Eigentlich ist nach der Lehman-Pleite 2008 nichts mehr so wie es einmal war. Die Rettungsaktionen durch gewaltige Schuldenaufnahmen bei gleichzeitig großherziger Blankoscheckpolitik, insbesondere der US-Notenbank, haben zwar die schlimmste Krise abgewendet. Diese künstliche Rettung, die den Stabilitätsgedanken vorführt wie ein Ochse am Nasenring, hat früher oder später einen hohen Preis.

Die Rettung der Finanzwelt hat einen hohen Preis

Bereits aktuell zeigt sich, dass die Rettung der Finanzwelt mit viel und billigem Geld Konsequenzen hat. In den USA heißen diese Konsequenzen Inflationierung und werden auch noch über Niedrigzinsen und Liquiditätsaufblähungen kaum verdeckt begünstigt. Wie sonst sollte man auch die Staatsverschuldung abbauen? Mit Bordmitteln einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik ist das so utopisch wie für mich die Erreichung eines Idealgewichts. Hier zeigt die angeschlagene Supermacht dem Rest der Welt übrigens immer noch ihre granitharten Zähne. Die Preiskeule ist zu einem wahren Exportschlager geworden. Denn es ist klar, dass die Liquidität nicht im US-Inland bleibt, sondern über Kapitalflüsse weltweit in die verschiedensten Investment- und Anlageklassen transferiert wird.

Konsequenz sind dynamische Preisschübe, insbesondere bei Energie und Agrarrohstoffen. Praktisch jedes landwirtschaftliche Produkt ist innerhalb der vergangenen 12 Monate im Preis explodiert. Und meiner Meinung nach ist der Druck bei den Lebensmittelpreisen auch ein entscheidender Brandbeschleuniger für die Unruhen in Nordafrika und der arabischen Welt.

Kürzlich erklärte Ben Bernanke vor dem Bankenausschuss des US-Senats, dass man sich über Inflation nicht wirklich Sorgen machen müsse. Richtig, und die Erde ist eine Scheibe. Die Geister, die die US-Notenbank rief, wird die Finanzwelt in Form einer nachhaltigen Inflation so schnell nicht wieder los, im Gegenteil.

China will vom Fliegenfänger der US-Geldpolitik loskommen

Unterdessen versucht China alles, um den amerikanischen Inflationsfluch abzustreifen. Jedes Land hat sein Trauma. In den USA ist es die Depression, in Deutschland die Inflation und in China ist es die Hungersnot. Daher scheut China rasant steigende Lebensmittelpreise, wie der Karnevalist den Aschermittwoch.

Also unternimmt China alles, um vom Fliegenfänger der US-Fed loszukommen. Die chinesischen Im- und Exporteure sollen daher künftig ihren Außenhandel in Yuan abwickeln und den US-Dollar links liegen lassen. Das ist schlicht und ergreifend eine Revolution an den Devisenmärkten. Auch wenn dieser Prozess sicherlich nicht über Nacht geschieht, wird der Einfluss der Fed auf China via Zinsen, Rohstoffpreise und Inflation damit geringer. Der Weg in eine frei konvertierbare chinesische Währung, besser gesagt Weltwährung, ist somit geöffnet.

Lockere Hand der US-Geldpolitik bleibt gefragt

Dagegen wird der Dollar, zumindest als alleinige Leitwährung, seine Tage zählen. Normalerweise hätte dieser Reputationsverlust den Nachteil, dass der Absatz von US-Staatsanleihen schleppender verläuft und nur zu höheren Renditen möglich ist. Aber gräme Dich nicht Amerika! Die US-Notenbank wird diesen marktwirtschaftlich gerechtfertigten Prozess mit anhaltender Monetisierung von US-Staatsschulden noch konsequenter konterkarieren und dafür gerne Inflation in Kauf nehmen (müssen).

Zurück zur Ausgangsfrage: Was ist der Unterschied zwischen dem Yeti und einer stabilen US-Geldpolitik? Der Yeti soll schon einmal gesichtet worden sein.

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