Witz

Da gibt es diesen Witz. Zumindest dachte ich bisher, es wäre ein Witz. Vielleicht ist es tatsächlich ein Witz. Spiegel-online jedenfalls führt die Geschichte in Ihrer Witze-Kategorie auf.

Auch auf die Gefahr hin, dass Sie ihn schon kennen, erzähle ich ihn an dieser Stelle mal. Also:

Ein amerikanisches Schiff ortet ein fremdes Objekt, das seinen Weg versperrt. Der US-Kapitän: "Bitte ändern Sie Ihren Kurs 15 Grad nach Norden, um eine Kollision zu vermeiden." Antwort: "Ich empfehle, Sie ändern Ihren Kurs 15 Grad nach Süden, um eine Kollision zu vermeiden." Amerikaner: "Dies ist der Kapitän eines Schiffs der US-Marine. Ich sage noch einmal: Ändern Sie Ihren Kurs!" Antwort: "Nein. Ich sage noch einmal: Sie ändern Ihren Kurs!" Der Amerikaner wird wütend: "Dies ist der Flugzeugträger 'USS Lincoln', das zweitgrößte Schiff in der Atlantikflotte der Vereinigten Staaten. Wir werden von drei Zerstörern, drei Kreuzern und mehreren Hilfsschiffen begleitet. Ich verlange, dass Sie Ihren Kurs 15 Grad nach Norden, das ist Eins-Fünf-Grad nach Norden, ändern, oder es werden Gegenmaßnahmen ergriffen, um die Sicherheit dieses Schiffes zu gewährleisten!" Antwort: "Dies ist ein Leuchtturm. Sie sind dran."
Dazu gibt es ein nettes Video: https://www.youtube.com/watch?v=Ekz9EyF14UU

Sogar in Wikipedia kann man dazu nachlesen:

Die Sage beschreibt die Kommunikation zwischen einem Flugzeugträger und einem Leuchtturm. Die Besatzung des Kriegsschiffes verlangte eine Kursänderung des Leuchtturmes, den sie für ein Schiff auf Kollisionskurs hielt. Der Leuchtturmwärter lehnte dies ab und die Konversation eskalierte. Der Flugzeugträger, gelegentlich auch als Flaggschiff einer ganzen Flotte dargestellt, verlangte zunehmend drohend eine Kursänderung. Am Ende drohte der Kommandant des Kriegsschiffes mit seiner gesamten in See befindlichen Flotte und bekam zurückgemeldet: „Wir sind ein Leuchtturm. Bitte kommen!“

Formal ist der zugehörige Witz seit den 1930er Jahren bekannt. Die ersten Erwähnungen waren Zeichnungen, es wurde dabei eine Konversation per Megafon zwischen einem Offizier und einem Leuchtturmwärter abgebildet, beide stehen an der Reling, aufgrund von Nebel oder Bildausschnitt ist der Unterschied von Leuchtturm und Schiff zunächst nicht zu erkennen. Seit etwa 1995 findet die moderne Sage Verbreitung im Internet und wird dabei oft als tatsächliche Mitschrift verbreitet, die etwa vom U.S. Chief of Naval Operations freigegeben worden sei.

Mehrfach sind Medien auf die Story hereingefallen, so 2016 Focus online.

Kein Witz

Mitte Juni ist ein US-Zerstörer vor der japanischen Küste mit einem philippinischen Containerschiff zusammengestoßen. Die Kollision habe sich nachts, rund 100 Kilometer südwestlich der Stadt Yokosuka auf einer stark befahrenen Schifffahrtsroute ereignet, teilte die amerikanische Marine mit.

Na ja, das muss man verstehen. „nachts“ heißt: es war dunkel. Man kann da nicht so gut sehen. Und überhaupt, der Unfall ist auf einer „stark befahrenen“ Route passiert. Wenn man bei Dunkelheit irgendwo unterwegs ist, wo viel Verkehr herrscht, kann man schon mal mit einem 29.000 Tonnen-Frachter zusammenstoßen. Da bin ehrlich. Das könnte mir auch passieren.

Sieben Seeleute von der Besatzung der „USS Fitzgerald“ werden vermisst, wie die US-Marine bestätigte. Einige von ihnen könnten über Bord gegangen sein. Über eine mögliche Anzahl an Verletzten gab es zunächst keine offiziellen Angaben.

