu überschwänglichen Erwartungen auf die Auszahlung hoffen sollte.

Policendarlehen

Man nimmt ein Darlehen auf die Versicherung auf. Allerdings sind die Zinsen hierauf wesentlich höher als die Erträge auf die Versicherung. Das ist also nur interessant für Menschen mit einem kurzfristigen Kapitalbedarf, die ihre Versicherung aus welchem Grund auch immer auf keinen Fall kündigen wollen.

Wie auch immer Sie sich entscheiden. Prüfen Sie Ihren persönlichen Fall sehr gut. Oft gibt es steuerliche Aspekte oder die LV wurde in ein steuerliches „Großkonzept“ eingegossen. Besprechen Sie jeden Schritt in diesem Fall unbedingt mit Ihrem Steuerberater, sonst kann es unangenehme Überraschungen geben. Das gleiche gilt, wenn Ihre LV gleichzeitig eine Berufsunfähigkeitsversicherung beinhaltet. Geben Sie diesen wirklich wichtigen Schutz keinesfalls leichtfertig auf.

Sie sehen, es gibt sehr viele Spezialfälle und jeder Versicherungsvertrag ist ein wenig anders. Da sind im Laufe der Jahrzehnte eine unüberschaubare Anzahl an Vertragsvarianten entstanden und wieder verschwunden. Prüfen Sie bitte jeweils Ihren Einzelfall ganz genau.

Haben Sie all diese Dinge über Ihre Lebensversicherung gewusst, als Sie diese abgeschlossen haben ? Nein? Wieso haben Sie sie dann abgeschlossen?

Sie dürfen nichts kaufen, das Sie nicht vollumfänglich verstanden haben. Erinnern Sie sich?

Aber keine Selbstvorwürfe, mir ging es damals ja nicht anders und auch ich hatte die LV abgeschlossen, ohne auch nur ansatzweise zu wissen, auf was ich mich da für die nächsten 40! Jahre eingelassen hatte.  Wichtig ist vor allem, dass man daraus lernt.

Ich hoffe, Ihnen ein wenig bei Ihrer eigenen Entscheidungsfindung geholfen zu haben. Aber ganz klar: Diese Entscheidung hängt von sehr vielen Einzelfaktoren ab, die die jeweilige persönliche Lebenssituation betreffen. Das können Sie nur selbst entscheiden. Ich kann Ihnen hier keinen seriösen Rat geben, der für alle Menschen gleichermaßen gilt. Ich kann nur versuchen, Ihnen die verschiedenen Aspekte aus MEINER Sicht aufzuzeigen. Völlig subjektiv und ohne Anspruch auf Absolutheit.

Und um die Frage zu klären: „Müller, was hast Du eigentlich mit Deiner Kapital-LV gemacht?“

Ich hab sie rausgeschmissen, damit ich mich nicht noch jahrelang bei jeder Abbuchung darüber ärgern muss.

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