Umfragen aus den USA führen derzeit zu unterhaltsamen Ergebnissen. So sagen 60% ihnen bereite das Sparen mehr Freude als der Konsum. Der aktuelle Anstieg des Konsums fällt somit vermutlich in die Kategorie Selbstgeißelung …

Da der steigende Konsum nicht von steigenden Realeinkommen begleitet wird, ist die Sparquote in den freien Fall übergegangen. In den USA setzt sich also in Anlehnung an Kennedy der Satz „frag nicht was der Einzelhandel für Dich tun kann, frage was Du für den Einzelhandel tun kannst“ durch. Möglicherweise orientieren sich die US-Bürger aber auch an der Brüsseler Definition des Sparens, die stets mit wachsenden Ausgaben verbunden ist.

Vielleicht liegt es auch an der Bequemlichkeit. Sparen ist bekanntlich der ärgste Feind des Online-Handels. Selbst wer im Internet einkauft muss sich noch bewegen. Der Sparer entledigt sich lästiger Aufgaben wie dem Anschalten des Rechners oder der langwierigen Auswahl von Produkten. Einfacher geht’s nicht!

Die Sparquote hat sich im dargestellten Zeitraum übrigens per saldo nicht verändert. Mit 2,7% rückt sie heute wie damals bereits wieder der Null auf die Pelle. Im längerfristigen Verlauf ist ein deutlicher Niedergang seit den 80er Jahren zu erkennen. Dieser Zeitraum geht einher mit der größten Aktienhausse in der US-Geschichte von 1982 bis 2000.

Die letzten Jahre haben den meisten Bürgern in den Staaten finanziell wenig gebracht. Abgesehen von älteren Menschen hat die Beschäftigungsquote abgenommen. Die Realeinkommen sind gesunken und die etwas einfältige Hoffnung, ein Studium rechtfertige jeden Kredit, entpuppt sich für viele als Bumerang. Möglicherweise ist das Ergebnis der Umfrage auch darauf zurückzuführen, dass sich viele Menschen gar nichts oder nur das nötigste leisten können. Der Spaßfaktor beim Brotkauf ist sicher vernachlässigbar im Vergleich zu den rauschhaften Massenbewegungen in Shopping-Malls (zumindest in denen, die noch gut besucht sind).

Die in Auflösung befindliche Mittelschicht leidet noch immer unter den Folgen der hohen Verschuldung aus den Zeiten des Immobilienbooms. Die meisten Menschen haben den größten Teil ihres Vermögens, oder besser gesagt ihrer finanziellen Kapazitäten, auf das Haus konzentriert. In der persönlichen Bilanz sind die Wohnungen und Bungalows nach wie vor der mit Abstand größte Teil. Daran haben die zahlreichen Zwangsvollstreckungen und die vemehrte Rückkehr zur nicht billigen aber flexiblen Mietbehausung nur wenig geändert….

Die folgende Grafik zeigt den Gleichlauf der Quote der Eigentümer mit den Hauspreisen. Wie in deutschen Metropolen haben sich viele in den Staaten von anderen oder von sich selbst in den Kauf quatschen lassen. Die Preise steigen, das geht immer so weiter, da muss man doch kaufen. Ein assetklassen-unabhängiger Klassiker. Das klappt zwar nie, hat aber dem Kaufrausch hüben wie drüben nicht geschadet. Die finanziellen Folgen sind bekannt.

Bei einer anderen Assetklasse sieht die Lage seit Jahren anders aus. Auch nachdem die Zentralbanken offen angekündigt haben, die Assetpreise generell in die Höhe treiben zu wollen, haben die Aktien Interessenten verloren. Angesichts der desolaten finanziellen Lage vieler Haushalte sollte man daraus nicht, wie dies manchmal getan wird, ein Sentiment-Signal ablesen. Wer kein Geld hat, ist nicht zwangsläufig bärisch, weil er keine Aktien kauft.

Der Anteil der Aktienbesitzer an der Bevölkerung sinkt seit dem im Spitzenwert des Jahres 2007. Das hatte auch der Bärenmarkt der Jahrtausendwende nicht geschafft. Damals blieb die Quote stabil. Vielleicht liegt es noch am Schock, dass der Dow Jones vom damaligen Allzeithoch in 517 Tagen um mehr als 50% gefallen war. Vielleicht geht den meisten Bürgern auch einfach das Geld zum Investieren aus. Vielleicht ist es auch beides.

Man darf gespannt sein, ob sich an diesem Trend etwas ändert, bevor die Fed den Bürgern das Geld direkt auf die Konten bucht. Andernfalls hätten die Europäer den Amerikanern sicher noch einige wertvolle Ratschläge zu erteilen. Denn mit Sparen ohne zu Sparen kennt man sich in Brüssel aus.

Also, liebe Amerikaner: Bei einer Sparquote von 2,7% hört der Spaß auf. Es muss Schluss sein mit der Knauserigkeit bevor Ihr Euch kaputtspart …

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