In den Vereinigten Staaten macht sich die Erkenntnis breit, dass es der heimischen Wirtschaft keineswegs so gut geht, wie Regierung und Federal Reserve es kommunizieren und es gerne hätten. Dies gilt auch mehr als sechs Jahre nach dem offiziellen Ende der „großen Rezession“. Von einer vermeintlichen Erholung der Wirtschaft haben die meisten Amerikaner bis heute noch nicht allzu viel mit- oder abbekommen. Wie werden sich die Dinge erst auf die breite Bevölkerung auswirken, wenn es zu einer neuen Rezession im Land kommen sollte?!

Unter Amerikas Professoren wird zur Zeit die Frage aufgeworfen, ob die Federal Reserve mit ihrem seit Monaten genährten Ausblick auf Zinsanhebungen vielleicht schon eine sanfte Landung der Wirtschaft herbeigeführt hat. Jetzt, nachdem auch noch China in den Ring der globalen Währungsabwertungen mit eingestiegen ist, dürften auf Amerikas Unternehmen und Wirtschaft noch einige Probleme ganz anderer Art zurollen (ich berichtete).

Warum ist der Schlüsselleitzins bei nahe 0% ?!

Endlich kursiert unter Professoren und Analysten des Landes auch einmal die Frage, warum die Federal Reserve ihren Schlüsselleitzins nun seit dem Jahr 2008 konstant bei nahe 0% hält. Ginge es der amerikanischen Wirtschaft so gut, hätten die Zinsen in den Vereinigten Staaten doch gewiss schon vor recht langer Zeit damit begonnen, zu steigen. Doch nach wie vor hängt die US-Wirtschaft im Angesicht der Nullzinspolitik an einer Art Lebenstropf.

Könnte es nicht vielleicht der Fall sein, dass Null- oder gar Negativzinsen zu einer neuen Normalität an den Finanzmärkten und im Firmensektor avanciert sind? Eine Normalität, die sich nicht mehr umkehren lässt? Würde Amerikas Wirtschaft im Zuge von kletternden Zinsen überhaupt noch Wachstum erzeugen? Oder würde Amerika in die Rezession stürzen? Dabei handelt es sich gewiss weder um einfache noch um zu vernachlässigende Fragen.  

Wie sich zeigt, sind nicht nur die Inflationserwartungen in den letzten Monaten in den Keller gesunken, sondern es gibt auch eine Reihe von anderen Faktoren, die sich seit dem Ende des QE-Programms der Federal Reserve seit Ende letzten Jahres beobachten lassen. Zum Beispiel enthält die US-Zinskurve inverse Elemente, worauf ich – wie auch im Fall Kanadas – bereits vor mehreren Monaten eingegangen bin. 

Wer auf die amerikanischen Aktienmärkte blickt, erkennt, dass Dividendentitel in den letzten sechs Monaten nur noch seitwärts gelaufen sind. Dazu erlebte der tot gesagte US-Dollar eine Rallye von etwa 20% gegenüber den wichtigsten Papierwährungen der Welt. Auf einen Vergleich mit einzelnen Schwellenländern, möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen. An den Rohöl- und Rohstoffmärkten kam es seitdem zu signifikanten Preisrückgängen.

Obamacare rettet vor Rezession

Das Wachstum haut in den Vereinigten Staaten auch niemanden mehr vom Hocker. Oft sind es Sonderereignisse – wie zum Beispiel – Obamacare, die es bis heute womöglich verhindert haben, dass es in den USA zu zwei aufeinanderfolgenden Quartalen einer Schrumpfung der Wirtschaft gekommen ist, womit eine technische Rezession vorgelegen hätte. Wer zudem auf die Lohnentwicklung in den USA blickt, wird wohl nicht umhin kommen, als nicht mehr allzu hohe Erwartungen in den amerikanischen Konsum zu haben

Erkennt FED den Ernst der Lage ?

Nicht nur bei Goldman Sachs, sondern auch unter einer Vielzahl von anderen amerikanischen Banken und Brokerhäusern scheinen sich die Sorgen zu mehren, dass die Federal Reserve den Ernst der Lage an den Märkten verkennen könnte. So wie der ehemalige  Fed-Chef Greenspan einst durch seine Zinspolitik die Immobilienblase hatte platzen lassen, so könnte auch Janet Yellen im Angesicht einer bevorstehenden „Zinsnormalisierung“ schon bald zum Buhmann der Nation werden.

Wo genau der Normalzins nach den endlosen Eingriffen der Zentralplaner in die Märkte denn eigentlich liegen müsste, weiß kein Mensch mehr so genau. Diese Frage wurde in dieser Woche durch Alan Greenspan höchst selbst im Rahmen eines Interviews auf Bloomberg TV aufgeworfen (ich berichtete). Bei Fulcrum Asset Management sieht man den Pfad für eine neue Rezession in den USA allein schon auf der Grundlage des Stopps des QE-Programms der Fed geebnet.

Damit sei bereits eine deutliche Verschärfung der Geldpolitik einhergegangen, welche die amerikanische Wirtschaft und deren Unternehmen bereits zu spüren bekommen hätten. Daher bewege sich der Offenmarktausschuss der Federal Reserve im Hinblick auf das wiederholte Gerede über bevorstehende Zinsanhebungen auf nur sehr dünnem Eis.

Doch kein Mitglied des Fed-Offenmarktausschusses wird dies – wenn es soweit sein sollte – zugegeben. Sollte es zu einer neuen Rezession in den Vereinigten Staaten kommen, werden hierfür ganz gewiss einmal mehr andere Ereignisse als das Versagen der eigenen Geldpolitik verantwortlich gemacht! Vielleicht dürfen dann China oder Russland den Kopf hinhalten.