Das Kriegsschiff sei auf der rechten Seite ober- und unterhalb der Wasseroberfläche beschädigt worden und es sei Wasser eingedrungen, teilte die Küstenwache weiter mit. Die Antriebskraft der „USS Fitzgerald“ sei verringert, da das Schiff unterhalb der Wasserlinie Schäden davongetragen hätte. Drei Schotten seien teilweise geflutet. Das Schiff sei aber aus eigener Kraft auf dem Rückweg nach Yokosuka.

Na also. Sie haben es noch aus „eigener Kraft“ geschafft. In Stresssituationen wachsen Technik und Mannschaften der US-Flotte über sich selbst hinaus. Gottseidank sind wir mit denen verbündet!

Die US-Marine teilte mit, die Kollision sei rund 103 Kilometer südwestlich der Stadt Yokosuka passiert. Yokosuka liegt südlich der japanischen Hauptstadt Tokio und ist der Heimathafen der 7. US-Flotte. Nächstes Mal bleibt Ihr einfach schön im Heimathafen und niemandem passiert was. Ist auch viel kostengünstiger.

Auch kein Witz

Das Kriegsschiff "USS John S. McCain" ist vor ein paar Tagen mit einem Handelsschiff unter liberianischer Flagge zusammengestoßen. Zehn US-Seeleute werden vermisst, fünf weitere sind verletzt.

Das Schiff heißt John McCain. So wie der US-Republikaner. Der ja bekannt ist als Falke im Weißen Haus. Manche nennen ihn auch Kriegstreiber. Das sollte man nicht machen. Er ist jetzt schwer krank. Hirntumor. Das Kriegsschiff wurde aber nicht nach ihm, sondern nach seinem Vater und Großvater benannt, die beide Generäle waren.

Dieses Schiff ist nun östlich von Singapur mit so einem kleinen Handelsschiffchen zusammengestoßen. So ein Handelsschiff ist ja nur so ungefähr 50 x größer als das Kriegsschiff, schätze ich frei nach Bildern, die ich gesehen habe. Das kann man schon mal übersehen. Auch am hellichten Tag, nicht wahr. Kann jedem Mal passieren.

Die US-Marine teilte mit, fünf Seeleute seien bei der Kollision verletzt worden. Vier von ihnen seien von einem singapurischen Marinehubschrauber in ein Krankenhaus in dem Stadtstaat gebracht worden. Zehn weitere würden derzeit vermisst.

Im Guardian meldete sich der Marineschriftsteller David Larter zu Wort: "Die Anzahl an Pannen, die für einen solchen Zwischenfall passieren müssen, lassen ihn zu einem sehr seltenen Ereignis werden. Seeleute beobachten ihre Radargeräte rund um die Uhr, mehrere von ihnen schieben Wache auf der Brücke, wo es auch Radar gibt und es gibt mindestens einen Wachposten am Schiffsende, der genau diese Art von Unfällen vermeiden soll." Um die genaue Unfallursache zu benennen, sei es noch zu früh. Dass aber gleich zwei Kollisionen dieser Art in einem Sommer passiert sind, bezeichnet Larter als "atemberaubend“.

Lieber Herr Larter, atmen Sie entspannt weiter. Da war bestimmt auch viel Verkehr vor der Küste Malaysias. Wenn man rund um die Uhr auf die Radargeräte schaut, kann es schon passieren, dass man das Schiff neben einem nicht sieht.

Über die kleineren Kollisionen dieses Jahres wollen wir mal nicht reden. Da wurde schließlich niemand verletzt.

Mich wundert, dass Putin die Frachter und Handelsschiffe nicht gesteuert hat. Normalerweise machen ihn unsere Medien doch immer gleich als Hauptschuldigen aus.

Die Russen haben schließlich technische Störgeräte zur Verfügung, die so manchem Betrachter eines Radars Dinge vorgaukeln können, die es gar nicht gibt. Zumindest erzählt man das in Fachkreisen.

Jedenfalls stellen die USA jetzt erstmals ihre Marineoptionen ein. Und zwar weltweit, wird gemunkelt. Man muss erst mal seine Schiffe unter Kontrolle bringen, bevor man wieder damit auf den Ozeanen der Welt rumschippert.

Zweifel am Witz

Vielleicht ist das Leuchtturmgeschichtchen ganz oben doch kein Witz. Zweifel beginnen an mir zu nagen… Nein, wird schon ein Witz sein, oder?