Immer mehr Schwellen- und Entwicklungsländer befinden sich am Rande eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Hier und dort werden reiche Geberländer dazu aufgefordert, sich im Rahmen einer internationalen Schuldenkonferenz mit einer Schuldenstreichung zugunsten der wirtschaftlich ärmsten Nationen auf unserem Planeten zu beschäftigen.

Und dann gibt es da natürlich auch noch internationale Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds oder die Weltbank, die im Fall von bevorstehenden Länderbankrotten in Form einer Feuerwehr einspringen, indem Nothilfekredite vergeben werden, die an ganz spezifische Bedingungen gekoppelt sind.

Maßnahmen nach dem Modell Italiens gefordert

Wer würde sich in diesem Kontext nicht an die durch die sogenannte Troika den Südländern der Eurozone auferlegten Spar- und Austeritätsbedingungen gegen eine Nothilfekreditvergabe erinnern? Im Falle Argentiniens und vieler anderen bedürftiger Länder waren (sind) finanzielle Hilfszusagen seitens des IWFs stets an „Reformen“ gebunden, die in den meisten Fällen mit einem Rückbau des Sozialstaats und für die Bevölkerung äußerst schmerzhaften Sparmaßnahmen einhergehen.

Anhand des Beispiels von Weißrussland werden wir uns nun einer neuen Vorgehensweise gewahr. Denn dort sollen durch die Regierung des weißrussischen Präsidenten Lukaschenko beantragte IWF-Finanzhilfen an bestimmte Bedingungen im Umgang mit der durch das neue Coronavirus ausgelösten Krankheit Covid-19 geknüpft werden.

Und diese Bedingungen sehen vor, die weißrussische Regierung zu einer Verabschiedung von teils extremen Lockdown-Maßnahmen zu veranlassen. Diese Maßnahmen sollen an das in Italien zu Beginn dieses Jahres verfolgte Modell einer kompletten Abriegelung des Wirtschaftsraums – falls nötig – gekoppelt werden.

Lukaschenko empört: Bedingungen sind inakzeptabel

Auch die ökonomischen Strategien der Weißrussen sollen an dieses Modell entsprechend angepasst werden. Der weißrussische Präsident Lukaschenko hat diese Bedingungen zugunsten einer Kreditvergabe durch den IWF inzwischen aufs Schärfste zurückgewiesen und als „inakzeptabel“ bezeichnet.

Die weißrussische Nachrichtenagentur Belarusian Telegraph Agency nimmt Bezug auf Aussagen Lukaschenkos, die der weißrussische Präsident im Rahmen eines Zusammentreffens seiner Regierung zu einer externen Kreditaufnahme getroffen hat. Der IWF ist durch Weißrusslands Regierung um einen Nothilfekredit in Höhe von 940 Millionen US-Dollar ersucht worden.  

Mit einem hohen Grad der Empörung wurde die Forderung des IWFs die eigenen Corona-Maßnahmen an die zu Jahresbeginn in Italien getroffenen Entscheidungen anzupassen in Weißrussland aufgenommen. Lukaschenko erweist sich als kein Befürworter von solchen Maßnahmen, ausführend, dass er nicht erleben wolle, wie sich die damaligen Entwicklungen in Italien in seinem eigenen Land wiederholten.

Weißrussland will an lockerer Strategie festhalten

Vielmehr blicke Weißrussland bezüglich der Ausbreitung des neuen Coronavirus – und dem Umgang damit – auf eine ganz eigene Situation in der Heimat. Und weiter erklärte Lukaschenko wie folgt:

„Die Weltbank würde uns zehnmal mehr finanzielle Mittel als ursprünglich angeboten zur Verfügung stellen, wenn wir Effizienz im Kampf gegen das Virus an den Tag legen würden. Die Weltbank hat das weißrussische Gesundheitsministerium sogar darum ersucht, bislang gemachte Erfahrungen im Kampf gegen das Virus zu teilen. In der Zwischenzeit werden wir seitens des IWFs dazu aufgefordert, Quarantänemaßnahmen, Isolationsanstrengungen und eine Ausgangssperre zu verabschieden. Das ist Unsinn. Wir werden uns den Forderungen von niemandem in der Welt beugen.“

Im Falle Weißrusslands handelt es sich um eine der wenigen Nationen auf der Welt, die keine restriktiven Eindämmungsstrategien zur Kontrolle des neuen Coronavirus verfolgen. Selbst als nicht essentiell erachteten Dienstleistern wird es bislang erlaubt, ihren Geschäften weiter nachzugehen. Auch die nationale Fußballliga hat ihren Spielplan nicht unterbrochen, wohingegen die Schulferien durch die weißrussische Regierung zeitlich verlängert worden sind.

Weitere Länder stellen sich gegen die WHO

Der weißrussische Präsident Lukaschenko ist nicht der einzige Skeptiker, der sich gegen restriktive Lockdown-Maßnahmen ausspricht. Der tansanische Staatspräsident John Magufuli hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Mai aus dem eigenen Land geworfen, nachdem zuvor bei der WHO eingereichte Proben von Papayas und Ziegen mit dem Vermerk „positiv“ zurückgekommen waren.

Auch der ostafrikanische Staat Burundi hat die WHO in der Zwischenzeit aus dem eigenen Land verwiesen, mit der Begründung, eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes nicht hinnehmen und akzeptieren zu wollen.

Zuvor war es bereits zu interessanten Erklärungen des Staatspräsidenten von Madagaskar gekommen, der öffentlich ausführte, das Angebot einer Bestechungssumme in Höhe von 20 Millionen US-Dollar seitens der WHO erhalten zu haben, wenn er von Aussagen Abstand nehmen würde, dass eine Heilpflanze sich als erfolgreich in der Heilung von Covid-19 erweise. Madagaskar folgte darauf als nächstes Land, das aus der WHO ausgetreten ist.

„Was heißt das für mich konkret!?“

Aus eigenen Erfahrungen und dem, was mir auf dem afrikanischen Kontinent lebende Bekannte und Freunde zurzeit erzählen, werden sich wahrscheinlich nur die wenigsten Afrikaner gegen das neue Coronavirus impfen lassen, so es denn irgendwann einen Impfstoff gegen das Virus geben sollte.

Es sind nicht wenige Afrikaner, die ihre Beine unter die Arme nehmen, wenn westliche Ärzte und/oder Hilfsorganisationen in Afrika auch nur auftauchen, und so herrscht momentan in nicht wenigen Fällen die Ansicht auf dem schwarzen Kontinent vor, dass das neue Coronavirus „wieder nur so ein Produkt der Mzungus“ (der Weißen) sei, die den eigenen Kontinent in Angst und Schrecken halten wollten.

In Afrika ist in der Vergangenheit zu viel Schindluder in Sachen diverser Impfkampagnen betrieben worden, so dass das Vertrauen der Afrikaner in Programme welcher Art auch immer nahezu gegen null tendiert.

Zu Weißrussland lässt sich sagen, dass jene von der allgemein im Kampf gegen Covid-19 verfolgten Linie abweichenden Nationen „Disziplin“ verordnet werden soll. Es wäre interessant zu erfahren, auf welche Weise mit Schweden seitens des IWFs oder der Weltbank verfahren würde, wenn das Land einen Antrag auf Nothilfekredite im Angesicht des eigenen Laissez-faire-Umgangs mit dem Virus stellen würde.